Tarifvertrag für Studierende Mindestlohn auch für Praktikanten

Von Joachim Göres

Raus aus dem Hörsaal: Jährlich machen rund 600000 Studierende und frische Uniabsolventen ein Praktikum. Foto: dpaRaus aus dem Hörsaal: Jährlich machen rund 600000 Studierende und frische Uniabsolventen ein Praktikum. Foto: dpa

Berlin. Aus Sicht der DGB-Jugend hat das Mindestlohngesetz deutliche Verbesserungen für Praktikanten gebracht. Jetzt wurde ein erster Tarifvertrag in der Automobilbranche für Studierende geschlossen.

Praktika sind in vielen Studiengängen vorgeschrieben. Und wo sie nicht verlangt werden, da versuchen Studierende häufig von sich aus, in den Semesterferien ins Berufsleben hineinzuschnuppern – jährlich machen rund 600000 Studierende und frische Uniabsolventen ein Praktikum.

Im vergangenen Jahr wurden 600 von ihnen in einer gerade veröffentlichten Studie der DGB-Jugend zu ihren Erfahrungen befragt. Danach sind die Praktikanten im Schnitt 25 Jahre alt, das Praktikum dauert in der Regel zwischen einem und sechs Monaten und wird vor allem in Betrieben mit 20 bis 100 Beschäftigten geleistet. „Vor der Einführung des Mindestlohns bekamen 40 Prozent kein Geld fürs Praktikum“, sagt Florian Haggenmiller, DGB-Bundesjugendsekretär.

Das Mindestlohngesetz hat aus seiner Sicht deutliche Verbesserungen für Praktikanten mit sich gebracht: Erstmals wurde definiert, was ein Praktikum ist. Festgeschrieben wurde auch, dass jeder Praktikant Anspruch auf einen schriftlichen Vertrag mit Lernzielen und ein Abschlusszeugnis hat. „Das schafft Transparenz und hilft, Rechte auch durchzusetzen, wenn zum Beispiel die im Vertrag zugesicherte Betreuung nur Fiktion war“, sagt Haggenmiller.

Seit Anfang 2015 muss für Uniabsolventen, die ein Praktikum absolvieren, der Mindestlohn gezahlt werden. Ein Anspruch darauf besteht auch bei freiwilligen Praktika während des Studiums, allerdings erst ab einer Dauer von drei Monaten. Studierende, die ein Pflichtpraktikum absolvieren, haben dagegen kein Anrecht auf eine Bezahlung. Die DGB-Jugend fordert für Pflichtpraktikanten eine Bezahlung entsprechend dem Bafög-Höchstsatz, der ab Oktober bei 735 Euro monatlich liegt.

Wie die Leistungen für Praktikanten aussehen, hängt maßgeblich davon ab, wie gefragt der berufliche Nachwuchs ist. Die IG Metall hat gerade mit einem Unternehmen aus der Automobilbranche erstmals einen Tarifvertrag für angehende Ingenieure vereinbart, der sowohl Praktikanten, Werkstudenten als auch dual Studierende und Doktoranden umfasst. Beim Entwicklungsdienstleister Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr (IAV), der mehr als 6000 Mitarbeiter beschäftigt, erhalten die 300 Werkstudierenden ab 1. Oktober ein Stundenentgelt von 13,98 Euro. Dabei handelt es sich häufig um ehemalige Praktikanten, die zur Finanzierung ihres Studiums nebenher wöchentlich bis zu 20 Stunden bei IAV arbeiten. Praktikanten bei IAV bekommen ab Oktober von Anfang an 800 Euro monatlich, außerdem werden praktikumsbezogene Ausbildungskosten übernommen sowie vermögenswirksame Leistungen gezahlt.

Auch Volkswagen hat seine Leistungen für Praktikanten schriftlich festgelegt. Dazu gehören unter anderem der gesetzliche Mindestlohn für alle studentischen Praktikanten, Urlaubsanspruch sowie Unterstützung bei der Wohnungssuche.


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