Studie aus Kanada Zu viel oder zu wenig: Ab wann ist Salz ungesund?

Salz hat einen schlechten Ruf, dabei ist es nicht nur schädlich, sondern auch lebenswichtig. Foto: imago/Westend61Salz hat einen schlechten Ruf, dabei ist es nicht nur schädlich, sondern auch lebenswichtig. Foto: imago/Westend61

Osnabrück. Seit Jahrzehnten wird vor zu viel Salz im Essen gewarnt, das zu Herz-Kreislauferkrankungen führen könnte. Eine neue Studie zeigt nun, dass auch zu wenig Salz schädlich sein könnte.

Im Mittelalter war Salz so wertvoll, dass es als Zahlungsmittel verwendet wurde. Heute hat Salz keinen so guten Ruf mehr. Es gilt als ungesund, weil ein zu hoher Konsum zu Bluthochdruck und damit zu einem höheren Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen oder Schlaganfälle führen kann. Wie kanadische Forscher nun aber herausgefunden haben wollen, kann aber auch ein zu geringer Salzkonsum schädlich sein. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht.

Zu wenig Salz ist auch nicht besser

In einer Meta-Analyse verglichen Forscher von der McMaster University in Hamilton (Kanada) vier Studien mit insgesamt 133000 Teilnehmern aus 49 Ländern miteinander. Sie unterschieden dabei zwischen Menschen mit und ohne Bluthochdruck. Es zeigte sich, dass Menschen mit Bluthochdruck häufiger von Herz-Kreislauf-Problemen betroffen waren, wenn sie mehr als neun bis elf Gramm Kochsalz pro Tag zu sich nahmen. So weit, so bekannt. Bei gesunden Menschen ohne Bluthochdruck ließ sich dieser Zusammenhang jedoch nicht erkennen. Die Forscher fanden außerdem heraus, dass sowohl Probanden mit als auch ohne Bluthochdruck häufiger Herz-Kreislauf-Probleme hatten, wenn sie weniger als sechs Gramm Kochsalz pro Tag zu sich nahmen. Zudem waren auch Todesfälle häufiger.

Deutsche essen zu viel Salz

Die pauschale Empfehlung, grundsätzlich weniger Salz zu essen, wäre damit obsolet. Ein Gesundheitsrisiko durch zu wenig Salz in der Nahrung sei aber in Deutschland kaum möglich, meint Helmut Schatz vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. „Brot, Wurst und andere Fleischwaren, Käse und Milchprodukte enthalten reichlich Kochsalz“, schreibt er in einem Beitrag auf der Homepage des Verbandes . Im Gegenteil: Die meisten Deutschen würden deutlich mehr Salz konsumieren, als die täglichen sechs Gramm, die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung als Tagesdosis empfohlen werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schätzt die durchschnittliche tägliche Salzaufnahme bei Männern auf etwa 9 Gramm, bei Frauen auf 6,5 Gramm. Helmut Schatz empfiehlt Bluthochdruckpatienten weiterhin, Salz möglichst zu meiden oder den Konsum zu reduzieren. „Menschen mit normalem Blutdruck – und ohne Herzinsuffizienz – können so essen, wie es ihnen schmeckt.“


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