Rätseln und Kombinieren auf Zeit Was taugen die Escape-Room-Spiele für zu Hause?


Osnabrück. Escape Rooms boomen. Kein Wunder also, dass Spieleverlage diesen Trend aufgreifen und nun erste Escape-Room-Spiele für zu Hause anbieten. Aber taugen diese Umsetzungen auch etwas?

In realen Escape Rooms werden die Spieler in einen Raum eingeschlossen und müssen dann innerhalb einer vorgegebenen Zeitspanne daraus entkommen. Ein Rätsel nach dem anderen ist zu knacken, um schließlich auch die finale Knobelaufgabe lösen zu können. Um an den Schlüssel für die Tür in die Freiheit zu kommen.

Bei den Escape-Room-Spielen für zu Hause, die es von den Verlagen Noris, Kosmos und Thinkfun derzeit gibt, werden die Spieler natürlich nicht eingeschlossen. Die Szenerie wird hier durch das Verlesen einer Einleitung aufgebaut. Die Story verschwindet beim Spielen dann aber mehr oder weniger in den Hintergrund. So haben diese Spiele eher den Charakter eines Kettenrätsels als den eines Spiels. Spaß macht das Grübeln, Ausprobieren, Kombinieren und Lösen trotzdem. Viel Spaß sogar. Besonders die „Exit“-Reihe von Kosmos schenkt den Mitspielern eine intensive Zeit.

Für Einsteiger: Escape the Room – Das Geheimnis der Sternwarte

Bei „Escape the Room – Das Geheimnis der Sternwarte“ müssen die Spieler gemeinsam das Rätsel um das Verschwinden eines Astronomen lösen. Die hier schön ins Thema eingebetteten Aufgaben sind nicht allzu herausfordernd und lassen sich mit ein wenig Kombinations- und Beobachtungsgabe locker innerhalb von 90 Minuten bewältigen. Dabei lässt sich immer wieder mithilfe eines Lösungsrads überprüfen, ob die (Zwischen-)Ergebnisse stimmen und der nächste Umschlag mit neuen Infos und geheimen Gegenständen geöffnet werden darf. Insgesamt bietet dieses Einmalspiel eine gute Einführung in die Escape-Room-Welt. Erfahrene Knobelfreunde könnten sich allerdings langweilen. Was gut ist: Online gibt es eine Hilfe, um all das Material wieder so einzupacken, das auch weitere Gruppen das Geheimnis um die Sternwarte lüften können.

Escape the Room – Das Geheimnis der Sternwarte (Thinkfun) von Nicolas Cravotta und Rebecca Bleau ist für 3 bis 8 Spieler ab 10 Jahren, dauert etwa 60 bis 120 Minuten und kostet etwa 23 Euro.

Für Erfahrene: Exit – Das Spiel

Der Kosmos-Verlag hat mit „Exit – Das Spiel“ eine neue Reihe gestartet. Die drei Herausforderungen „Das geheime Labor“, „Die verlassene Hütte“ und „Die Grabkammer des Pharao“ folgen jeweils dem gleichen hervorragenden Prinzip: In einem kleinen Heft, das thematisch zur Rahmenhandlung passt, und auf Rätselkarten verbergen sich Aufgaben und versteckte Hinweise auf die passenden Lösungen. Ob ein entschlüsselter Code richtig ist, lässt sich mithilfe einer Decodierscheibe und Lösungskarten überprüfen. Mit jeder richtigen Lösung dürfen neue Rätselkarten aufgedeckt werden. Wer bei einem Problem nicht weiterkommt, liest eine Hilfekarte.

Die Zeit bis zur Lösung des finalen Rätsels und die Zahl der verwendeten Hilfskarten ergeben am Ende eine Wertung, die zwischen einem Stern und zehn Sternen liegt. Wer hier am unteren Ende der Skala landet, muss sich nicht schämen. Denn die Rätsel sind mitunter anspruchsvoll. Aber es macht riesigen Spaß, diese Aufgaben anzugehen. Denn die Kreativität, mit der Inka und Markus Brand die Rätsel entwickelt haben, begeistert; manche Lösungen überraschen mit einem Wow-Effekt. In dieser Hinsicht sticht „Die Grabkammer des Pharao“ aus dem Trio sogar noch hervor.

Die Szenarien „Das geheime Labor“, „Die verlassene Hüte“ und „Die Grabkammer des Pharao“ aus der Reihe „Exit – Das Spiel“ (Kosmos) von Inka und Markus Brand sind jeweils für 1 bis 6 Spieler ab 12 Jahren. Ein Spiel dauert etwa 45 bis 90 Minuten und kostet rund 12 Euro. Da Material verbraucht wird, können diese Spiele nur ein einziges Mal und damit auch von keiner neuen Gruppe gespielt werden.


Für Wiederholungstäter: Escape Room – Das Spiel

Von Noris kommt das technisch aufwendigste Spiel. Kernstück bei „Escape Room – Das Spiel“ ist der sogenannte Chrono-Decoder. Dieses batteriebetriebene Gerät zählt die Zeit herunter und gibt ein akustisches Signal, wenn die Gruppe einen Tipp erhalten kann. Vor allem aber überprüft es die Lösungen der Aufgaben. Dazu müssen die Spieler herausfinden, welche Plastikschlüssel in welcher Reihenfolge in die vier Öffnungen gehören. Außerdem sind an diesem Decoder mehrere Entschlüsselungssysteme angebracht. Diese werden als Hilfe in den vier enthaltenen Abenteuern benötigt. Der Schwierigkeitsgrad steigt dabei von Abenteuer zu Abenteuer. Der Einstieg empfiehlt sich mit einem Gefängnisausbruch: Bei „Prison Break“ sind 60 Minuten reichlich Zeit, um zu entkommen. Mit den Szenarien „Virus“, „Nuclear Countdwon“ und „Temple of the Aztec“ wird es dann immer anspruchsvoller. Zumal der Chrono-Decoder zeitlichen Druck aufbaut. Das kommt einem echten Escape Room dann schon sehr nahe. Wer möchte, kann mithilfe der zugehörigen App auch noch für passende Hintergrundatmosphäre sorgen und ein Foto des erfolgreichen Teams in den sozialen Netzwerken posten.

Escape Room – Das Spiel (Noris) ist für 2 bis 5 Spieler ab 16 Jahren. Eine Partie dauert etwa 60 Minuten. Rund 50 Euro. Auch hier wird Material verbraucht. Druckvorlagen können aber aus dem Internet heruntergeladen werden, sodass auch weitere Gruppen ins Abenteuer starten können.

Ausblick: 

Mit den Spielen ist es wie mit den richtigen Escape Rooms: Es macht keinen Sinn, ein Abenteuer zweimal zu probieren. Denn nach dem ersten Mal kennt man die Lösungen. Um nicht allzu viel von den Rätseln zu verpassen, sollte die Gruppe entgegen so mancher Verlagsempfehlung aber nicht aus mehr als vier Personen bestehen. Wer Gefallen an diese Art Rätsel gefunden hat, muss also neue Räume entdecken, auf neue Spiele warten. Kosmos und Noris haben bereits weitere Szenarien angekündigt. Zudem soll zu Beginn des Jahres 2017 vom französischen Verlag Space Cowboys ein Escape-Room-Spiel auf den Markt kommen.

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