Von Industrie gepuscht? Psychologe: Lebensmittel-Unverträglichkeit oft nur Einbildung

Viele Menschen trinken keine Milch, weil sie glauben, dass sie das Milcheiweiß nicht vertragen. Diese Laktoseintoleranz hält ein Psychologe in vielen Fällen für Einbildung  Foto: Picture Alliance /Kai RemmersViele Menschen trinken keine Milch, weil sie glauben, dass sie das Milcheiweiß nicht vertragen. Diese Laktoseintoleranz hält ein Psychologe in vielen Fällen für Einbildung Foto: Picture Alliance /Kai Remmers

Baden-Baden. Lebensmittel-Unverträglichkeiten sind nach Ansicht des Ernährungspsychologen Joachim Westenhöfer in vielen Fällen oft nur das Ergebnis von Einbildung, Unwissen oder gutem Marketing der Nahrungsmittelindustrie.

Dies gelte für Gluten- und Laktoseunverträglichkeit, aber auch für die neue Welle der Histamin-Intoleranz, sagte Westenhöfer dem Sender SWRInfo. Der Psychologe ist der Ansicht, dass viele Menschen nur glaubten, sie litten unter einer Unverträglichkeit. So habe nur ein Prozent der Bevölkerung eine nachgewiesene Gluten-Unverträglichkeit, aber ein viel größerer Anteil meide Gluten. Viele bezahlten hohe Preise für Ersatzprodukte.

Viel Geld

Laut Westenhöfer ist dieses Verhalten darauf zurückzuführen, dass die Industrie viel Geld mit den Ersatz-Lebensmitteln verdiene und die Medien mit Vorliebe über Verbraucherthemen berichteten. Es sei „ein sehr attraktives und intelligentes Geschäftsmodell der Industrie und auch der Medien“, dass das Thema Unverträglichkeiten in Mode bleibe.

Weiterlesen: Analogkäse: Vom billigen Imitat zum Produkt für Veganer

Abergläubisch

Dieses Kalkül treffe sich mit der Anfälligkeit der Menschen, sich Dinge einzureden, zum Beispiel, dass es zwischen Bauchschmerzen und der letzten Mahlzeit einen direkten Zusammenhang gebe. Als Folge ließen die Menschen bestimmte Nahrungsmittel weg. Wenn sich dann ihr Zustand bessert, seien sie davon überzeugt, eine Unverträglichkeit zu haben. „In der Psychologie bezeichnet man das als abergläubisches Verhalten“, erklärte Westenhöfer.

Lesen Sie hier: Verbrauchschützer: Neue Regeln für Alternativprodukte


0 Kommentare