Schulpflicht und Flexibilisierung Was sind Kann- und Muss-Kinder in Niedersachsen?

Von Corinna Berghahn

Schulpflichtig sind in Deutschland erst einmal alle Kinder. Foto: colourbox.deSchulpflichtig sind in Deutschland erst einmal alle Kinder. Foto: colourbox.de

Osnabrück. Wann ist in Niedersachsen der Stichtag für die Schulpflicht? Und was unterscheidet Kann- von Muss-Kindern? Wir erklären es hier.

Die Schulpflicht gilt in Deutschland erst einmal für alle Kinder, doch wann sie in die Schule müssen, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.

Bis 1997 war der Stichtag für die Schulpflicht noch Sache des Bundes. Kinder, die bis zum 30. Juni des Jahres sechs Jahre alt waren, kamen nach den Sommerferien in die Schule. Seitdem der Stichtag jedoch Ländersache ist, variiert er in Deutschland zwischen dem 30. Juni und dem 31. Dezember des Jahres. In Niedersachsen gilt seit 2012 der 30. September als Stichtag für die Einschulung.

Laut dem „Niedersächsischen Schulgesetz“ zählen jedoch auch „Kinder, die am 1. Oktober ihren 6. Geburtstag haben“ zu den Muss-Kindern. Der Grund hierfür ist laut der Niedersächsischen Landesschulbehörde: „Das sechste Lebensjahr ist am Tag vor dem Geburtstag vollendet, an dem das Kind sechs Jahre alt wird. Wer daher beispielsweise am 1. Oktober 2008 geboren ist, hat am 30. September 2014 das sechste Lebensjahr vollendet.“

Neue Bestimmung seit 2018

Am 27. Februar 2018 hat der Niedersächsische Landtag jedoch ein neues Schulgesetz beschlossen. Eine zentrale Änderung mit hoher Relevanz für viele Eltern war die Flexibilisierung des Einschulungsstichtages: Eltern, deren Kinder das sechste Lebensjahr zwischen dem 1. Juli und dem 30. September vollenden, haben nunmehr die Möglichkeit, den Einschulungstermin um ein Jahr zu verschieben. Dabei sollen die Eltern sich bis zum Stichtag 1. Mai eines jeden Schuljahres entschieden haben, ob die Einschulung des Kindes um ein Jahr hinausgeschoben werden soll. In diesem Fall reicht eine formlose schriftliche Erklärung gegenüber der Schule aus.

Was sich allerdings nicht geändert hat, ist, dass Kinder, deren Erziehungsberechtigte von der Möglichkeit des Aufschiebens des Schulbesuchs Gebrauch machen, weiterhin an der Schuleingangsuntersuchung teilnehmen müssen.

Für 2018 gibt es zudem eine Sonderregelung, erklärt das niedersächsische Kultusministerium: Die Erziehungsberechtigten der Kinder, bei denen in diesem Jahr die Schuleingangsuntersuchungen erst nach dem 1. Mai stattfinden, können ihre Entscheidung über die Einschulung innerhalb einer Woche nach der Schuleingangsuntersuchung bei der zuständigen Grundschule erklären. (Weiterlesen: Streit um flexible Einschulung in Niedersachsen)

Muss-Kinder konnten sich nicht einfach zurückstellen lassen

Wollten Eltern vor der Flexibilisierung des Einschulsticktages ihre bis zum Stichtag sechs Jahre alt gewordenen Kinder zurückstellen, war das weitaus schwieriger: Ihre Kinder waren erst einmal alle Muss-Kinder. Dazu entschied auch noch der Schuleignungstest, ob das Kind tatsächlich in die Schule muss.

Allerdings bedeutete es einen enormen Verwaltungsakt, wenn Eltern ihr Kind noch ein Jahr zurückstellen lassen wollten: Die Kinder mussten ärztlich attestiert körperlich, geistig oder in ihrem sozialen Verhalten nicht genügend entwickelt sein. Zudem wurde die Entscheidung dann letztendlich vom Schulleiter getroffen.

Kann-Kinder können früher oder später in die Schule

Kinder, die erst nach dem Stichtag sechs Jahre alt werden, unterliegen noch nicht der Schulpflicht. Sie können aber zugelassen werden, daher nennt man sie auch Kann-Kinder.

Ihre Eltern müssen dafür jedoch einen Antrag stellen und die Schuleignung ihrer Kinder überprüfen lassen. „Schulreif“ ist übrigens ein Begriff aus der Vergangenheit.

Stichtage für die Schulpflicht in Deutschland

30. Juni: Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg­Vorpommern, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein

1. August: Thüringen

31. August: Rheinland-Pfalz

30. September: Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg, Niedersachsen*, Nordrhein-Westfalen

31. Dezember: Berlin

*In Niedersachsen gilt die Flexibilisierung des Einschulungsstichtages; sprich: Eltern von Kindern, die zwischen dem 1. Juli und dem 30. September das sechste Lebensjahr vollenden, haben die Möglichkeit, den Einschulungstermin um ein Jahr zu verschieben.