Police gehört auf den Prüfstand Neue Haftpflichtversicherungen leisten mehr

Von Annette Jäger

Erst, wenn ein neuer Vertrag abgeschlossen ist, sollte man seine alte Police kündigen. Foto: dpaErst, wenn ein neuer Vertrag abgeschlossen ist, sollte man seine alte Police kündigen. Foto: dpa

Schondorf. Private Haftpflichtversicherungen werden immer besser: Neuere Policen zahlen bei viel mehr Schadensszenarien als alte. Alle paar Jahre gehört der Schutz auf den Prüfstand.

Eine Langfassung dieses Textes finden Sie hier

Neue Risiken: Eine private Haftpflichtversicherung springt ein, wenn Schadensersatzforderungen auf einen zukommen. Aber nur dann, wenn auch wirklich alle Schadensszenarien versichert sind. Die Police setzt sich aus vielen Leistungsdetails zusammen. Für den Versicherten lohnt es sich, alle paar Jahre die eigene Lebenssituation mit dem Leistungsumfang abzugleichen: Steht ein Hausbau an? Wurde ein Hund angeschafft? Hat der Sohn das Hobby Drohnenfliegen entdeckt? Dann gilt es, den Haftpflichtschutz anzupassen.

Neue Policen: Haftpflichtversicherungen werden immer besser. „Risiken, für die man in der Regel eine separate Absicherung benötigt, sind jetzt oft in der üblichen privaten Haftpflicht integriert“, sagt Versicherungsberater Thorsten Rudnik. Beispiel: Hausumbau. Nicht selten decken neue Policen Umbauten bis zu 100000 Euro Bausumme ab. Eine spezielle Bauherren-Haftpflichtversicherung kann entfallen. Auch Öltanks, die üblicherweise eine Gewässerschadenhaftpflichtversicherung erfordern, sind oft bis zu einem bestimmten Fassungsvermögen integriert. „Meist sind solche Extraleistungen in den besseren Komfort-Tarifen enthalten. Wenn diese 30 Euro mehr als der Standardschutz im Jahr kosten, lohnt sich das, wenn dann besondere Risiken gedeckt sind“, rät Rudnik. Eine Police, die die ganze Familie einschließt, kostet ab etwa 80 Euro im Jahr.

Leistungen: Inzwischen versichern neue Policen auch Schäden, für die der Verursacher laut Gesetz nicht haftet. Trotzdem kann sich der Versicherte moralisch verpflichtet fühlen zu zahlen. So sind Kinder unter sieben Jahren (im Straßenverkehr: zehn Jahren) gar nicht haftbar. Richten sie einen Schaden an: Pech für den Geschädigten. Eltern wollen den Schaden aber vielleicht trotzdem begleichen. Viele Policen springen dann ein und leisten bis zu einer Schadenshöhe von 5000 oder gar 10000 Euro. Dasselbe gilt bei Gefälligkeitsschäden: Wer beim Nachbarn während dessen Urlaub Blumen gießt und einen Wasserschaden verursacht, muss dafür nicht geradestehen. Angenehm, wenn die Police dann trotzdem leistet.

Besondere Risiken: Manche Risiken bedürfen einer Extra-Versicherung. Hundehalter benötigen eine Tierhalterhaftpflichtversicherung. Vermieter oder Eigentümer unbebauter Grundstücke sollten unbedingt eine Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung haben, wenn das Grundstück nicht im Komforttarif abgedeckt ist. „Der Klassiker: Der Postbote rutscht auf dem Grundstück aus und verletzt sich – der Eigentümer haftet“, sagt Rudnik.

Deckungssumme: Alle fünf Jahre lohnt sich auch ein Blick auf die Deckungssumme. Früher galten drei Millionen Euro als ausreichend. „Bei Neuabschluss rate ich heute zu zehn Millionen Euro für Personen- und Sachschäden“, sagt Rudnik.

Versicherungswechsel: Policen kann man regulär mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten zum Ende der Laufzeit kündigen – nach einer Prämienerhöhung oder einem Schadensfall auch während der Laufzeit. „Um einen lückenlosen Versicherungsschutz zu gewährleisten, sollte man erst dann kündigen, wenn ein neuer Vertrag abgeschlossen ist“, rät Rudnik.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN