Kinderspiel „Mmm!“ Taktisches Katz-und-Maus

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Nominiert für das Kinderspiel des Jahres 2016: Mmm! Foto: Jörn MartensNominiert für das Kinderspiel des Jahres 2016: Mmm! Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Ein kooperatives Würfelspiel mit milder taktischer Note und ordentlichem Glücksfaktor ist Reiner Knizias „Mmm!“ – und ein großer Spaß für alle Altersklassen.

So geht’s: Die Spieler helfen der Hausmaus Charly. Diese erwartet den Besuch ihrer hungrigen Großfamilie. Höchste Zeit, sich bei den Reserven der Menschen zu bedienen. Denen scheint das auch egal zu sein, allerdings gibt es da doch ein Problem: die Familienkatze. Erreicht sie die Küche, bevor alle Vorräte abtransportiert sind, ist das Spiel aus – und verloren.

Auf dem Spielbrett sind viele unterschiedlich große Portionen von Fisch, Brot, Käse, Möhre und Gurke zu finden. Jede Portion ist in zwei bis fünf Felder unterteilt, insgesamt sind es 49 Felder. Die fünf Nahrungsmittel finden sich auch auf den drei identischen Würfeln wieder. Zusätzlich ist auf ihnen noch jeweils ein x zu sehen.

Wer dran ist, wirft alle drei Würfel. Nun muss er entscheiden: Entweder er legt einen, zwei oder alle drei Würfel auf ein entsprechendes Feld auf dem Spielplan. Will er nicht alle Würfel legen, wirft er den oder die restlichen erneut, muss danach aber wieder mindestens einen Würfel auf ein freies Feld des Plans legen und kann mit dem Verbliebenen gegebenenfalls ein drittes Mal würfeln. Danach werden alle auf dem Plan liegenden Würfel durch Mausplättchen ersetzt – Charly hat sie also gesichert.

Nun wird geschaut, ob sich die Katze auf die Küche zubewegt. Hat der aktive Spieler in seinem Zug ein Nahrungsmittel komplettiert, dann bleibt die Katze stehen. Gelingt ihm das nicht, so geht die Katze einen Schritt vorwärts, elf sind es insgesamt bis zu Küche.

Problem x

Das Ganze wäre nicht so schwer, gäbe es das x auf jedem Würfel nicht. Denn es gilt: Wenn man nach seinem Wurf keinen Würfel auf dem Plan platzieren kann, geht die Katze auch einen Schritt weiter. Das passiert häufiger, als es den Spielern lieb ist. Im ungünstigsten (und unwahrscheinlichsten) Fall zeigen die drei Würfel gleich beim ersten Wurf dreimal x. Aber die Katze schreitet auch voran, wenn der Aktive schon Würfel auf dem Plan platziert hat und er beim Nachwurf keinen Würfel auf den Plan legen kann – sei es, weil sie ein x zeigen oder (zu einem späteren Zeitpunkt) weil ein Nahrungsmittel schon komplett abtransportiert wurde. In so einem Fall werden die bereits gelegten Würfel abgeräumt, ohne dass ein Mausplättchen gelegt werden darf.

Spielwert: Mit „Mmm!“ (Pegasus) ist dem erfahrenen und viel beschäftigten Autor Reiner Knizia ein Volltreffer gelungen. Cover und Spielplan sind äußerst ansprechend illustriert (Andreas Resch), mit der Geschichte identifizieren sich die Kinder. Sie helfen der Maus gerne. Und sie helfen auch einander gerne. Denn bei reinen Kinderpartien wird viel diskutiert. Den letzten Würfel nochmal würfeln oder lieber nicht? Und es wird angefeuert. Gerade wenn gegen Ende nur noch ein Nahrungsmittel gebraucht werden, ist oft ein beschwörender Chor zu hören: „Käse, Käse, Käse!!!“ Der Jubel – oder die Enttäuschung – entladen sich hier bei knappen Spielen lautstark.

Das Glückselement ist hoch. Es kommt vor, dass ein Spiel verloren wird, weil viermal hintereinander niemand einen Fisch würfelt. Aber es gibt auch taktische Kniffe, die die Chancen verbessern. Denn die Kinder (müssen) lernen, dass es unnötig ist, in einem Zug zwei Nahrungsmittel zu komplettieren. Außerdem reift bei einigen mit der Zeit die Erkenntnis, dass es nicht hilfreich ist, wenn eine Nahrungsmittelsorte sehr früh vollkommen abgedeckt ist. Dann würfelt man lieber eine Gurke nochmal, obwohl man den Würfel auch auf dem Plan ablegen könnte.

Das Schöne an „Mmm!“ ist auch, dass Eltern hier in aller Regel gerne mitmachen. Außerdem ist die Spielerzahl, Pegasus gibt unverständlicherweise zwei bis vier an, vollkommen egal. Man kann es genauso alleine spielen, wie zu zehnt.

„Mmm!“ ist nah an der Bestnote, gäbe es da nicht einen Kritikpunkt: die Anleitung. Sie ist zwar optisch gelungen und enthält auch einige gute Ideen, wie das Zugschema. Aber sie ist vom Aufbau her stark verbesserungswürdig. Die überaus anspruchsvolle Variante wird mitten in der Grundregel eingeschoben. Das verwirrt.

Auch über das Mindestalter, verlagsseitig auf fünf Jahre gesetzt, lässt sich streiten. Es wird sicher einige Vorschulkinder geben, die zunächst überfordert sind. Da ist gerade in den ersten Partien Begleitung notwendig. Aber da jeder Zug in engen Bahnen abläuft, sollte sich dieses Problem schnell erledigen.

Mmm! ist nominiert zum Kinderspiel des Jahres 2016.

Würfelnote: 5 (stark)

„Mmm!“ (Pegasus) von Reiner Knizia ist für Kinder ab fünf Jahren schon allein spielbar und kostet etwa 20 Euro.


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