Angebote bei Ebay Darf ich ein Känguru halten?

Kängurus können unter gewissen Bedingungen und Vorschriften auch privat gehalten werden. Archivfoto: Caroline Seidel/dpaKängurus können unter gewissen Bedingungen und Vorschriften auch privat gehalten werden. Archivfoto: Caroline Seidel/dpa

Osnabrück. Hund, Katze und Kaninchen sind die bekannten Haustiere – aber ein Känguru? Gar nicht unrealistisch.

Vor einigen Tagen waren vier Kängurus in Münster entlaufen – und zwar nicht dem Zoo, sondern einer Familie. Aber darf man die Beuteltiere auch als Privatbesitzer halten? „Es müssen viele Bedingungen erfüllt werden, um die Beuteltiere auch privat halten zu dürfen“, sagt Joachim Schiek, Sprecher der Stadt Münster.

Es gebe viele verschiedene Känguruarten, aber nur wenige eignen sich für das Leben als Haustier in Deutschland. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft unterscheide hier zwischen Baumkängurus und „eigentlichen Kängurus“. In Deutschland können laut Schiek aber nur die „eigentlichen Kängurus“ gehalten werden, da die Lebensbedingungen für Baumkängurus kaum umsetzbar seien. Die „eigentlichen Kängurus“ halten auch niedrige Temperaturen um 0 Grad aus. (Weiterlesen: Um Hund zu retten: Australier vertreibt Känguru mit Fausthieb)

„Je komplizierter das Tier, desto höher sind die Auflagen“

Das kann auch Dirk Wewers, Biologe und Kurator des Allwetterzoos Münster, bestätigen. „Am häufigsten werden Wallaby Bennett Kängurus gehalten“, sagt Wewers. Die Beuteltiere gehören zur Gattung der Säugetiere, deshalb müssten Ämter wie die untere Landschaftsbehörde und die Stadt oder der Kreis prüfen, ob die Mindestanforderungen für die Haltung von Säugetieren des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft erfüllt sind.

„Die Anforderungen bei Kängurus sind vergleichbar mit denen von Dammwild“, sagt Joachim Schiek. Das Wichtigste für die Umgebung sei, dass das Gehege ausbruchssicher ist. Beispielsweise bräuchten fünf Wallabys ein Außengehege von mindestens 200 Quadratmetern. „Außerdem müssen sowohl sonnige als auch schattige Plätze vorhanden sein, die Tiere brauchen eine Rückzugsmöglichkeit und es wird vorgeschrieben, was die Beuteltiere fressen dürfen“, sagt Schiek. Weiches Heu, im Sommer frisches Gras, Obst und Gemüse gibt das Bundesministerium unter anderem für die „eigentlichen Kängurus“ vor.

Erst informieren, dann kaufen

Das Veterinäramt prüft dann vor Ort, ob die Lebensbedingungen für die Tiere optimal erfüllt sind. „Man sollte sich allerdings erst darüber informieren, bevor man ein Känguru kauft“, sagt Dirk Wewers. Er sieht die private Haltung kritisch: „Es sind Wildtiere und ich hoffe, dass die Behörden die Bedingungen gut kontrollieren. Manche Menschen gehen zu naiv an die Sache und informieren sich nicht richtig.“ Rein rechtlich dürfe man alle Tiere halten – auch Erdmännchen, Löwen oder Elefanten. „Wenn die Bedingungen stimmen. Je komplizierter das Tier, desto höher sind die Auflagen“, betont Wewers.

Ein Känguru bekommt man leichter als gedacht. Auch bei Ebay Kleinanzeigen werden einige Tiere angeboten. Und diese Anzeigen sind nicht unbedingt unseriös: „Da sich die Beuteltiere relativ einfach züchten lassen, ist es realistisch, dass Besitzer ihre Jungtiere dann verkaufen. Man sollte aber sich immer vor Ort einen Eindruck verschaffen, woher die Tiere kommen und ob sie aus einer guten Haltung stammen“, sagt der Biologe.

Wenn einem ein entlaufenes Känguru begegnet, muss man laut Wewers übrigens keine Angst haben: „Sie sind sehr scheu und greifen keine Menschen an. Wenn man eins sieht, sollte man es beobachten und die zuständigen Behörden oder die Polizei informieren.“


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