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Wenn die wilde Jagd kommt Aberglaube und Grusel: Was sind die Rauhnächte?

Von Corinna Berghahn

Oh schaurig ist‘s aus dem Haus zu gehen – jedenfalls in den Rauhnächten, wenn die wilde Jagd um die Häuser tobt. Foto: ColourboxOh schaurig ist‘s aus dem Haus zu gehen – jedenfalls in den Rauhnächten, wenn die wilde Jagd um die Häuser tobt. Foto: Colourbox

Osnabrück. Die zwölf Nächte zwischen Heiligabend und dem Drei Königsfest gelten seit jeher als unheimlich. Doch was hat es mit den Rauhnächten eigentlich auf sich?

Um die Rauhnächte herum hat sich eine Menge unheimlicher Aberglauben angehäuft, der sich in vielen Einschränkungen manifestierte: Wäsche waschen? Verboten! Unordnung im Haus? Nicht gut. Als Frau in der Dunkelheit noch auf die Straße? Lieber nicht.

Was sind die Rauhnächte

Die Rauhnächte beginnen mit der Nacht auf den ersten Weihnachtstag und enden mit der Nacht auf Drei Könige, am 6. Januar. Ursprünglich hießen sie Rauchnächte, da Häuser und Ställe mit Kräutern geräuchert wurden, um so Dämonen und böse Geister zu vertreiben.

„Weitere Namen für die Rauhnächte sind auch Raub-, Zwölf-, heilige oder schwarze Nächte. Als Losnächte haben sie zudem schicksalhafte Bedeutung“, erklärt Isabel Pagalies im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Kulturanthropologin aus Göttingen hat sich intensiv mit Volksglauben und Brauchtum beschäftigt.

„Es sind zumeist zwölf Nächte und jede einzelne soll als eine Art Omen für das kommende Jahr stehen. Die erste Rauhnacht also für den Januar und so weiter“, sagt Pagalies. Daher soll man in dieser Zeit besonders auf seine Träume, Gefühle sowie auf das Wetter, Erlebnisse und Nachrichten achten.

Die Anzahl der Rauhnächte variiert jedoch nach Gegend: Von drei bis zwölf Nächte können sie dauern. In einigen Gegenden wird zudem die Wintersonnenwende, also die längste Nacht des Jahres, hinzugezählt.

Die wilde Jagd

Besonders gefürchtet wird in dieser Zeit die „wilde Jagd“, eine Art Höllentruppe, die brausend am Himmel umherzieht und die auf keinen Fall ins Haus gelangen darf. „Türen und Fenster wurden verschlossen, sicher war es nur Zuhause, mit Betonung auf dem ,zu‘“, so die Kulturanthropologin.

„Die wilde Jagd sind eine Art übernatürlicher Jäger, die als Gefahr für den Menschen gelten. Der Begriff ist in Grimms Wörterbuch verankert, aber es gab ihn schon lange vorher. Man sagt, es seien Verstorbene die ,vor ihrer Zeit“, also gewaltsam, ums Leben kamen.“

Ihren Ursprung hat die wilde Jagd einerseits ganz prosaisch in den Winterstürmen, aber auch in der nordischen Mythologie, so Pagalies. Odin, der mit seinen Mannen durch die Lüfte zieht, könne ihr Anführer gewesen sein.

Zudem steht in diesen Nächten das Geisterreich offen, sprich: Die Seelen der Verstorbenen treiben sich auf der Erde herum. Darüber hinaus kann man in diesen Nächten Orakel befragen, woher sich der noch heute gebräuchliche Spaß des Bleigießens an Silvester erklärt.

Nichtstun und Besinnlich sein

„Wäsche durfte nicht gewaschen werden, damit sich die Geister nicht in den Laken fingen und diese dann als Totenhemden nutzen“, so Pagalies. Überhaupt durfte wenig getan werden: Backen, Spinnen, Putzen, alles musste vor den zwölf Nächten abgeschlossen sein. „Das Haus musste in Ordnung sein, die Hausfrau an den Tagen ruhen. So erklären sich auch langhaltende Backwaren wie der Weihnachtsstollen, der vor den Festtagen zubereitet wurde und sich über die ganzen Tage hielt.“

Wichtig auch: Vor Weihnachten mussten die Schulden beglichen sein, sonst winkte Unglück. Zudem durften in manchen Gegenden Frauen und Mädchen in den Nächten nicht nach draußen gehen, weil es die wilde Jagd besonders auf sie abgesehen hätte. Doch ob Frau oder Mann: Wer der wilden Jagd begegnete, galt dem Tod geweiht, erklärt Pagalies. Statt sich draußen umherzutreiben, blieb man also sicherheitshalber zuhause und besann sich.

Die Zeit „zwischen den Jahren“

„Die Zeit zwischen den Jahren ist eine Zeit des Wechsel und des Wandels, eine Übergangszeit. In aller Ruhe schaut man schaut auf Vergangenes zurück, schließt ab und macht sich bereit für neue Ziele und Wege.“ Das alte Jahr ist vorbei, das neue hat noch nicht begonnen. Das erklärt auch die Redewendung „zwischen den Jahren“ für die Spanne zwischen Heiligabend und Drei Könige.


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