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Bundesweit etwa 30 Fälle jährlich Wetterexperte: Region Osnabrück ein Tornado-Hotspot

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Bundesweit gibt es etwa 30 bis 60 Tornados pro Jahr. Foto: AFPBundesweit gibt es etwa 30 bis 60 Tornados pro Jahr. Foto: AFP

Osnabrück. Am Dienstagabend ist vermutlich ein Tornado über Hamburg hinweggefegt. Bei dem Begriff „Tornado“ denken die meisten vermutlich an die schweren Wirbelstürme im Mittleren Westen der USA. Doch auch in Deutschland sind diese Wetterereignisse gar nicht mal so selten.

Das Bild von Tornados oder Windhosen ist bekannt: Ein Luftwirbel, der sich vom Boden bis zu den Wolken erstreckt und von schweren Gewittern begleitet wird. Die meisten Tornados dauern nur wenige Minuten an und bewegen sich durchschnittlich mit 50 Kilometern pro Stunde fort. „Wir haben es hier mit einem kurzen und äußerst kleinräumigen Ereignis zu tun“, sagt Franz Molé vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Doch wo der Tornado zuschlage, gehe alles zu Bruch.

30 bis 60 Tornados jährlich

Bestätigte Tornados gebe es in Deutschland pro Jahr etwa 30 bis 60, die Zahl der Verdachtsfälle liege aber deutlich höher. „Wir müssen mit dieser Zahl allerdings vorsichtig sein“, sagt Molé. „Wo viele Menschen wohnen, wird viel beobachtet.“ Und in Gebieten, in denen viele „Stormchaser“, also „Sturmjäger“ leben, werden auch besonders viele gesichtet.

Molé verweist auf die Seite tornadoliste.de, eine seriöse Seite, wie er sagt, auf der beispielsweise für 2015 insgesamt 212 Tornado-Verdachtsfälle aufgeführt wurden. 38 konnten schließlich bestätigt werden.

Osnabrücker Land ein Tornado-Hotspot

Wo es die meisten Tornados in Deutschland gebe? „Nun, den Osnabrücker Raum könnte man als einen Hotspot bezeichnen“, sagt der Wetterexperte, wobei er genaue Zahlen nicht nennen kann. Allerdings rät er auch hier zur Zurückhaltung: Es gäbe in der Region viele Tornado-„Fans“. Möglicherweise ist diese Faszination unter anderem auf den Tornado zurückzuführen, der am 6. August 2001 über Belm hinwegfegte und großen Schaden anrichtete.

Wie Tornados entstehen

Hinzu kommen die geografischen Gegebenheiten: Der Wind aus dem Südwesten werde hier vom Teutoburger Wald und dem Wiehengebirge gebremst beziehungsweise verstärkt. Denn so entsteht eine Windhose überhaupt erst: „Wir brauchen eine Gewitterwolke und wechselnde Winde“, erläutert Franz Molé. Durch wechselnde Winde beginnt die Wolke sich zu drehen, feucht-warme Luft wird nach oben gesaugt, es entsteht ein Wirbel, der schneller wird, je enger der Raum der Bewegung wird. „Wie bei einer Pirouette beim Eislauf.“ Von einem Tornado spricht man allerdings erst dann, wenn der Schlauch auch tatsächlich bis zum Boden wächst und diesen berührt.

Ob dies der Fall am Sonntagabend in Minden war, ist bislang noch nicht geklärt. Einige Analysen stehen noch aus. „Aber wir schließen das zumindest nicht aus“, sagt der DWD.

Mehr Tornados wegen globaler Erderwärmung?

Ebenfalls unbeantwortet muss die Frage bleiben, ob die Zahl der Tornados in Deutschland zugenommen habe – wegen der globalen Erderwärmung oder Ähnlichem. „Heutzutage wird das Wetter viel stärker beobachtet, und die Medien berichten viel schneller“, sagt Franz Molé. Daher entstehe der Eindruck, dass es auch mehr Wirbelstürme gebe. „Das kann so sein, muss aber nicht“, sagt der Wetterexperte. Aber eigentlich sei die Zahl der Tornados noch zu gering dafür, um einen Zusammenhang zum Klimawandel herzustellen.


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