Fragen und Antworten Männer und die Angst vorm Urologen – Was sind die Ursachen?

Von Christian Lang

Viele Männer haben große Angst davor, zum Urologen zu gehen. Foto: Imago/BlickwinkelViele Männer haben große Angst davor, zum Urologen zu gehen. Foto: Imago/Blickwinkel

Osnabrück. Viele Männer vermeiden es, zum Urologen zu gehen. Doch worin liegt die Angst begründet? Und ab welchem Alter sollten Männer den Urologen aufsuchen? Fragen und Antworten.

Haben die deutschen Männer große Angst vor dem Urologen?

„Ja, die gibt es nach wie vor“, sagt Wolfgang Bühmann, der wissenschaftliche Schriftleiter des Berufsverbandes der Deutschen Urologen, im Gespräch mit unserer Redaktion. Das belegen auch die Zahlen. Seit rund 40 Jahren gibt es die Krebsfrüherkennungs-Untersuchung in Deutschland. Doch die wenigsten Männer nehmen diese in Anspruch. Bei rund 14 Prozent pendelt sich die Zahl derer, die sich für die Untersuchung entscheiden, seit Jahrzehnten ein – trotz verschiedener Kampagnen. „Eine Besserung ist aber darin zu sehen, dass Jugendliche und junge Männer mittlerweile anders damit umgehen und sich offener dafür zeigen, ihre Gesundheit in den Blick zu nehmen“, so der Experte weiter. Die jüngere Generation fällt aber noch nicht in die Statistik, da die Früherkennungs-Untersuchungen erst ab 45 Jahren beginnen. (Weiterlesen: Urologen sorgen mit Warteschleifen-Lied für Furore)

Worin liegt die Angst vor dem Arztbesuch begründet?

„Das hat unter anderem mit einem Rollendenken der Männer zu tun, die generell oftmals schlechter auf ihre Gesundheit achten würden als Frauen, so Bühmann, „der Mann will gesund und mitten im Leben sterben“. Männer müssen stark sein, Männer dürfen nicht weinen – und Männer dürfen der Gesundheit keinen allzu großen Raum im eigenen Leben einräumen, so das weit verbreitete Rollenverständnis des vermeintlich „starken“ Geschlechts. Im Schnitt sterben Männer fünf bis sieben Jahre eher als Frauen. Das sei nach Auskunft des Experten nicht biologisch begründet, sondern eher der Lebensweise der Männer sowie der damit verbundenen Tatsache geschuldet, dass Männer oftmals nicht das Bewusstsein aufbringen, wie wichtig es sein kann, auf ihre Gesundheit zu achten und Krankheiten zu vermeiden – wenn sie es denn wollen.

Wann beginnt die Angst?

Sie entwickele sich oftmals schon in der Kindheit: Jungen fehle oftmals einfach ein geeigneter Ansprechpartner, um intime Probleme zu besprechen. Schamhaarwachstum, erster Samenerguss: Es gibt viele Themen, die Jugendlichen in dieser Phase ihres Lebens bewegen. Doch häufig reden sie nicht darüber: Von der eigenen Mutter wollen sie sich nicht beraten lassen, der eigene Vater kann oder will sie nicht aufklären. „Zum Kinderarzt wollen sie nicht, weil das der ,Babyarzt‘ war, zum Hausarzt wollen sie noch nicht, weil das der Familienarzt ist. Wo informieren sie sich dann? Im Internet“, sagt Bühmann. Und im Internet werden die Jungs dann häufig desinformiert, zum Beispiel durch völlig abstruse Vorstellungen über die Penislänge. „Dadurch rutschen manche Jungs sogar in die Depression“, ergänzt der wissenschaftliche Schriftleiter des Berufsverbandes der Deutschen Urologen. Medizinisch richtige Informationen und Antworten auf ihre Fragen können Jugendliche auf der Seite www.jungensprechstunde.de erhalten.

Was können Eltern machen, um ihren Söhnen die Angst zu nehmen?

„Eltern können behutsam versuchen, ihre Kinder aufzuklären“, sagt Bühmann. Dies sei aber recht schwierig, da die Pubertät die Phase ist, in der sich Kinder von ihren Eltern entfernen. Man könne die Jugendlichen nur unterstützen, indem man eher beiläufig über Themen der Sexualität spricht. „Sexualität muss zu einem natürlichen Thema gemacht werden.“ Manchmal könne auch alleine der Hinweis helfen, dass es einen Ansprechpartner wie einen Urologen gibt, an den sich die Jugendlichen wenden können, wenn sie nicht mit den Eltern über pikante Themen sprechen mögen. (Weiterlesen: Von wegen 20 Zentimeter: Studie über den Durchschnitts-Penis)

Ab welchem Alter sollte man einen Urologen aufsuchen?

Dabei gibt es zwei Marken. Zur Hodenuntersuchung sollte man zwischen dem 18. und dem 35. Lebensjahr erstmals zum Urologen gehen. Bis vor einigen Jahren erfolgte zumindest eine einmalige Hodenuntersuchung bei der Musterung zur Wehrpflicht. Doch diese wurde bekanntlich vor einigen Jahren abgeschafft. Ab dem 40. Lebensjahr sollten Männer zur Früherkennungs-Untersuchung gehen, damit ein möglicher Prostata-, Blasen- oder Nierenkrebs rechtzeitigl entdeckt werden kann.

Wie häufig sollte man zum Urologen gehen?

Das kommt auf den jeweiligen Befund an. Bei der Prostata hängt es von den Ergebnissen des sogenannten PSA-Tests ab, den man ab dem 40. Lebensjahr machen sollte. Die Blase und die Nieren sollten alle zwei bis vier Jahre untersucht werden, rät der Experte. „Das sollte man im Einzelfall immer mit dem Urologen absprechen, da der angesichts der Basisbefunde eine Empfehlung abgibt“, so Bühmann weiter.


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