Grippesaison 2016/17 Dieses Jahr gibt es keine Grippeimpfstoffe für Allergiker

Von Eva Voß

Alternative Grippeimpfstoffe für Menschen, die allergisch auf Hühnereiweiß reagieren, wird es in diesem Jahr auf dem deutschen Markt nicht geben. Foto: dpaAlternative Grippeimpfstoffe für Menschen, die allergisch auf Hühnereiweiß reagieren, wird es in diesem Jahr auf dem deutschen Markt nicht geben. Foto: dpa

Osnabrück. In Deutschland wird in dieser Grippesaison 2016/17 kein Impfstoff für Menschen zur Verfügung stehen, die allergisch auf Hühnereiweiß reagieren.

Die Entwicklung von Impfstoffen ist eine komplizierte Angelegenheit – besonders dann, wenn er jedes Jahr neu angepasst werden muss. Das ist etwa bei der Grippeimpfung der Fall, weil sich Grippeviren ständig verändern . Jedes Jahr spricht die WHO deshalb im Februar eine Empfehlung für die Zusammensetzung des Impfstoffs für die kommende Grippesaison im Herbst und Winter aus. Die Hersteller haben dann bis etwa August oder September Zeit, den neuen Impfstoff zu entwickeln und auszuliefern. Geimpft wird meist im Oktober und November. „Das ist generell eine Herausforderung, vor der Impfstoff-Hersteller alljährlich stehen“, sagt Anke Helten, Sprecherin des Herstellers GSK.

Viren werden auf Hühnereiern gezüchtet

Bei der Produktion des Impfstoffs würden verschiedene Virenstämme in Hühnereiern angezüchtet, erklärt Helten weiter. Weil daraus später der Impfstoff hergestellt wird, können Spuren von Hühnereiweiß enthalten sein. „Problematisch wäre die Impfung für Menschen, bei denen eine schwere Allergie gegen Hühnereiweiß oder gegen einen anderen Bestandteil des Impfstoffs vorliegt. Diese sollten nicht mit den üblichen Influenzaimpfstoffen geimpft werden, weil diese produktionsbedingt Spuren von Hühnereiweiß enthalten“, sagt Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert-Koch-Instituts (RKI).

Zwei alternative Mittel waren zugelassen

Einige Jahre gab es in Deutschland deshalb Alternativen für Allergiker. Zwei Impfstoffe waren zugelassen, deren Viren auf Zellkulturen statt auf Hühnereiern gezüchtet wurden. Seit 2007 gab es zum einen Optiflu des Herstellers Novartis sowie seit 2011 Preflucel des Herstellers Baxter. Eine Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), das in Deutschland für die Zulassung und Freigabe von Impfstoffen zuständig ist, bestätigte unserer Redaktion nun aber, dass es in diesem Jahr keinen alternativen Impfstoff für Allergiker gibt. Der Pharmakonzern Novartis, Hersteller von Optiflu, hat sich aus der Entwicklung von Grippeimpfstoffen zurückgezogen. Dieses Segment wurde vom Unternehmen Seqirus übernommen, einer Tochtergesellschaft der australischen CSL Ltd. Nach Informationen des Branchenportals Apotheke Adhoc werden die zellkulturbasierten Impfstoffe nun in den USA hergestellt und vermarktet. Der zweite alternative Impfstoff Preflucel wurde bereits kurz nach seiner Zulassung wegen schwerer Nebenwirkungen wieder vom Markt genommen.

Aufwendige Entwicklung

Anke Helten, Sprecherin des Herstellers GSK, weist daraufhin, dass die Entwicklung des saisonalen Grippeimpfstoffs sehr aufwendig ist und das herkömmliche Produktionsverfahren mit Hühnereiern „in den vergangenen Jahrzehnten die höchste Verlässlichkeit und Qualität geboten“ habe. Das könnte auch der Grund dafür sein, dass das Unternehmen auf die Herstellung eines zellkulturbasierten Impfstoffes verzichtet.

Nutzen und Risiko abwägen

Doch bleibt die Frage: Was ist mit den Allergikern? Das PEI verweist auf die Hausärzte, die den Nutzen der Impfung und das damit verbundene Risiko für allergische Reaktionen abwägen müssen. Manche Betroffene, denen aufgrund von Vorerkrankungen zu einer Grippeimpfung geraten wird, und eine sehr schwere Form der Hühnereiweißallergie haben, können die Impfung auch im Krankenhaus durchführen lassen, um im Falle eines Falles schnellstmöglich versorgt werden zu können. Das sollte mit dem Hausarzt besprochen werden. Allerdings ist es auch möglich, dass Allergiker gar keine Auswirkungen der Impfung spüren, wie internationale Studien ergeben haben. Demnach konnten zum Beispiel Kinder, die nachweislich eine Überempfindlichkeit gegen Hühnereiweiß hatten, ohne Komplikationen gegen Mumps, Masern und Röteln geimpft werden, obwohl auch dieser Impfstoff Spuren von Hühnereiweiß enthält. RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher rät Menschen, die sich nicht impfen lassen können oder wollen unbedingt auf Infektionsschutz zu achten, sich also regelmäßig die Hände zu waschen, sich von hustenden und niesenden Menschen fern zu halten und bei Grippewellen möglichst auf das Händeschütteln zu verzichten.


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