Klickmonster auf mehr als 100 Webseiten Teenager verdienten mit Fake-News an US-Wahlkampf

(K)ein verschlafenes Nest: Teenager aus dem mazedonischen Städtchen Veles sollen mit der Verbreitung von Falschmeldungen im US-Wahlkampf kräftig Kasse gemacht haben. Foto: dpa/ EPA/Georgi Licovski/Epa(K)ein verschlafenes Nest: Teenager aus dem mazedonischen Städtchen Veles sollen mit der Verbreitung von Falschmeldungen im US-Wahlkampf kräftig Kasse gemacht haben. Foto: dpa/ EPA/Georgi Licovski/Epa

Osnabrück. Knapp ein Jahr vor den Bundestagswahlen wächst auch bei uns die Sorge über sogenannte Fake-News. Die absichtlich falschen oder stark verzerrten Texte im Internet sollen den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl beeinflusst haben.

So sollen sich mazedonische Teenager mit Falschmeldungen zum US- Wahlkampf eine goldene Nase verdient haben. Das hat die US-Seite Buzzfeed enthüllt. Je mehr Menschen sich die Fake- News angeschaut hätten, desto mehr Geld sei auf die Konten der Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren geflossen. Einige von ihnen sollen monatlich bis zu 5000 Dollar (rund 4700 Euro) eingenommen haben. Das sei mehr als ein Jahresgehalt ihrer Eltern.

In Mazedonien

Ihre Fake-News sollen die in der mazedonischen Kleinstadt Veles (45000 Einwohner) lebenden Nerds auf circa 140 Webseiten, die sie seit Anfang 2016 ins Internet gestellt hatten, veröffentlicht haben. Sie basierten demnach meist auf Geschichten über die US-Präsidentschaftskandidaten, die sie in rechten oder rechtsextremen US-Medien aufgespürt hatten. Die Artikel haben sie mit reißerischen Titeln aufgepeppt und auf den eigenen Websites gepostet. Via Facebook wurden die Beiträge dann weiterverbreitet. Es sei ihnen dabei nicht um Politik gegangen, sondern nur um die Kohle, betonten die Jungunternehmer gegenüber Journalisten. Mit negativen Schlagzeilen zu Trumps Gegnerin Hillary Clinton habe sich nun mal mehr Geld verdienen lassen.

Geld durch Werbung

Der Suchmaschinengigant Google stellt Werbung vorrangig auf Seiten, die häufig aufgerufen werden. So wuchs mit jedem Klick auch das Guthaben der mazedonischen Betreiber bei Google. Facebook tat dann das seine: Durch die Multiplikator-Wirkung von Facebook sollen die besten Geschichten bis zu 500000-mal geteilt, „geliked“ und kommentiert worden sein. Spitzenreiter war die angebliche Werbung von Papst Franziskus für eine Präsidentschaft Trumps und die Behauptung, Hillary Clinton verkaufe Waffen an die Terrormiliz IS.

Autorenjobs

In den drei Monaten vor der US-Präsidentschaftswahl erreichten die meistverbreiteten Falschmeldungen auf Facebook nach einer Analyse von Buzzfeed mehr Reichweite als die erfolgreichsten Artikel etablierter Medien auf der Plattform. Die großen Nachrichtenportale hätten noch einige Monate vorher klar in Führung gelegen.

Nach einem Bericht des „Standard“ werben rechtsextreme Webseiten auf Amazons Jobvermittlungsplattform Mechanical Turk explizit Autoren für das Schreiben gefälschter Nachrichten an. Fake- und Verschwörungsseiten scheinen besonders für rechte Gruppen wichtige Alternativen zu sein.

Befürchtungen, die AfD werde im Bundestagswahlkampf Social Bots einsetzen, mit denen automatisiert Botschaften in sozialen Netzwerken verbreitet werden, haben sich zunächst nicht bestätigt. Die Partei wies einen entsprechenden Bericht des „Spiegel“ zurück. Alle anderen in Deutschland zur Wahl stehenden Parteien haben sich bereits ausdrücklich gegen den Einsatz digitaler Manipulationswerkzeuge ausgesprochen.

Merkel fordert Debatte

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ist alarmiert: Sie forderte jüngst eine Debatte über die mit den digitalen Medien verbundenen neuen Möglichkeiten der politischen Manipulationen. Bundesjustizminister Heiko Maas sprach sich für einen „Algorithmen-Tüv“ aus, für den Facebook, Google und Co freilich ihre streng gehüteten Algorithmen offenlegen müssten. Immerhin haben Facebook und Google aber angekündigt, künftig Plattformen, die auf Falschmeldungen setzten, aus ihrem Werbenetzwerk auszuschließen. Bei Facebook sollen Fact-Checker (Falsch-)Meldungen aufspüren und eleminieren.

Unterdessen sind die Nerds aus Veles auf der Suche nach neuen lukrativen Themen. Damit die Kasse weiter klingelt, wollen sie ihre Seiten zunächst auf Sport und gesunde Ernährung ausrichten, hieß es. Die Bundestagswahlen in Deutschland stehen bisher noch nicht auf ihrer Agenda.


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