Weitverbreitet, aber umweltschädlich Palmöl: Regenwald-Vernichtung fürs Frühstück?

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Osnabrück. Ob Fertiggerichte, Kosmetika oder Reinigungsmittel: Viele Produkte enthalten heutzutage Palmöl. Doch Anbau und Ernte folgen oft weder ökologischen noch sozialen Kriterien. Welche Alternativen gibt es?

Zum Anbau von Palmöl wird in der Regel Regenwald abgeholzt, nicht selten werden zudem Menschenrechte von den Unternehmen missachtet – da überrascht nicht, dass Palmöl umstritten ist. Vor- und Nachteile sowie mögliche Alternativen im Überblick:

Was ist Palmöl?

Das Pflanzenfett wird aus den Früchten der Ölpalme gewonnen, die rund um den Äquator angebaut wird. Hauptanbauländer sind Malaysia und Indonesien, wo 85 Prozent des weltweiten Bedarfs produziert werden. Mit aktuell etwa 60 Millionen Tonnen jährlich ist Palmöl das weltweit am meisten verwendete Pflanzenöl. Und die Produktion wächst weiter.

Warum wird es verwendet?

Wie alle Fette ist auch Palmöl ein Geschmacksträger. Es ist sehr günstig herzustellen und auch weitere Eigenschaften sind hat viele Vorteile für die Lebensmittelindustrie: Palmöl lässt sich hoch erhitzen und macht Fertiggerichte weich und cremig, da es bei Zimmertemperatur fest ist und bei Körpertemperatur schmilzt. Deshalb wird es oft in Speiseeis oder Schokolade verwendet, wo es einen Teil der Milchprodukte ersetzt. So besteht beispielsweise Nutella aus bis zu 25 Prozent Palmöl. Margarine verleiht es einen buttrigen Geschmack. Zu finden ist es auf Zutatenlisten als Palmöl, Palmfett oder auch Sodium Palmate – das ist aus Palmöl hergestellte Seife. Auch hinter Begriffen wie Isopropyl Palmitate, Palm Kernel Alcohol, Glyceryl Palmitate und Palmamide DEA verbergen sich Produkte aus Palmöl. Bis Dezember 2014 konnte es hinter „pflanzliche Öle“ oder „pflanzliche Fette“ verborgen sein. Seither muss Palmöl bei Lebensmitteln deklariert werden.

Weiterlesen: Studie: Immer mehr Lebensmittel enthalten billiges Fett

Was ist das Problem?

Kostengünstige Flächen für den Anbau von Palmöl finden sich vor allem in Regenwaldgebieten. Urbar gemacht werden diese durch Abholzung und Brandrodung, so geht Lebensraum für Tiere und Pflanzen verloren. Zudem hat der Regenwald eine große Bedeutung für das weltweite Klima – damit trägt der Anbau von Palmöl zur Klimaerwärmung bei. Nicht zuletzt sind die Landrechte in den Gebieten oft unklar. Deshalb werden beim Anbau von Palmöl Kleinbauern und indigene Völker zum Teil gewaltsam vertrieben. Weil ihnen die Lebensgrundlage fehlt, müssen sie als Billiglohnkräfte auf den Plantagen arbeiten. Hier sind die Arbeitsbedingungen verschiedenen Organisationen zufolge katastrophal.

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In welchen Produkten ist Palmöl enthalten?

Fast jedes zweite Produkt in europäischen Supermärkten enthält Palmöl. Es ist zu finden in Speiseeis, Schokoriegeln, Keksen, Tütensuppen, Margarine und Wurst. „Auch in vegetarischen Brotaufstrichen ist es drin“, sagt Roland Gramling, Pressereferent beim WWF. Philip Heldt, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, sagt: „In Fertigprodukten ist Palmöl unglaublich verbreitet.“ Aber auch in vielen Shampoos, Seifen, Körperlotionen, Haarspülungen ist es enthalten, ebenso in einigen Waschmitteln und in Agrodiesel. „Auch in manchen Kerzen ist Palmöl enthalten“, ergänzt Gramling.

Welche Alternativen gibt es?

„Der einfachste Weg wäre ein Boykott von Produkten mit Palmöl, aber das ist sinnlos“, sagt Roland Gramling. Er rechnet vor: Um die gleiche Menge pflanzliches Öl zu produzieren, würde im Vergleich zu Palmöl bei Soja die sechsfache Fläche, bei Kokosöl die viereinhalbfache Fläche benötigt. Bei Raps, der auch in unseren Breiten wächst, wäre es die dreifache Fläche. Es würde also mehr Land benötigt, zugleich würde sich das Anbauproblem in andere Regionen verlagern, wo die jeweiligen Pflanzen besser wachsen. „Die Ölpalme ist die effizienteste Ölpflanze“, bringt es Heldt auf den Punkt.

Was also tun? „Die Verwendung von Palmöl kann man am besten vermeiden, wenn man selbst kocht. Denn dann kennt man die Zutaten“, sagt Heldt. Nicole Mehrbach von der Stiftung Warentest sagt: „Die Lösung liegt nicht im Ersatz, sondern darin, den Konsum von Palmöl zu reduzieren und die Anbaukriterien zu verbessern.“ Um den Anbau von Palmöl unter nachhaltigen Kriterien zu fördern, wurde 2004 – unter anderem durch die Umweltschutzorganisation WWF – der Runde Tisch Nachhaltiges Palmöl (Round Table on Sustainable Palmoil, RSPO) gegründet, dem Unternehmen wie Beiersdorf oder Henkel beigetreten sind. Zum Schutz von Tier- und Pflanzenarten und auch der Landrechte indigener Völker schreibt er Standards fest, zu denen sich die Mitgliedsunternehmen verpflichten.

Vielen anderen Umweltschutzorganisationen – darunter Greenpeace – und Verbraucherschützern reicht das nicht. Bislang seien lediglich 20 Prozent der weltweiten Palmöl-Produktion zertifiziert, sagt etwa Mehrbach. „Die Standards sind der kleinste gemeinsame Nenner“, kritisiert Gesche Jürgens von Greenpeace Deutschland, die Vorgaben des RSPO. Sie bezeichnet die RSPO-Kriterien als „Augenwischerei“. Greenpeace habe deshalb schärfere Kriterien für den Anbau von Palmöl formuliert. Jürgens sieht allerdings auch, dass Palmöl nicht ohne Weiteres zu ersetzen ist, und empfiehlt deshalb ebenfalls, selbst zu kochen, um die Verwendung von Palmöl zu vermeiden: „Am besten saisonal und mit regional angebauten Produkten.“

Weiterlesen: Greenpeace: Immer noch Palmöl in vielen Produkten


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