„Zurück in die Zukunft“ wird real Der ewige Menscheinheitstraum: Zeitreisen sind möglich

Von Ina Wemhöner

Zeitreisen waren bislang nur in Filmen oder Bücher von diversen Science-Fiction-Autoren möglich. Wissenschaftler wissen jedoch, es ist in der Realität auch tatsächlich realisierbar. Foto: imago/STPPZeitreisen waren bislang nur in Filmen oder Bücher von diversen Science-Fiction-Autoren möglich. Wissenschaftler wissen jedoch, es ist in der Realität auch tatsächlich realisierbar. Foto: imago/STPP

Osnabrück. Wie schön wäre es, wenn man nach einem Streit die Zeit zurückdrehen könnte? Oder die sechs richtigen Lottozahlen der nächsten Woche schon längst wüsste? Ein Traum, der sogar wahr werden könnte, denn Zeitreisen sind theoretisch möglich, erklärt Hubert Zitt, Professor für Informatik.

Zeitreisen waren bislang nur in Filmen oder Bücher von diversen Science-Fiction-Autoren möglich. Wissenschaftler meinen jedoch, so etwas sei auch in der Realität tatsächlich realisierbar.

Einstein machte es möglich

„Vor 100 Jahren dachten die Menschen noch die Zeit verlaufe linear und das würde bedeuten, dass wir gar keinen Einfluss auf die Zeit hätten – Zeitreisen wären somit unmöglich. Doch als Albert Einstein 1905 seine Relativitätstheorie vorstellte, revolutionierte er die Vorstellung von Raum und Zeit“, erklärt Professor Zitt. Einsteins Theorie lässt die Menschen bis heute zumindest hoffen, dass es irgendwann möglich ist, Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte in die Zukunft zu reisen.

Es ist ein sehr schönes Gedankenspiel, das uns Science-Fiction-Autoren in Filmen und Büchern aufführen. „Allein die Dialoge, die dabei entstehen sind faszinierend“, so Zitt. Der Professor für Informatik von der Fachhochschule Kaiserslautern ist mittlerweile bekannt als der „Star-Trek-Professor“ und hält regelmäßig Vorträge über die Technologien der Zukunft an Universitäten – und auch bei Fantreffen der 70er-Jahre-Serie „Star Strek“.

(Weiterlesen: Mehrheit würde gerne Zeitreise unternehmen)

Physiker sind bereits in die Zukunft gereist

Tatsächlich ist es schon gelungen durch die Zeit zu reisen. Die erste wissenschaftlich begleitete Zeitreise fand bereits 1971 statt. Damals flogen die beiden amerikanischen Physiker Joseph Hafele und Richard Keating mit einem Linienflugzeug in Richtung Osten einmal um die Erde herum. Mit dabei hatten sie vier präzise Atomuhren. Bei ihrer Rückkehr verglichen sie die Zeit auf den mitgereisten Uhren mit einer fest installierten Uhr in Washington: Die mitgereisten Uhren gingen alle nach. Die Zeit während der Reise war weniger schnell vergangenen als am Boden. Die Physiker sind in die Zukunft gereist.

Ein Raumschiff als Zeitmaschine?

„Zeit ist eine Funktion der Geschwindigkeit, wenn man sich schnell bewegt vergeht die Zeit langsamer. Die Natur würde also eine Reise in die Zukunft nicht ausschließen“, erklärt der Informatiker. Aber wie könnte man eine Reise in eine weit entfernte Zukunft umsetzten? „Wenn ein Raumfahrer in ein Raumschiff steigt, müsste es annähernd mit Lichtgeschwindigkeit fliegen, um in die Zukunft zu reisen. Wenn er dann auf die Erde zurückkehrt, wären für ihn nur wenige Tage vergangen, für die Menschen auf der Erde jedoch mehrere Jahre“, erklärt Zitt.

Auch die Astronauten, die an Bord der ISS waren, sind mit der Raumstation um Millisekunden in die Zukunft gereist. „Diese Millisekunden in die Zukunft merkt jedoch kein Mensch. Wenn wir Monate oder Jahre in die Zukunft reisen wollen, müssten wir ein Raumschiff extrem beschleunigen, um auf Geschwindigkeiten nahe der Lichtgeschwindigkeit zu kommen. Diese enorme Energie zu erzeugen ist extrem schwer.“ Zudem sei die Kraft, die auf den Raumfahrer wirkt, in dem Maße nur schwer zu verkraften.

(Zurück in die Zukunft: Christopher Lloyd und Michael J. Fox 2015 für Werbung wiedervereint – und die Fortsetzung?)

Durch ein Wurmloch im All in die Zukunft reisen?

Die Wissenschaft sucht deshalb nach anderen Möglichkeiten für Reisen durch die Zeit. Eine Alternative wäre ein sogenanntes Wurmloch im Weltall: „Ein Wurmloch nennt man die Möglichkeit, dass Raum und Zeit so gekrümmt werden, dass eine Abkürzung entsteht: man kann durch das Wurmloch steigen und so schneller sein als Licht, das den herkömmlichen Weg nimmt, ohne sich selbst überlichtschnell fortzubewegen“, erzählt Heinrich Päs, Professor für theoretische Physik an der Uni Dortmund. Päs forscht auf dem Gebiet der Teilchen- und Astroteilchenphysik, speziell an der Struktur von Raum und Zeit. Es sei aber nicht bekannt, ob die Art von Materie, die Raum und Zeit zu einem Wurmloch krümmt, auch wirklich existiert. Und es gebe Hinweise darauf, dass sie, selbst wenn es sie gäbe, instabil sein könnten und so vor einem Durchqueren kollabieren würden.

Ein Treffen mit den alten „Ich“ in der Vergangenheit?

Und wie sieht es mit einer Reise in die Vergangenheit aus? „Es gibt Physiker, die sind der Ansicht, dass schon die Natur an sich es verbietet, in die Vergangenheit zu reisen. Es entstehen zu viele Schwierigkeiten und eine Reise in die Vergangenheit bringt gravierende Veränderungen in der Gegenwart mit sich. Eine endgültige Antwort steht aus.“, erläutert Zitt.

Auch Physiker Päs setzt ein neues Konzept für Raum und Zeit voraus, damit Reisen in die Vergangenheit möglich werden können: „Was Zeit eigentlich ist, und ihre Beantwortung könnte eine Quantentheorie der Gravitation erfordern. Dafür gibt es Ansätze wie die Stringtheorie, eine vollständige Theorie ist aber derzeit nicht in Sicht.“ Die Möglichkeit zusätzlicher Dimensionen der Raumzeit, nach denen am Teilchenbeschleuniger LHC am Forschungszentrum in Genf (CERN) gesucht wird, könnte mehr Möglichkeiten für Vergangenheitszeitreisen eröffnen, aber auch die seien noch nicht gefunden, so Päs.

Ein Treffen mit Einstein

Physiker haben bewiesen, dass Zeitreisen theoretisch möglich sind, jetzt sind die Ingenieure dran, dies umsetzten. Daran scheitert es jedoch bislang. Zitt macht Träumern dennoch Hoffnung: „Es gibt viele Dinge in der Wissenschaft, die wir noch nicht verstanden und auch noch nicht entdeckt haben. Vielleicht kommen wir irgendwann in Sachen Zeitreise zum Durchbruch.“ Er würde dann in die Zeit zurückreisen und Albert Einstein einen Taschenrechner vorlegen. „Ich bin gespannt, was er sagen würde, wenn er sieht, was 100 Jahre in der Zukunft gebracht haben. Alle seine Theorien haben sich bestätigt, die er damals nicht beweisen konnte.“