Jawbone in der Kritik Kunden wütend: Fitnessfirma reagiert einfach nicht mehr

Das Jawbone UP 3 bei einer Präsentation im Januar 2015 in Tokio. Foto: dpaDas Jawbone UP 3 bei einer Präsentation im Januar 2015 in Tokio. Foto: dpa

Osnabrück. Die Kunden des Fitness-Armbandherstellers Jawbone sind wütend: Seit Wochen ist das Unternehmen nicht mehr erreichbar, defekte Geräte werden nicht repariert oder getauscht. Was können Geschädigte tun, wenn das Unternehmen einfach auf stumm schaltet?

Jawbone war ein Pionier im Bereich der Fitness-Tracker und ‚Wearables‘, mit denen Nutzer ihre Tagesaktivitäten messen und digital aufzeichnen können. Doch für positive Schlagzeilen hat das Unternehmen schon lange nicht mehr gesorgt. Stattdessen gab es Gerüchte um Zahlungsrückstände und gar eine mögliche Insolvenz – die Jawbone stets dementierte. Mittlerweile kommuniziert die US-Firma gar nicht mehr nach außen. (Im Test: Drei Monate mit der Apple Watch – Suche nach dem Sinn)

Jawbones mysteriöse Funkstille

Die letzte öffentliche Reaktion auf eine Nutzeranfrage ist ein Tweet vom 16. Dezember, seitdem herrscht auf allen Kanälen eine mysteriöse Funkstille. Einzige Ausnahme: Auf der offiziellen Facebook-Seite des Unternehmens werden gelegentlich Fitness-Tipps veröffentlicht. Unter diesen Beiträgen verfasste Nutzeranfragen und -beschwerden bleiben ebenso unbeantwortet wie eine Anfrage unserer Redaktion. Wer die Facebook-Seite betreut, ist nicht bekannt.

Wütende Jawbone-Kunden machen sich Luft

Verärgerte Kunden machen sich auf der Präsenz des US-Herstellers sowie auf Verkaufsplattformen wie Amazon Luft und schildern ihre teils zahlreichen, vergeblichen Kontaktversuche. Einige schreiben, dass sie seit Sommer 2016 auf eine Reparatur oder den Ersatz ihres defekten Artikels warteten und immer wieder vertröstet wurden. Viel Hoffnung gibt es offensichtlich nicht.

Jawbone-Webseite wie ein „Fake-Shop“

Auf der Jawbone-Webseite fehlen ein Impressum, eine ladungsfähige Adresse oder die AGB mit Garantiebestimmungenen. All das deute darauf hin, dass das Unternehmen nicht seriös sei, sagt Josina Starke von der Verbraucherzentrale Niedersachsen unserer Redaktion. „Im Zweifel haben die Kunden Pech gehabt. Das ist dann wie bei einem ‚Fake-Shop‘“, so Starke. Geschädigte könnten das Unternehmen in den USA verklagen, doch bezweifelte die Verbraucherschützerin, dass diese Kosten-Nutzen-Rechnung bei Anschaffungspreisen zwischen 25 und 80 Euro aufginge.

Was geschädigte Kunden tun sollten

Ohnehin sollten sich Kunden bei Problemen im Rahmen der 24-monatigen Gewährleistung an den Verkäufer wenden, nicht an den Hersteller. Doch auch das könnte schwierig werden, denn Jawbone hatte bereits im Herbst 2016 eingeräumt, dass sie keine Fitnessarmbänder mehr auf Lager hätten und diese nicht mehr über die eigene Webseite verkauften. Verfügbare Ersatzteile oder -geräte sind Mangelware. Wenn der Verkäufer Reparatur- oder Ersatzanfragen ignoriert oder ablehnt, sollten Kunden diesem eine Frist von zehn bis 14 Tagen setzen und das Geld zurückfordern, rät Starke. (Weiterlesen: 500 Dicke auf Diät – Teilnehmer ohne Fitness-Tracker nahmen mehr ab)


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