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Brauchtum um süßes Gebäck Warum hat der Krapfen im Karneval Hochsaison?

Von Elke Schröder

Der Klassiker: ein Berliner gefüllt mit Erdbeermarmelade und Puderzucker bestäubt.  Foto: Laurence Mouton/colourbox.deDer Klassiker: ein Berliner gefüllt mit Erdbeermarmelade und Puderzucker bestäubt. Foto: Laurence Mouton/colourbox.de

Osnabrück. Er ist meist rund, wiegt im Durchschnitt 70 Gramm. Doch erst die darin enthaltenen zehn bis 14 Gramm Fett machen aus ihm ein Schwergewicht: der Krapfen, noch besser bekannt als Berliner. Im Karneval ist er besonders beliebt.

Ob nach dem Frittieren mit Zucker gepudert oder mit Zitronenguss glasiert, mit Erdbeermarmelade, Schoko- oder Vanillecreme gefüllt oder schon durch Beigabe von Eierlikör „beschwipst“, ist der Krapfen derzeit wieder der Star unter den Hefeteigstücken: der Krapfen. Doch woher kommt es, dass das kalorienreiche Gebäck in der närrischen Zeit Hochsaison hat? Diese Tradition hat im Mittelalter ihren Ursprung. Denn der Karneval war die Gelegenheit alles zu feiern, was in der bevorstehenden sechswöchigen christlichen Fastenzeit verboten war. Und zu diesem Brauch und den kulinarischen Sünden gehörte das Backen und Verzehren des Schmalzgebäcks, denn der Verzehr von Eier- und Milchspeisen blieb in der Fastenzeit bis Ostern untersagt.

Stärkung für die enthaltsamen Wochen

Einerseits wurde sich mit dem fetthaltigen Hefegebäck für die enthaltsamen Wochen gestärkt, andererseits wurden so auch die leicht verderblichen Vorräte verbraucht. Als letzte Möglichkeit, Schmalzkuchen und Fastnachtskrapfen zu backen, die dann bis zum Faschingsdienstag reichen mussten, kennt die schwäbisch-alemannische Fastnacht auch den Schmalzigen Samstag, den Samstag vor Aschermittwoch. (Weiterlesen: Woher kommen die deutschen Karnevalsrufe?)

Wann, wo und wie der Krapfen erfunden wurde, darüber gibt es unterschiedliche Theorien. So sollen schon die Römer in Fett gebackene Hefeballen gekannt haben. Einer populären Legende nach stellte 1756 ein Berliner Bäcker für die Soldaten Friedrich des Großen Hefeteigstücke in Kanonenkugelform her. Nur eine von vielen Geschichten rund um die Erfindung des Berliner Pfannkuchens, kurz: Berliner.

200 bis 400 Kalorien pro Krapfen

Am Aschermittwoch sollte dann eigentlich auch die ganz große Krapfen-Sause für die Narren vorbei sein. Dem einen oder anderen Karnevalisten wird es dann beim nüchternen Blick auf die Waage vielleicht wieder dämmern, dass er in den tollen Tagen des Straßenkarnevals allein pro verzehrtem Berliner – je nach Ausstattung – 200 bis 400 Kalorien zu sich genommen hat. Um diese zu verbrauchen, könnte er es mit Treppensteigen versuchen. Zum Beispiel könnte er die 533 Stufen vom Südturm des Kölner Doms rauf und runter steigen. Bei vier verzehrten Krapfen bedeutet das, mindestens fünf Mal die Turmtreppe rauf und runter – ohne zwischendurch die fantastische Aussicht aus 97 Metern Höhe zu genießen. Dann vielleicht doch lieber fasten?