Neue Immobilienkreditrichtlinie So erhöhen Sie Ihre Chancen auf ein Darlehen

Von Max Geissler


München. Die Kreditzinsen sind in den letzten Jahren zwar massiv gesunken, doch es ist nicht leichter geworden, einen Kredit zu erhalten. Was die neue Immobilienkreditrichtlinie für Verbraucher bedeutet.

Trotz schuldenfreiem Haus und einer Monatsrente von 750 Euro versagte die Bank einer 64-jährigen Frau aus dem Rheinland einen Kredit über 35000 Euro für den altersgerechten Umbau ihres Eigenheims. Zur Begründung verwies die Bank auf das hohe Lebensalter der Frau. Vielen Kreditsuchenden ergeht es derzeit ähnlich. Schuld daran ist die neue Wohnimmobilienkreditrichtlinie , die seit dem Frühjahr in Kraft ist. Sie verlangt, dass bei der Kreditvergabe die individuelle Situation des Antragstellers im Fokus stehen muss und weniger vorhandene Immobilienwerte. Die Folge: Können ältere Kreditsuchende das Darlehen voraussichtlich nicht mehr zu Lebzeiten zurückzahlen, gehen sie leer aus. Neben Senioren sind auch junge Familien im Nachteil. Da Elternzeit und Erziehungspausen jetzt als Risiko bewertet werden, stehen sie der Kreditvergabe im Weg.

Weniger Kreditzusagen

Die Folgen sind gravierend. „Einzelne Sparda-Banken verzeichnen Rückgänge von bis zu 25 Prozent der Kreditzusagen“, berichtet Sparda-Chef Joachim Wuermeling. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband vermeldet für das erste Halbjahr 2016 einen Rückgang um neun Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Rheinisch-Westfälische Genossenschaftsverband (RWGV) beziffert das Minus bei seinen Mitgliedern sogar auf 15 Prozent. „Senioren werden regelrecht diskriminiert“, schimpft RWGV-Vorsitzender Ralf Barkey. Der Immobilienverband IVD bezweifelt sogar die Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes, denn ältere Menschen würden klar benachteiligt. Inzwischen haben einige Bundesländer eine Initiative zur Reform der Richtlinie gestartet.

Wenn der Kredit wackelt

Baukredite müssen nachhaltig finanzierbar sein – so will es das Gesetz. Um die Finanzkraft eines Kreditnehmers herauszufinden, analysieren Kreditinstitute dessen finanzielle Ausgangslage. Wackelt das Finanzkonzept, ist guter Rat teuer. Thomas Hein, Baufinanzierungsmanager bei der ING-Diba, empfiehlt in diesem Fall, „das Eigenkapital aufzustocken“. Dazu kann man weitere Eigenmittel ansparen, seine Lebensversicherung beleihen oder Geld bei Verwandten borgen. Höheres Eigenkapital verringert den Darlehensbedarf und senkt die Kreditbelastung. Sinnvoll kann auch eine schnellere Tilgung sein. Das empfiehlt sich vor allem für ältere Darlehensnehmer, denn eine hohe Tilgungsquote verkürzt die Kreditlaufzeit. „Aufgrund der aktuellen Tiefzinsen sollten Immobilienkäufer in der Lage sein, mindestens drei Prozent Anfangstilgung zu leisten“, sagt Hein.

Zum Thema: Bauen oder Kaufen: Tipps zum Immobilienkredit

Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen, rät Kreditnehmern „mindestens 20 bis 30 Prozent Eigenkapital in die Finanzierung einzubringen“. Im Zweifel könne man „die eigenen vier Wände eine Nummer kleiner wählen“. Dies erlaube eine geringere Kreditaufnahme. Außerdem sollte man vor dem Kreditantrag seine Schufa-Daten prüfen. Die bei der Schufa hinterlegten Daten sind eine wichtige Basis für Banken, um die Kreditwürdigkeit eines Kunden einzuschätzen. „Jeder kann einmal im Jahr eine kostenlose Selbstauskunft einholen. Sind die Daten fehlerhaft, sollte man sie korrigieren lassen“, so die Verbraucherschützerin.

Strenge Vergabepraxis

Nicht alle Banken kritisieren die Kreditrichtlinie und vermelden einen Rückgang der Baukredite. „Wir genehmigen genauso viele Baudarlehen wie vor Inkrafttreten der Richtlinie“, sagt ING-Diba-Experte Hein. Es gebe keine Absage wegen des Gesetzes. „Wir haben schon immer weniger Gewicht auf vorhandene Sicherheiten wie den Immobilienwert gelegt als vielmehr auf stabile Einkommensverhältnisse und die langfristige Finanzierbarkeit.“ Auch die Deutsche Bank verzeichne kein Kreditminus, so eine Banksprecherin. Die Kunden würden stets mit Blick auf ihre Gesamtsituation beraten.

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