Kachelmann: „Völliger Schwachsinn“ Wird der Winter 2016/17 besonders kalt?

Von Eva Voß

Ob der Winter in diesem Jahr besonders kalt wird, lässt sich jetzt noch nicht zuverlässig vorhersagen, sind sich Wetterexperten einig. Foto: dpaOb der Winter in diesem Jahr besonders kalt wird, lässt sich jetzt noch nicht zuverlässig vorhersagen, sind sich Wetterexperten einig. Foto: dpa

Osnabrück. Angeblich wird dieser Winter besonders kalt und streng – das melden verschiedene Medien. Wetterexperte Jörg Kachelmann hält die frühe Vorhersage für „Schwachsinn“.

„Winter is coming“, also der Winter kommt, wissen nicht nur Fans der Fantasy-Serie „Game of Thrones“ . Und in diesem Jahr soll er besonders kalt und streng ausfallen, melden verschiedene Wetterportale und Medien. Grund dafür soll ein nur schwach ausfallender Polarwirbel sein. Dabei handelt es sich um einen Wind, den es jeden Winter auf der Nordhalbkugel gibt und der um den Nordpol kreist. Weht er stark, wird der Winter in Europa mild. Ein schwacher Polarwirbel deutet dagegen auf lang anhaltend kalte Temperaturen hin. Ein weiteres Zeichen, das den Berichten zufolge für einen kalten Winter spricht, ist die Tatsache, dass der Oktober 2016 in Deutschland etwas zu kalt war. Die Durchschnittstemperatur lag nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach bei nur 8,6 Grad Celsius und damit 0,4 Grad unter der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Damit sei der Oktober sogar der einzige Monat im Jahr 2016 gewesen, heißt es vom DWD weiter, der zu kalt war. Seit Messbeginn 1951 war die Sonne im Oktober nur zwei Mal kraftloser als 2016 – nämlich 1974 und 1998. In Niedersachsen und Bremen schien die Sonne demnach nur etwa 60 beziehungsweise 70 Stunden. Der Durchschnitt liegt bei etwa 98 Stunden.

Polarwirbel ist nur einer von vielen Faktoren

Für den DWD sind der kalte Oktober und der schwache Polarwirbel allerdings keine eindeutigen Zeichen für einen kalten und langen Winter. „Es ist noch zu früh, um vorauszusagen, wie der Winter in diesem Jahr ausfällt“, sagt Martin Jonas, Meteorologe beim DWD. Der meteorologische Winteranfang sei schließlich erst am 1. Dezember. Es stimme zwar, dass die Chancen auf einen harten Winter steigen, wenn der Polarwirbel schwach ist, allerdings sei das nur einer von vielen Faktoren, die über das Winterwetter in Deutschland entscheiden. Wetterexperte Jörg Kachelmann wird sogar noch deutlicher. Auf Nachfrage unserer Redaktion, ob eine so frühe Winterprognose überhaupt möglich sei, schreibt er: „Niemand kann das, alle Artikel in diesem Zusammenhang sind voellig abseitiger Schwachsinn.“

Ausgeprägtes Kältehoch über Russland

Wie Martin Jonas vom DWD weiter erklärt, sei ein weiterer Faktor, der eine Rolle für unser Winterwetter spielt, etwa die Meeresobenflächentemperatur. Da sie in den vergangenen Jahren eher gestiegen ist, könnte es durchaus auch einen milden Winter geben. Langanhaltende, kalte Temperaturen im Winter hätten wir in Deutschland meist dann, so Martin Jonas, wenn es über Russland ein stark ausgeprägtes Kältehoch zu Beginn des Winters gebe. Bis dahin dauert es allerdings noch ein paar Wochen.


Bauernregeln werden meist als Volkssprüche verstanden, die Hinweise auf den Wetterverlauf geben sollen. Wir haben einige herausgesucht, die auf das Winterwetter hindeuten.

• Sitzen Birnen fest am Stiel, bringt der Winter Kälte viel.

• Viel Nebel im Herbst, viel Schnee im Winter.

• Blühen im Herbst die Bäume auf’s neu, währet der Winter bis zum Mai.

• Ist im Herbst das Wetter hell, bringt es Wind und Winter schnell.

• Fängt der Winter zu früh an zu toben, wird man ihn im Dezember nicht loben.

• Sitzt das Laub noch fest am Ast, wird der Winter ein schlimmer Gast.

• Konnte man den Herbst loben, wird der Winter stürmen und toben.

• Oktoberwind, glaub es mir, verkündet harten Winter dir.