Mundgesundheitsstudie Die Zähne der Deutschen sind deutlich besser geworden

Von dpa

Die Mundgesundheit der Deutschen ist so gut wie noch nie. Trotzdem gibt es noch Verbesserungspotenzial. Foto: dpaDie Mundgesundheit der Deutschen ist so gut wie noch nie. Trotzdem gibt es noch Verbesserungspotenzial. Foto: dpa

Berlin. Die Mundgesundheit der Deutschen ist so gut wie noch nie. Dennoch gibt es in der alternden Gesellschaft noch viele Lücken. Den Zahnärzten geht die Arbeit nicht aus.

Die Deutschen putzen ihre Zähne gründlicher, sie lassen sie regelmäßig von Profis reinigen, und fast 80 Prozent gehen regelmäßig zur Kontrolle. Die Zahngesundheit ist in den vergangenen 20 Jahren in allen Altersgruppen wesentlich besser geworden. Mehr als 80 Prozent der Zwölfjährigen haben keinen einzigen faulen Zahn – das ist Weltspitze, sagen die Zahnärzte. Die schlechte Nachricht: In der Versorgung älterer, pflegebedürftiger Menschen gibt es erhebliche Defizite, ebenso wie bei Parodontose.

Was ist das Problem bei älteren Pflegebedürftigen?

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, wirft den niedergelassenen Zahnärzten vor, sich nicht um die Mundgesundheit von Pflegebedürftigen in Heimen zu kümmern. Die Menschen sind häufig nicht mehr beweglich genug, um zum Zahnarzt zu gehen. „Bei der Hälfte der Bewohner liegt der letzte Zahnarztbesuch mehrere Jahre zurück“, sagte er. Der Gesetzgeber müsse die Kassenzahnärzte verpflichten, regelmäßig im Pflegeheim zu behandeln.

Was sagen die Zahnärzte dazu?

Sie haben das Problem erkannt. Pflegebedürftige zwischen 75 und 100 Jahren hätten häufiger Karies und weniger eigene Zähne als die Altersgruppe insgesamt. Der Chef der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, Wolfgang Eßer, sagte am Dienstag bei der Vorstellung der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie, grundsätzlich sei die Kooperation freiwillig. Aber die Zahnärzte müssten sich hier bewegen. „Wenn der Patient nicht mehr zu uns kommen kann, müssen wir zu ihm gehen.“ Zudem müssten die Zahnärzte in ihren Praxen bauliche Barrieren gerade für Patienten mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit beseitigen.

Was liegt bei der Parodontose-Behandlung im Argen?

So sehr sich die Zahnärzte über den Erfolg besonders gegen Karies freuen können – bei Parodontose gibt es noch erheblichen Behandlungsbedarf. Im Grunde dauert die Behandlung lange und braucht Geduld bei Arzt und Patient. Laut Eßer fehlt vor allem eine vernünftige Nachsorge, die einen Behandlungserfolg langfristig sichert. Er will für Patienten Anreize für eine Teilnahme an der Nachsorge schaffen – ein Bonusmodell, ähnlich wie bei der Versorgung mit Zahnersatz.

Andererseits bedarf die Behandlung vieler Aufklärungsgespräche des Zahnarztes mit dem Patienten. Doch die „sprechende Zahnheilkunde“ werde – wie die „sprechende Medizin“ insgesamt – schlecht vergütet, meint Eßer. Hier müssten die gesetzlichen Krankenkassen mitspielen.

Wie ist die Versorgung in Schulen?

Die Zahnuntersuchung in Schulen wird durch den öffentlichen Gesundheitsdienst abgedeckt. Doch der Dienst funktioniert in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich gut. Er könne vom Staat durchaus besser unterstützt werden, heißt es bei den Zahnärzten.

Was kann der Mensch für gute Zähne tun?

Putzen, putzen, putzen – zumindest morgens und abends, aber nach Möglichkeit auch nach den Mahlzeiten – ob mit normaler oder elektrischer Zahnbürste sei grundsätzlich egal, heißt es. Hauptsache mindestens zwei Minuten. Letztlich kommt es darauf an, dass man die Zähne säubert. Elektrische Zahnbürsten können allerdings bei Menschen sinnvoll sein, deren Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist. Bei Kindern können sie spielerischen Anreiz zum Zähneputzen bewirken.

Grundsätzlich stelle man fest, dass das Bewusstsein der Bevölkerung für die Mundgesundheit gewachsen ist, sagt der Präsident der Bundeszahnärztekammer, Peter Engel. Fast 80 Prozent lassen ihre Zähne regelmäßig vom Zahnarzt checken. Der Zahnarzt ist der am häufigsten besuchte Facharzt. Doch Menschen aus sozial schwachen Gesellschaftsgruppen profitieren nicht in gleichem Maße von diesem Trend wie die breite Bevölkerung – dies treffe auch für Menschen mit Migrationshintergrund zu.


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