Giftige Blausäure Wie gefährlich sind Tattoo-Entfernungen?

Von Eva Voß

In den 1990er Jahren war das sogenannte „Arschgeweih“ ein großer Trend. Heute wollen viele Frauen ihre Tattoos wieder loswerden. Über die Risiken von Tattoos und Tattooentfernungen ist bisher allerdings nicht viel bekannt.. Foto: imago/blickwinkelIn den 1990er Jahren war das sogenannte „Arschgeweih“ ein großer Trend. Heute wollen viele Frauen ihre Tattoos wieder loswerden. Über die Risiken von Tattoos und Tattooentfernungen ist bisher allerdings nicht viel bekannt.. Foto: imago/blickwinkel

Osnabrück. Etwa zehn Millionen Menschen in Deutschland sind tätowiert. Doch über die Risiken, die die Farbe in der Haut mit sich bringt, wenn sie hineingestochen oder entfernt wird, ist so gut wie nichts bekannt.

Tattoos sind angesagt. Deshalb lassen sich offenbar immer mehr Menschen durch Farbe die Haut verschönern . Während insgesamt in Deutschland etwa neun Prozent der Menschen tätowiert sind, sind es unter den 16- bis 29 Jährigen nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) schon 23 Prozent. Doch sowohl über die gesundheitlichen Risiken von Tätowierungen selbst als auch über die der Entfernung per Laser ist nur wenig bekannt. Fragen und Antworten:

Welche Farben werden beim Tätowieren verwendet?

Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt keine Zulassung von Tätowierfarben. Für die Sicherheit der Farben ist der jeweilige Hersteller verantwortlich. Seit 2009 reguliert die „Verordnung über Mittel zum Tätowieren einschließlich bestimmter vergleichbarer Stoffe und Zubereitungen aus Stoffen“, welche Substanzen nicht verwendet werden dürfen. Trotzdem werden in den Farben häufig noch Stoffe verwendet, die schädlich sein könnten.

Schadet eine Tätowierung der Gesundheit?

Es ist möglich, aber Forscher wissen es nicht genau, weil es keine Studien darüber gibt. „Etwa zwei Drittel der Tätowierfarbe bleibt nach dem Tätowieren nicht in der Haut, sondern geht durch den Körper. Ein rotes Tattoo am Arm bedeutet auch rote Lymphknoten in der Achsel. Wohin die Farbe im Körper noch geht, wissen wir nicht“, sagt Professor Wolfgang Bäumler, Physiker und Tattoo-Forscher an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie an der Universität Regensburg. „Es ist möglich, dass die Tätowierfarbe im Körper im Grundrauschen vieler anderer Schadstoffe, die wir täglich aus der Umwelt aufnehmen, untergeht. Sie könnte aber auch krank machen. Wir haben darauf im Moment keine Antwort“, erklärt der Physiker. In der medizinischen Fachliteratur werde zudem immer wieder über Infektionen oder allergische Reaktionen nach Tätowierungen berichtet. Da es aber keine Meldepflicht für solche Komplikationen gebe, sei nicht klar, wie häufig sie auftreten. „Ich habe immer wieder versucht anzumahnen, dass es keine Studien dazu gibt. Im Sinne des Verbraucherschutzes müsste hier schon viel mehr passiert sein“, ist der Tattoo-Forscher überzeugt.

Hängt das gesundheitliche Risiko auch mit der Größe der Tätowierung zusammen?

Wahrscheinlich ja. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass pro Quadratzentimeter Haut etwa 2,5 Milligramm Farbe in die Haut gebracht wird. Je größer und häufiger jemand tätowiert ist, desto mehr Farbe kann im Körper wirken. Einer Internetumfrage zufolge gaben von etwa 4000 Teilnehmern jeweils zwei Drittel an, mehrere Tattoos zu haben, die größer als 300 Quadratzentimeter sind. Bei einem 900 Quadratzentimeter großen Tattoo seien etwa 2 bis 2,5 Gramm Tätowierfarbe im Körper, von der nicht klar sei, wie sie wirke.„Viele Menschen haben außerdem unabhängig voneinander angegeben, dass tätowieren süchtig macht“, sagt Bäumler.

Wäre es nicht besser, die Tätowierungen wieder zu entfernen?

„Grundsätzlich sollte ich mir solche Fragen besser vor der Tätowierung stellen“, so der Forscher. Nicht nur die Tätowierung selbst ist mit gesundheitlichen Risiken verbunden, sondern auch die Entfernung mittels Laser. Das BfR hat in einer Untersuchung im vergangenen Jahr gezeigt, dass giftige Blausäure entsteht, wenn blaues Tätowierpigment mit einem Rubinlaser bestrahlt wird. Bei der Entfernung größerer Körperbilder würde die Menge den Angaben zufolge reichen, um die Zellen in der Haut zu schädigen. „Es ist ähnlich wie mit dem Quecksilber im Amalgam. Lässt man die Zahnfüllung lieber drin, oder bohrt man sie raus und hat dann auf einen Schlag sehr viel Quecksilber im Mund?“, sagt Physiker Bäumler und weiter: „Ob das für die Gesundheit eines mit einem Laser behandelten Menschen eine Rolle spielt, wird ihnen weltweit im Moment niemand beantworten, weil es dazu keine Untersuchungen gibt.“ Die Uniklink in Regensburg wollte gemeinsam mit der Medizinischen Hochschule Hannover dazu Tierversuche mit Hausschweinen durchführen. So sollte geklärt werden, wohin die Tätowierfarbe im Körper gelangt und was passiert, wenn sie mit dem Laser wieder entfernt wird. Die Versuche wurden jedoch nicht genehmigt.

Wie funktioniert die Tattoo-Entfernung mittels Lasertechnik?

„Für die Tattoo-Entfernung werden bestimmte Laser mit extrem kurzen Lichtimpulsen verwendet“, so Physiker Bäumler. Durch das Laserlicht werden die Pigmentkristalle, die unter der Haut liegen und aus denen die Tätowierung besteht, aufgeheizt und zerstört. Anschließend können diese Bruchteile vom Körper abtransportiert werden. Durch diesen Prozess wird das Tattoo heller: „Einmal Lasern reicht allerdings nicht, man muss das immer wiederholen. Im Idealfall so lange bis das letzte Pigmentpartikel aus der Haut und damit auch die Farbe verschwunden ist“, so Bäumler.

Welche Probleme gibt es dabei?

Zum einen können, wie oben erklärt, beim Lasern giftige Spaltprodukte entstehen. Zum anderen wird nach Angaben von Physiker Bäumler häufig nur ein Teil der Farbe abtransportiert. „Schwarze Tätowierungen lassen sich relativ gut entfernen. Wobei da auch meist ein kleiner Rest bleibt.“ Besonders schwer seien allerdings mehrfarbige Tattoos zu entfernen, denn für jede Tätowierfarbe müsse beim Laser eine andere Lichtfarbe eingestellt werden. „Ich habe noch nie ein mehrfarbiges Tattoo gesehen, dass wirklich komplett verschwunden wäre“, so der Physiker. Das führe manchmal dazu, dass die Tattoos nach dem gescheiterten Entfernungsversuch viel schlimmer aussähen, als vorher. Außerdem werde die Therapie schwieriger, je größer das Tattoo ist. „Wenn Sie zum Beispiel den halben Rücken tätowiert haben, dann müssen sie mit einer Therapiedauer von zwei oder drei Jahren rechnen“, gibt Bäumler zu bedenken.

Was kostet die Tattoo-Entfernung mittels Lasertechnik?

„Für eine handtellergroße Fläche, die in einer Sitzung behandelt wird, müssen Sie etwa 100 bis 150 Euro einplanen. Dann werden natürlich immer mehrere Sitzungen fällig. Das geht also ganz schön ins Geld“, meint Bäumler. Dieser Preis sei aber nur eine Faustregel, er könne durchaus nach oben und unten ausschlagen. Bezahlt werden Tattoo-Entfernungen von der Krankenkasse normalerweise nicht.

Wer bietet eine Lasertherapie zur Tattoo-Entfernung an?

Neben Hautärzten mit entsprechender Zusatzqualifikation bieten häufig auch Kosmetik- und Tattoo-Studios Lasertherapien zur Tattoo-Entfernung an. Wolfgang Bäumler empfiehlt, die Behandlung lieber von einem Arzt durchführen zu lassen: „Jeder muss selbst entscheiden, ob er zum Profi gehen will oder zu jemandem, der die Haut als solches und den Laser nicht gut genug kennt.“

Gibt es noch andere Möglichkeiten der Tattoo-Entfernung?

Bereits 2011 warnte das BfR vor Tattoo-Entfernungen mittels Milchsäure , die unter die Haut gespritzt wurde. In einigen Fällen sei es zu schweren Entzündungsreaktionen der Haut mit Narbenbildung gekommen. Bei kleineren Tätowierungen kommt noch die chirurgische Entfernung infrage. Allerdings komme es dabei laut BfR häufig zu Infektionen.


Wer Tattoos nur testen oder zeitweise ausprobieren möchte, kann zum Beispiel auf sogenannte Tattoo-Ärmel zurückgreifen. Dabei handelt es sich um eine Art Strumpfhose für die Arme, die mit verschiedenen Mustern bedruckt sind und aussehen, wie echte Tätowierungen. Sie kosten zum Beispiel im Onlinehandel zwischen 2 und 20 Euro.