Messe „Spiel ’16“ in Essen Der neue Siegeszug der Gesellschaftsspiele


Osnabrück. Brett-, Karten- und Würfelspiele werden immer beliebter. Die Branche boomt, und die Zahl der Neuheiten und Aussteller auf der weltgrößten Publikumsmesse für Gesellschaftsspiele ist so hoch wie nie zuvor. Von Donnerstag (13. Oktober 2016) bis Sonntag (16. Oktober 2016) lädt die „Spiel ’16“ in Essen zum Ausprobieren, Stöbern und Kaufen.

Die Welt der Gesellschaftsspiele erlebt derzeit eine prosperierende Phase. Verlage freuen sich über deutliche Umsatzzuwächse. Im Ausland wie zum Beispiel in Frankreich oder in den USA noch mehr als in Deutschland. Die Erklärungen dafür sind vielschichtig. Erfreulich ist, dass viele der aktuellen Titel einfach überzeugen. Kreativität bei den Autoren und Qualität in der Verarbeitung sind ein übergeordneter Trend.

Zugleich steigt der Stellenwert und die Akzeptanz des Spielens. Und das nicht zuletzt dank des digitalen Daddelns. Computer- und Smartphone-Games haben auch den Gesellschaftsspielen genützt. Spielen an sich gehört zum Alltag. Während jedoch die digitalen Spiele durch die Möglichkeit der Online-Vernetzung die Gamer räumlich separieren, erleben Menschen mit analogen Spielen den direkten Austausch von Worten, Gesten und Gefühlen. Gemeinsames Spielen am Tisch wird zum begeisternden Erlebnis und zum sozialen Happening.

Dabei profitiert die Branche auch von den Adaptionen der Ideen, die aus Computerspielen oder Fernsehproduktionen bekannt sind. Das im vergangenen Jahr erschienene „T.I.M.E Stories“ (Space Cowboys) etwa funktioniert ähnlich wie ein Point&Click-Adventure. Die Spieler enträtseln gemeinsam eine zentrale Aufgabe. Mit jedem Durchlauf erfahren sie immer mehr, bis sie das Geheimnis irgendwann gelöst haben. Mit „Die Endurance-Expedition“ erscheint zur Messe das fünfte Abenteuer in dieser Reihe.

Fesselnd und aufregend war zuletzt auch „Pandemic Legacy“ (Z-Man Games/Asmodee), bei dem Spieler in gemeinsamer Anstrengung versuchen, die Ausbreitung von Seuchen einzudämmen und Heilmittel zu entdecken. Wie in er 1A-TV-Serie entwickelt sich die Story von Partie zu Partie immer weiter. Mit jedem Anlauf verändert sich das Szenario. Sticker werden auf den Plan geklebt, Charaktere erhalten neue Fähigkeiten oder Narben, Erreger mutieren. Ereignisse und Erfahrungen aus beendeten Partien werden übernommen in neue Weltrettungsversuche, sowohl Erfolge als auch Katastrophen wirken nach. Dieses Legacy-Prinzip gleicht einem Meilenstein in der Spiele-Entwicklung. Zur Messe bringt Rob Daviau, der Vater dieser Idee, mit „Seafall“ (Heidelberger Spieleverlag) einen noch komplexeren Vertreter dieser Gattung mit.

Insgesamt werden in Essen von Donnerstag bis Sonntag mehr als 1000 Aussteller mehr als 1000 Neuheiten präsentieren. Besucher haben die Gelegenheit, auf zahlreichen Spielflächen die neuen Titel direkt auszuprobieren. Erklärer sorgen für einen schnellen Einstieg. Um in der Flut der Neuheiten nicht unterzugehen, bieten wir hier schon einmal eine kleine Übersicht an.

Aus Osnabrück: Kinderspiele-Autor Kai Haferkamp ist in Essen mit einigen Neuheiten vertreten. Bei Huch!&friends erscheint rechtzeitig vor dem Start des neuen Kinofilms seine Verspielung des Klassikers „Robbi, Tobbi, und das Fliewatüüt“. Als Dekoration können Besucher das Orginal-Fliewatütt aus der Fernsehserie der 1970er Jahre sehen. Für Ravensburger hat der Osnabrücker „Die verrückte Wettermaschine“  entwickelt. Ein Spiel, das Kindern mithilfe des digitalen tiptoi-Stiftes Wetterphänomene erklärt und einen laut Haferkamp „supercoolen Wettersong zum Mitsingen“ hat. Bei Schmidt Spiele erscheint „Bibi & Tina - Das große Rennen“ mit zwei großen Steckenpferden zum Zusammenstecken. Mit diesen reiten die Kinder um die Wette. Dabei müssen sie sportliche Reitaufgaben absolvieren. Und Pegasus veröffentlicht eine Neuauflage des Merkspiels „Rettet den Märchenschatz“.

Aus dem Emsland: In Rhede/Brual ist der neue Mogel-Verlag beheimat, den eine Gruppe aus Geschwistern und Freunden gegründet hat. Die Emsländer haben sich zunächst auf Kartenspiele spezialisiert. Als Autor zeichnet Michael Loth beziehungsweise Familie Loth. „Perlentauchen“ richtet sich bereits an Jüngere ab 6 Jahren, „Willi Wörterwurm“ und „Tierische bedroht“ sind für Spieler ab 10 Jahren.

Für Rätselfreunde: Ein Highlight in Essen sind Spiele, die das Prinzip der Escape Rooms nachahmen. Die Gruppe muss innerhalb einer bestimmten Zeitspanne Rätsel lösen, um schließlich die finale Aufgabe zu knacken. Für Einsteiger eignet sich „Escape The Room - Das Geheimnis der Sternwarte“ (Thinkfun). Die Rätsel sind nicht allzu schwer, aber thematisch hübsch eingebettet. Vier unterschiedliche Szenarien bietet „Escape Room - Das Spiel“ (Noris). Kernstück dieses Titels ist ein Decoder, der mit den richtigen Schlüsseln gefüttert werden muss, um Aufgaben zu lösen. Am anspruchsvollsten und zugleich am reizvollsten sind die drei Titel der Kosmos-Reihe „Exit“ von Inka und Markus Brand. Für alle Spiele gilt: Wer sie einmal gespielt hat, für den ist – weil die Lösungen bekannt sind – eine zweite Partie überflüssig.

Für Kinder: Kleine Pinguine flitzen bei Icecool (Amigo) von Brian Gomez durch die Schule und spielen Fangen. Wer schafft es, seine Figuren so zu schnipsen, dass sie über Wände springen oder um die Ecke kreisen. Besonders schön: die im Karton gestapelten Kartons, die sich zu einer großen Spielfläche ausbreiten.

Für alle: Beim Würfelspiel „Noch mal!“ (Schmidt Spiele) von Inka und Markus Brand ist der Titel Programm. Irgendwie möchte man nicht aufhören, sein Spielblatt mit Kreuzchen zu füllen. Ums Zocken geht es bei „Lady Richmond“ (Haba) von Tim Rogasch. Wer sichert sich den Nachlass der reichen Dame? Um Landwirtschaft geht es beim „Agricola Familienspiel“ (Lookout), bei dem Uwe Rosenberg sein grandioses „Agricola“ deutlich vereinfacht hat, um eine größere Zielgruppe anzusprechen.

Für Kenner: Göttervater Zeus hat jeweils zwölf Aufgaben für die Spieler. Wer löst sie als Erster? Um diesen Wettstreit für sich zu entscheiden, müssen die Teilnehmer bei „Das Orakel von Delphi“ (Hall Games/Pegasus Spiele) vor allem effizient vorgehen. Bei „Captain Sonar“ (Matagot) von Roberto Fraga und Yohan Lemonnier liefern sich zwei U-Boot-Teams eine Verfolgsungsjagd in Echtzeit. Welch intensives Erlebnis für am besten acht Besatzungsmitglieder! Zum Abschluss der Trilogie „Die Legenden von Andor“ (Kosmos) baut Autor und Grafiker Michael Menzel mit „Die letzte Hoffnung“ düstere Szenarien auf. Nur wenn das Team clever zusammen agiert, kommt es zum guten Ende.

Für Experten: An dieser Stelle weisen wir auf Strategiespiele hin, die herausfordernd sind und Geduld erfordern. Schließelich dauert ein Partie schon mal gerne länger als zwei Stunden. Alexander Pfister schickt die Spieler bei „Great Western Trail“ (eggertspiele/Pegasus Spiele) als Viehzüchter in den Wilden Westen. Bei „Scythe“ (Morning Players/Stonemaier Games) von Jamey Stegmaier will jeder seine Nation zur mächtigsten aufsteigen lassen - nicht zuletzt mithilfe gigantischer Maschinen. Und bei „Terraforming Mars“ (Schwerkraft) von  Jacob Fryxelius haben die Spieler die Aufgabe, den Planeten Mars bewohnbar zu machen.

Weitere Spieletipps finden Sie auf unserer Spielekenner-Themenseite.


Deutscher Spiele-Preis für „Mombasa“

Im Rahmen der Messe „Spiel ’16“ in Essen wird der „Deutsche Spiele-Preis“ verliehen. Dieser Publikumspreis gehört neben der Auszeichnung „Spiel des Jahres“ zu den wichtigsten Branchenpreisen. Sieger in diesem Jahr ist das anspruchsvolle Strategiespiel „Mombasa“ (eggertspiele/Pegasus Spiele) von Alexander Pfister für 2 bis 4 Spieler ab 12 Jahren.

Die Spieler treten dabei an, um im Afrika zu Zeiten des Kolonialismus Gewinne zu erwirtschaften. Sie investieren in vier Handelskompanien und nehmen Einfluss, sodass sich diese Gesellschaften auf dem Schwarzen Kontinent ausbreiten. Das lässt den Wert der eigenen Anteile an diesen Handelskompanien wachsen. Dazu handeln die Spieler mit Waren wie Bananen, Kaffee oder Baumwolle, arbeiten mit Diamantenhändlern zusammen und sorgen dafür, dass die Buchhaltung stimmt. Wichtig ist dabei, zur rechten Zeit die richtigen Aktionskarten parat zu haben. Elegant bei „Mombasa“ ist nicht nur die Verzahnung verschiedener Mechanismen, sondern auch die grafische Darstellung des afrikanischen Kontinents auf dem Spielplan.

Die Auszeichnung „Deutscher Kinderspiele-Preis“ geht an „Leo muss zum Friseur“ (Abacusspiele) von Leo Colovini für 2 bis 5 Spieler ab 6 Jahren. In diesem kooperativen Spiel müssen die Kinder den Löwen Leo zum Friseur bringen. Der immer neue Parcours aus 30 zunächst verdeckten Wegplättchen führt Leo von seinem Bett zum Friseur Bobo. Leo startet um 8 Uhr morgens und muss bis 8 Uhr abends bei Bobo sein. Er bewegt sich fort durch den Einsatz von verschiedenfarbigen Karten im Wert von eins bis vier (Schritten), die vor jeder Runde an die Spieler verteilt werden.

Reihum wird je eine Karte gespielt. Legt der Startspieler etwa eine gelbe Vier, so rückt Leo vier Felder vor. Das Plättchen, auf dem er landet, wird umgedreht. Dahinter kann sich mit Glück ein Wegweiser befinden, der keine Zeit kostet, oder aber ein Tier. Und mit Tieren unterhält sich Leo gerne. Mit Zebras nur eine Stunde, mit Löwinnen stolze fünf.

Die Spieler können solche zeitraubenden Schwätzchen verhindern – indem ihre gespielte Handkarte dieselbe Farbe aufweist wie das Tierplättchen, auf das sie gezogen sind. Am Anfang ist das pures Glück. Wenn es aber am ersten Tag nicht klappt, dann sollten sich die Spieler die aufgedeckten Karten merken, bevor sie wieder umgedreht werden. Und es beginnt ein neuer Tag. Fünf Tage haben sie Zeit, um Leo zum Friseur zu bringen.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN