Tipps für mehr Sicherheit Warnung vor Hackern: Pärchen bei Sex von Smart-TV gefilmt

Smart-TVs können bei falschen Einstellungen– ähnlich wie Computer, Tablet und Co. – schnell zum Sicherheitsrisiko werden. .Foto:Imago/XinhuaSmart-TVs können bei falschen Einstellungen– ähnlich wie Computer, Tablet und Co. – schnell zum Sicherheitsrisiko werden. .Foto:Imago/Xinhua

Osnabrück. Die Fußball-EM ist für viele ein Anlass, sich einen neuen Fernseher anzuschaffen. Bei den derzeit sehr beliebten Smart-TVs ist aber Vorsicht geboten, wie der Fall eines britischen Pärchens zeigt: Die Webcam ihres Smart-TVs filmte die beiden beim Sex auf dem Sofa. Wenig später tauchte der Clip im Internet auf.

Freunde des Paares entdeckten das Heimvideo auf einer Porno-Seite und sagten den Hauptdarstellern Bescheid. Noch ist allerdings nicht wirklich geklärt, ob das Paar möglicherweise selbst die Aufnahmen ins Netz gestellt hat. Nachdem das Video im Netz aufgetaucht war,könnten sie nach einer Ausrede gesucht haben. Es ist aber durchaus auch möglich, dass Hacker begonnen haben, Smart-TVs anzugreifen. Die Polizei ermittelt in dem Fall.

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Lücke entdeckt

So platzierte sich der Sicherheitsforscher Benjamin Michéle im SWR-Magazin „Odysso“ mit einfachem Equipment in einem Transporter in der Nähe der Wohnung eines Ehepaars. Er manipulierte dann das Signal eines Senders so, dass der Fernseher von seinem Server eine Applikation installierte, die ihm volle Kontrolle über das Gerät gab. Für den Angriff nutzte der Experte die Tatsache aus, dass Smart-TVs via Rundfunksignal übermittelte Befehle akzeptieren und auszuführen. Außerdem hatte der Wissenschaftler in der Software des Fernsehers eine Lücke entdeckt, über die er eindringen konnte. Danach war es Michéle unter anderem möglich, das Ehepaar mit der Webcam des Fernsehers zu beobachten.

Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) weist zur Fußball-EM ausdrücklich darauf hin, dass Smart-TVs bei falschen Einstellungen– ähnlich wie Computer, Tablet und Co. – schnell zum Sicherheitsrisiko werden können. Für alle Besitzer eines solchen Geräts gibt das BSI Tipps, welche Einstellungen und Sicherheitsstrategien bei der Nutzung von Smart-TVs beachtet werden müssen. Schadprogramme und andere Sicherheitsprobleme könnten zum Beispiel über den Browser oder über die Installation von Apps auf das Gerät gelangen, warnen die Experten.

Datenspionage

Das Risiko der Datenspionage sei bei den intelligenten TV-Geräten nicht ausgeschlossen. So könnten bei unzureichenden Sicherheitseinstellungen Kundenkonten von Pay-TV-Angeboten samt Zahlungsdaten gehackt oder das detaillierte Fernsehverhalten des Nutzers ausgespäht werden. Auch die in den Geräten integrierte Kamera und Spracheingabe können von Cyber-Kriminellen genutzt werden, um das Umfeld des Gerätes zu beobachten und abzuhören, so das BSI.

Um die Vorteile eines Smart-TV zu nutzen und dennoch ein Höchstmaß an Sicherheit und Privatsphäre sicherzustellen, rät das BSI einige Einstellungen und Sicherheitstipps zu beachten: Die Internetverbindung des Smart-TVs sollte nur dann aktiviert sein, wenn sie wirklich benötigt wird. Ist das Gerät im klassischen Fernseh-Modus in Gebrauch, könne die Verbindung zum Internet ausgeschaltet werden.

Sprachsteuerung Aus

Ähnlich verhalte es sich mit Webcam und der Sprachsteuerung: Diese Funktionen sollten nur bei tatsächlichem Gebrauch aktiviert sein. Generell empfiehlt das BSI zu prüfen, ob für das Gerät Updates verfügbar sind und Aktualisierungen der Firmware möglichst bald einzuspielen.Wie auch bei mobilen Geräten gilt: Es sollten nur Apps aus vertrauenswürdigen Quellen, etwa aus dem App-Store des Herstellers, auf dem Gerät installiert werden.

Smart-TVs sind schon länger in der Kritik, weil einige der Geräte angeblich allzu viele Daten an ihren Hersteller schicken. Aktuell führt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen einen Prozess gegen Samsung.


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