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09.08.2016, 11:42 Uhr KOMMENTAR ZUR RECHTSCHREIBREFORM

Babylonische Rechtschreibverwirrung

Von Waltraud Messmann


Vor 20 Jahren wurde der Startschuss für die Rechtschreibreform gegeben. Sie ist bis heute umstritten. Foto: imago/imagebroker/begsteigerVor 20 Jahren wurde der Startschuss für die Rechtschreibreform gegeben. Sie ist bis heute umstritten. Foto: imago/imagebroker/begsteiger

Osnabrück. Vor 20 Jahren wurde der Startschuss für die Rechtschreibreform gegeben. Sprachforscher halten sie für einen Flop. Sie sei die Hauptursache für die nachlassende Rechtschreibleistung. Der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes Heinz-Peter Meidinger weist das zurück. Er gibt der verfehlten Bildungspolitik der letzten Jahrzehnte die Schuld an der Fehlentwicklung.

Auch wenn die Rechtschreibreform nur eine von vielen Ursachen der sich stetig verschlechternden Rechtschreibleistung von Jugendlichen ist, ihre Folgen sind für alle spürbar.

Jüngstes Opfer ist der MDR: In einem Radiobeitrag zu „20 Jahre Rechtschreibreform“ vermeldete der Sender vor einigen Tagen, dass mit Beginn des neuen Schuljahres die gerne verwechselten Wörter „seid“ und „seit“ zu „seidt“ zusammengezogen werden. Peinlich nur, dass die Quelle das Satireportal „Der Postillon“ war.

Dieses Beispiel und viele andere machen deutlich, dass die Neuregelung bei vielen zu einer großen Verunsicherung geführt hat. Trotzdem ist die Forderung nach einer Rücknahme aber mindestens so unsinnig, wie es die Reform selbst vor zwanzig Jahren war. Der Grad der Verwirrung würde dann vermutlich schon bald fast babylonische Ausmaße annehmen.

Umso wichtiger ist es, dass die Lehrerverbände die Verbesserung der bildungspolitischen Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Rechtschreibunterricht anmahnen. Solange die Orthografie an den Schulen vernachlässigt wird, kann sie auch nicht besser werden. Egal, ob es „seid“, „seit“ oder „seidt“ heißen muss.


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