Olympia 2016 in Rio de Janeiro Virologe: „Männer sind von Zika-Virus stärker betroffen“

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Osnabrück. Kurz vor Beginn der Olympischen Spiele in Rio warnt der Virologe Alexander S. Kekulé warnt insbesondere Männer vor dem Zika-Virus und kritisiert die Weltgesundheitsorganisation.

Deutliche Kritik an der Weltgesundheitsorganisation übt der Virologe Alexander S. Kekulé, weil sie vor den Olympischen Spielen im brasilianischen Rio vor allem weibliche Sportler und Besucher vor dem Zika-Virus warnt. Männer seien von den Folgen der Erkrankung viel stärker betroffen: „Die Geschlechtsorgane sind zumindest beim Mann vermutlich eine Art Versteck für das Virus, wo es lange Zeit überdauern kann“, sagt der Mediziner unserer Redaktion.

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„Wenn ein junger Mann noch Kinder haben will, dann steht er nach der Rückkehr aus Brasilien vor dem Problem, dass er unter Umständen sehr lange nur geschützten Sex haben darf, um seine Partnerin nicht anzustecken“, so Kekulé, der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Halle (Saale) ist. In der Folge würden nun eher Frauen ihre Reise nach Rio überdenken, obwohl „die Männer stärker betroffen“ seien.

WHO warnt nicht vor sexueller Übertragung

Es sei seit Kurzem bekannt, dass die sexuelle Übertragung des Zika-Virus einen ganz erheblichen Anteil der Infektionen ausmache. Deshalb ist es nach Ansicht des Virologen „nicht verständlich, warum die WHO das Thema sexuelle Übertragungen bei der Risikobeurteilung für die Olympischen Spiele ausgeklammert hat“. Dabei sei praktisch jede Art von Sexualverkehr einer erkrankten Person infektiös. Er selbst würde nicht nach Brasilien fahren, wenn er noch planen würde, Kinder zu bekommen, betont Kekulé. Ob die sexuelle Übertragung des Virus auch die Wahrscheinlichkeit für Fehlbildungen bei ungeborenen Kindern, der sogenannten Mikrozephalie, erhöht, werde derzeit noch untersucht.

Krankheit kann sich ausbreiten

Durch ungeschützten Sex könnten Sportler und Besucher der Olympischen Spiele zur Ausbreitung der Krankheit beitragen. „In Europa finden wir ständig Frauen , die sich bei Männern angesteckt haben, die aus Brasilien oder anderen Ländern mit Zika-Ausbruch zurückgekommen sind“, sagt der Virologe. Allerdings glaubt er nicht, dass es zu einer Pandemie kommen werde wie bei Aids. Die Entscheidung der WHO, die Olympischen Spiele nicht abzusagen, hält der Mediziner dennoch für richtig: „Ich finde es völlig berechtigt, hier keine allgemeine Reisewarnung auszusprechen. Man hätte nur das individuelle Risiko detaillierter beschreiben müssen, damit jeder für sich selbst entscheiden kann.“


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