Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Urlaub mit Kindern ist keiner mehr

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Eine Silbermöwe wie zum ersten Mal sehen: Das geht nur, wenn man mit den Kindern verreist. Illustration: Lilith BenedictEine Silbermöwe wie zum ersten Mal sehen: Das geht nur, wenn man mit den Kindern verreist. Illustration: Lilith Benedict

Berlin. Wer mit der Familie verreist, tauscht nur die eigene Arbeit gegen die der Tagesmutter. Warum ist es trotzdem so großartig?

In der letzten Woche hat Corinna Berghahn über Elternschaft in Zeiten des Terrors geschrieben – und ihren Co-Kolumnisten am Ende gefragt: „Wie war der Urlaub mit Kindern am Meer?“. Dies ist Daniel Benedicts Antwort:

Liebe Corinna!

Auf die Frage nach dem Familienurlaub gibt es zwei widersprüchliche Antworten. Wie immer stimmen beide. Zuerst die, die mich über den Abschied von der Ostsee hinwegtröstet: Urlaub mit Kindern ist gar keiner. Man tauscht nur die eigene Arbeit gegen die der Tagesmutter.

Es stimmt auch alles, was Comedians über schreckliche Familienurlaube zusammenwitzeln. Das fängt schon mit der Fahrt an, die wir aus kluger Berechnung in die Nacht gelegt hatten. Ohne Erfolg natürlich. Ich weiß jetzt nur, a) wie lange meine Kinder wirklich wachbleiben können und b) dass Heulanfälle selbst im Erschöpfungsschlaf noch möglich sind.

Am Urlaubsort verkehrt sich dann alles ins Gegenteil, was man bislang von Ferien erwartet hat. Statt mir selbst was zu gönnen, musste ich den Kindern alles verbieten. Das einzige, was in Ostseebädern noch zahlreicher ist als Kioske mit sprechenden Kuschelrobben, sind Münz-Autos, Münz-Hubschrauber sowie Kaugummi-Automaten mit Slimey-Händen und Flummis. Der Tarif für die Autos liegt heute bei einem vollen Euro; ich habe aus Prinzip keine einzige Fahrt bezahlt, obwohl vor dem Kurhaus eine tolle Nachahmung des Knight Riders stand.

Knight Rider lebt! An der Mecklenburgischen Ostsee! Foto: dab

Ich erinnere mich noch, dass ich im Urlaub immer sehr viel gelesen habe. Diesmal hatte ich ein einziges dünnes Buch dabei. Ich habe es nur einmal angefasst, um es aus den Marmeladenhänden meines Einjährigen zu retten. Die vielen neuen Eindrücke der Fremde haben ihn sehr erregt. Alleine im Babybett (10 Euro Aufpreis) zu liegen, war ihm deshalb unmöglich. Aus meinem ist er rausgefallen, sodass wir sicherheitshalber auf den Fußboden umgezogen sind. Damit er überhaupt geschlafen hat, musste ich seine Hand halten. Lesen war unmöglich.

Dafür habe ich in durchwachten Nächten drei komplette Netflix-Serien auf dem Smartphone geguckt. Eine war „Stranger Things“, eine Gruselhommage an die beiden „Stevens“ Spielberg und King. Sie schielt auf die 80er-Nostalgie meiner Generation und hatte damit bei mir auch halbwegs Erfolg. Die Netflix-Bilder von Jungs auf Bonanza-Rädern sind aber gegen die Gefühle, die der Anblick meines großen Jungen am Strand bei mir ausgelöst hat. Damit bin ich bei der zweiten Antwort: Urlaub mit Kindern ist großartig. Und zwar weil sie alles großartig finden. Möwen! Tote Krebse! Eine Fahrt in den Abgasen der örtlichen Bimmelbahn! Die Magie der Spiegelneuronen ermöglicht, dass auch ich all das erlebt habe wie beim ersten Mal. Die Ostsee war für mich ein Fest und das im Wortsinn. Dreimal war ich mit meinem Dreiährigen beim Kurkonzert. Nie tanzte ich entfesselter. Erholsam war der Urlaub nicht. Was soll’s. Seit der Kurmuschel gilt auch für mich Helene Fischers ewiger Vers: Die Hölle morgen früh ist mir egal!

Herzliche Grüße!

Dein Daniel

PS: Dein Kind liebt „Nexo Knights“? Was ist das?

Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kenne das: Corinna Berghahn hat ihrer vierjährigen Tochter schon den Adventskalender geplündert und fühlt sich bein nächtlichen Füttern ihres Babys oftmals wie ein Zombie. Daniel Benedict, Vater eines Zweijährigen und eines Einjährigen, intrigiert bei den Großeltern, damit seine Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie hier einander das Herz aus.


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