Beschlagnahmung von Handys angedacht Welche Strafen drohen Gaffern?

Gaffer werden bei Verkehrsunfällen zum immer größeren Problem. Mittlerweile geht die Polizei gezielt gegen Schaulustige und Voyeure vor. Symbolfoto: Frederik GrabbeGaffer werden bei Verkehrsunfällen zum immer größeren Problem. Mittlerweile geht die Polizei gezielt gegen Schaulustige und Voyeure vor. Symbolfoto: Frederik Grabbe

Osnabrück. Ein schwerer Unfall passiert und Gaffer behindern die Arbeit von Polizei und Rettungskräften: Das ist in der Vergangenheit häufiger der Fall gewesen. Doch wie können Gaffer eigentlich bestraft werden?

Zuletzt sorgten Gaffer nach einem Unfall auf der A1 bei Bramsche für Empörung. Im Vorbeifahren filmten sie die Unfallstelle – und müssen jetzt ein Bußgeld zahlen. Derzeit ist die Bestrafung von Gaffern allerdings nicht ganz leicht. Denn das bloße Fotografieren oder Filmen von Verstorbenen ist noch nicht strafbar.

Die Länder Niedersachsen und Berlin haben allerdings einen Gesetzentwurf in den Bundesrat eingebracht, der es erlauben soll, Gaffer bei Unfällen künftig strafrechtlich verfolgen zu können, heißt es aus dem niedersächsischen Innenministerium. Derzeit können diese Handlungen nur als Ordnungswidrigkeit geahndet werden.

Das soll sich mit dem Gesetzentwurf ändern:

  • Beim Fotografieren von Unfallopfern sollen Handys oder Fotoapparate beschlagnahmt werden – das gilt auch schon beim Versuch.
  • Ist ein Handy Mittel der Behinderung der Rettungskräfte oder wurde die Behinderung der Rettungskräfte mit dem Handy gefilmt, soll mit Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft werden.
  • Beschlagnahmte Handys erhalten die Betroffenen nicht zurück

Laut dem deutschlandweit geltenden Bußgeldkatalog gelten bislang folgende Strafen:

  • Gaffen als Ordnungswidrigkeit – Strafe: Bußgeld von 20 bis 1000 Euro
  • Behinderung der Rettungskräfte durch Befahren des Seitenstreifens auf der Autobahn – Strafe: Bußgeld von 20 Euro
  • Behinderung der Rettungskräfte durch Parken auf dem Seitenstreiten der Autobahn – Strafe: Bußgeld von 25 Euro
  • Unterlassene Hilfeleistung – Straftat: Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder Geldstrafe
  • Fotos oder Filme von einem Unfall machen – Straftat: Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe

Möglich ist auch, die Benutzung des Handys am Steuer zu ahnden. Dieses Vergehen gilt ebenfalls als Ordnungswidrigkeit und wird mit einem Bußgeld von 60 Euro sowie einem Punkt in Flensburg bestraft. Nach dem Unfall auf der A1 bei Bramsche sind 20 Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Handynutzung am Steuer eingeleitet worden.

In NRW werden Unfallstellen auf Autobahnen seit vergangenem Jahr mit grünen Sichtschutzwänden abgeschirmt. „Der Einsatz dieser Sichtbarrieren vermeidet nicht nur Staus, sondern schützt vor allem Unfallopfer und Rettungskräfte wirkungsvoll vor Gaffern“, sagte NRW-Verkehrsminister Michael Groschek. Bislang ist das Fazit zum Einsatz der Wände positiv.


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