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Nettie Stevens im Doodle Nettie Stevens: Beim Sex kannte sie nur X und Y

Von Daniel Benedict


Berlin. Nettie Stevens‘ 155. Geburtstag ist für Google ein Anlass zum Feiern. Ein Doodle ehrt die Genetikerin, die die Bedeutung von X- und Y-Chromosomen erklärte.

Zwei Buchstaben reichten Nettie Stevens (7. Juli 1861 – 4. Mai 1912), um den Unterschied von Mann und Frau zu beschreiben: X und Y. An ihrem 155. Geburtstag ehrt ein Google-Doodle die amerikanische Genetik-Pionierin, die als Erste die Bedeutung der Geschlechtschromosomen beschrieben hat.

Nettie Stevens, die Vererbungslehrer und das Geschlecht

Nettie Stevens hat 1905 die Abhängigkeit des Geschlechts von X- und Y-Chromosom entdeckt. Die wissenschaftliche Pionierleistung wiegt um so mehr, als Stevens damit als Erste überhaupt körperliche Eigenschaften von Lebewesen auf beobachtbare Unterschiede der Chromosomen zurückführen konnte. (Zerg Rush, Tilt und Barrel Roll: Mit diesen Google Easter Eggs bringen Sie Ihre Kollegen zur Verzweiflung)

Mehlwurm und Fruchfliege: Nettie Stevens‘ Haustiere

Für ihre Forschungen unterhielt Nettie Stevens einen großen Laborzoo an Insekten. Die Entdeckung des Y-Chormosoms gelang ihr am Mehlwurm, der Larve des Mehlkäfers (Tenebrio molitor). Für ihre weitere Arbeit wurde dann ein bei Genetikern bis heute populäres Versuchstier wichtig: die vermehrungsfreudige Fruchtfliege (Drosophila melanogaster). (Verbotene Doodles: Die geheimen Regeln der Google-Spielerei)

Wurde Nettie Stevens Leistung unterschätzt?

Genetik-Lehrbücher unterschätzen die Leistung von Nettie Stevens oft zugunsten von Edmund Beecher Wilson und Thomas Hunt Morgan, ihren Institutsleitern am Bryn Mawr College. Das beklagen zumindest die Autoren ihres Wikipedia-Eintrags. Morgan werde demnach regelmäßig die erste Lokalisierung von Fruchtfliegen-Genen zugeschrieben – ohne zu erkennen, dass schon die Forschung an dem Tier auf Stevens zurückgeht. Stevens war es auch, die als Erste das Vorhandensein zweier großer Chromosomen bei den Weibchen der Fruchtfliege beschrieben hat. Wilson hatte das nicht erkennen können, weil er aus handwerklichen Gründen nur an Spermien forschte. (Eizellen waren zu groß, um eingefärbt zu werden.) Wilson fügte die Ergebnisse in seine eigene Arbeit ein, dankte dabei allerdings ausdrücklich Nettie Stevens. (Was passiert, wenn man bei Google die Zahl 241543903 sucht?)

Nettie Stevens‘: Tödlicher Brustkrebs mit 50 Jahren

Nettie Stevens erlangte nie einen Lehrstuhl – im Unterschied zu anderen Wissenschaftlerinnen ihrer Zeit lag das aber nicht an sexistischer Unterschätzung, sondern an ihrem frühen Tod. Tatsächlich leitete Stevens Laboratorien und Meeresstationen. Als sie 50 Jahre alt ist, wird ihr eine Forschungsprofessur am Bryn Mawr College angeboten. Bevor sie die Arbeit aufnehmen kann, stirbt Nettie Stevens‘ am 4. Mai 1912 an Brustkrebs. (Google feiert seinen Geburtstag im Doodle – wann immer es Google passt)


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