Messe in Friedrichshafen Schutz gegen fast alles: Das soll Outdoor-Kleidung bald können

Von dpa

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Friedrichshafen. Outdoor-Mode soll einfach immer mehr können: mehr Schutz bieten, vielfältiger einsatzbar sein. Die Ansprüche sind groß. Aber kann sie all das auch leisten – und dabei umweltfreundlich sein? Die Branche blickt bei der Messe Outdoor in Friedrichshafen auf die Neuheiten.

Eigentlich kann die Outdoor-Kleidung von heute schon viel. Sie schützt etwa gegen Wind, lässt Regentropfen abperlen. Aber das reicht den Herstellern nicht. Die Kleidung soll zum Beispiel auch Moskitos abwehren. Und dabei natürlich gut aussehen. Auf der Messe Outdoor in Friedrichshafen (13. bis 16. Juli) präsentiert die Branche ihre Neuheiten und diskutiert die Wünsche der Verbraucher. Ein Überblick:

Schutz gegen alles: Outdoorbekleidung muss nun häufig schon den Insektenschutz integriert haben – in Zeiten, in denen Urlaubern nicht nur Malaria und Denguefieber Sorgen bereiten, sondern auch das Zika-Virus. „Das ist ein Bereich, der stark wächst“, sagt Trendexperte Ralf Stefan Beppler. Neben Moskitos soll der Schutz auch Zecken abhalten. Dafür werden Mittel wie Permethrin fest in die Kleidung integriert. Einerseits sei das eine chemische Keule, sagt Beppler. Andrerseits sei die Belastung geringer als bei einem Moskitomittel direkt auf der Haut.

Auch UV-Schutz ist ein Thema. Die Frage ist: „Wie luftig kann ich mich anziehen und trotzdem Schutz haben?“, sagt Beppler. Dafür fügen die Hersteller sogenannte Polymeradditive in die Textilien ein, die die UV-Strahlen absorbieren sollen. Das Problem im Verkauf: „Der Verbraucher sieht es nicht“, erklärt der Outdoorexperte. Und was er nicht sehen kann, dafür ist er häufig nicht bereit, Geld auszugeben. (Weiterlesen: Wandern: Vom Spießersport zum Massenphänomen)

Umwelt- und sozialverträglich: Die zusätzlichen Schutzfunktionen sind schön und gut, gleichzeitig soll die Outdoor-Bekleidung aber umweltverträglich sein. „Der Druck kommt auch vom Endverbraucher, nicht nur von den Umweltorganisationen“, sagt Stefan Reisinger, Bereichsleiter Outdoor der Messe Friedrichshafen. Denn dem Segment werde nun einmal eine starke Nähe zur Natur zugeschrieben, es wirbt ja auch genau mit diesem Thema. „Natürlich muss man sich dann da kritischen Fragen stellen.“

So sei ein großes Thema, das die Branche umtreibt, der Verzicht auf perfluorierte Chemikalien (PFC) . Diese machen Textilien zwar wasserfest und schmutzabweisend, sie sind aber nicht biologisch abbaubar. Nun müsse verstärkt geforscht werden, wie Textilien die gleichen Eigenschaften eben ohne den Einsatz kritischer Chemie erreichen. Bislang gebe es keinen perfekten Ersatz, sagt Boris Gnielka, Redakteur der Zeitschrift „Outdoor“. Das sei eine Frage der Zeit, ergänzt Beppler. Um eine Kollektion umzustellen, brauche es zwei bis zweieinhalb Jahre. „Das heißt, wir leben mit den Produkten, die draußen sind, ein bisschen die Altlasten durch.“ In anderen Ländern – hauptsächlich in Skandinavien – sei man schon weiter.

Bei anderen Umweltstandards hat es in den vergangenen Jahren aber schon gute Fortschritte gegeben. Etwa dabei, den Down Standard zu erfüllen, nennt Reisinger ein Beispiel. „Und die Reise ist natürlich nicht zu Ende.“ So werde in diesem Jahr auf der Outdoor auch der Responsible Wool Standard vorgestellt, erzählt Beppler. Diese Standards zertifizieren einen nachhaltigen Umgang – mit Daune oder Wolle. Im sozialen Bereich treiben die Fair Labor Association und die Fair Wear Foundation die Branche weiter an. (Weiterlesen: Greenpeace: Outdoor-Jacken dünsten Chemikalien aus)

Vielfach einsetzbar: Die Firmen gehen weg davon, spezielle Kleidung für Wanderer oder Mountainbiker anzubieten, erklärt Gnielka. Stattdessen sollen die Sachen multifunktionell sein: Sie kommen sowohl auf dem Berg zum Einsatz als auch bei der Abfahrt mit dem Rad oder beim anschließenden Entspannen im Biergarten.

Weil ein Kleidungsstück immer mehr können soll, nimmt laut Gnielka auch der Anteil der Reisebekleidung in der Branche insgesamt zu: also nicht spezifischer Wanderausrüstung, sondern Kleidung, die auf langen Reisen verschiedenen Zwecken dient. Das sind dann knitterfreie Hemden oder Hosen, deren Beine sich abzippen lassen und die viele Taschen haben, darunter auch versteckte zum Diebstahlschutz.

Dazu passt auch, dass die Hersteller weiterhin daran arbeiten, das Gewicht der Kleidung zu reduzieren, erklärt Reisinger. Sie soll noch leichter werden. Jacken, die unter 100 Gramm wiegen, sind laut Gnielka keine Seltenheit mehr.

Retro und bunt: Bei den Farben der Outdoor-Kleidung gibt es derweil wenig Innovationen. Noch sei es recht bunt, sagt Gnielka. Aber insgesamt werde es einen Tick ruhiger in der Farbe, ergänzt Beppler. Aus Orange wird nun eher Terrakotta, aus Maigrün eher dunkles Grün. Außerdem sind das klassische Rot und ein dunkles Violett wieder im Kommen. In Deutschland aber sind die Klassiker unter den Farben eh schon Schwarz, Grau, Dunkelblau und Khaki. Und generell sei es auf der Messe noch immer bunter als im Handel und im Handel bunter als in der Fußgängerzone. Im alpinen Bereich hingegen kommen grundsätzlich mehr Farben zum Einsatz als auf der Straße. „Das hat natürlich auch mit Sicherheit zu tun“, so Beppler.

Im Moment gibt es außerdem einen Retro-Trend. Einige Hersteller besinnen sich auf ihre Anfangszeit und lassen die Styles von damals wieder aufleben – aber natürlich mit den neuen Materialien. Und man versucht, die funktionalen Schnitte beizubehalten. Diese bleiben insgesamt eher körperbetont, sagt Gnielka. Aber es werden auch verstärkt verschiedene Schnittformen angeboten, vom Slim Fit zum Standard Fit, erläutert Beppler.

Ein anderes Thema, das sich schon im vergangenen Jahr angekündigt hat, lautet Hybrid. In einem Kleidungsstück kommen mehrere Stoffe mit unterschiedlichen Funktionen zum Einsatz, schließlich stellen verschiedene Körperregionen auch unterschiedliche Ansprüche. Momentan komme das Thema bei den Verbrauchern aber noch nicht an: „Es ist schwierig zu verkaufen, weil es die Optik des Produkts beeinflusst“, sagt Beppler. Schließlich sehe es sehr technisch aus, wenn Wolle mit Daune und mit Stretch-Fleece kombiniert werde. Hybride Kleidung ist also vielleicht noch ein Zukunftskonzept.


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