Testessen mit drei Experten Sind Fleischersatzprodukte eine Alternative zu echtem Fleisch?

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Osnabrück. Vegetarische Fleischprodukte liegen im Trend. Doch sind sie eine gute Alternative zu echtem Fleisch? Ein Testessen soll zeigen, was vegetarische Würste können.

Fast jeder zehnte Deutsche ist Vegetarier, viele weitere wollen weniger Fleisch essen. Diesen Trend hat auch die Industrie erkannt, deshalb bringen derzeit sogar traditionelle Fleisch- und Wursthersteller vegetarische Fleischersatzprodukte auf den Markt. In fast jedem Supermarkt und auch bei immer mehr Discountern liegen sie im Regal. Doch was kann das falsche Fleisch und ist es eine echte Alternative? Für ein Testessen haben wir drei Experten zu Tisch gebeten.

Die Teilnehmer

Dieter Eickhorst ist Fleischermeister aus Georgsmarienhütte bei Osnabrück und führt eine eigene Fleischerei mit Partyservice.

Annette Liebner ist Ernährungsberaterin bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

Annelen Trost ist die Chefin der Osnabrücker Hochschulgastronomie.

Die getesteten Produkte

Besonders beim Grillen kann es für Vegetarier und Veganer schwierig werden, Alternativen zum Fleisch zu finden. Deshalb werden vier Produkte getestet, die zum Grillen geeignet sind. Vegetarische Frikadellen, Hamburger, Tofu-Würstchen und gegrillte Filets landeten auf dem Grill. Die Würstchen und der Hamburger aus unserem Test sind zudem für eine vegane Ernährung geeignet. Alle getesteten Produkte bestehen zum größten Teil entweder aus Weizen- oder Sojaeiweiß. Hühnereiweiß fand sich zudem bei den nicht-veganen Gerichten.

Die Zubereitung

Zubereitet werden die fleischfreien Mahlzeiten für unseren Test auf einem Gasgrill. Hamburger, gegrillte Filets und Frikadellen haben gute Grilleigenschaften. Sie lassen sich problemlos wenden und kleben nicht am Rost fest. Nach kurzer Zeit lassen sich die Abdrücke vom Rost auf dem Grillgut erkennen. Auch wenn kein Fleisch auf dem Grill liegt, riecht es zumindest danach. Ein gutes Zeichen? Das wird sich bei der Geschmacksprobe zeigen. Die Tofu-Würstchen haben dagegen eine sehr weiche Konsistenz und lassen sich nur mit Mühe wenden. Durch die Grillzange entstehen dabei größere Risse in den Würstchen. An einigen Stellen drohen sie, durchzubrechen.

Die Geschmacksprobe

Doch wie schmecken die fleischlosen Alternativen? Verlierer ist das Tofu-Würstchen. „Es schmeckt sehr salzig“, sagt Annette Liebner. „Auch Konsistenz und Aussehen sind nicht mit einem echten Würstchen vom Grill vergleichbar“, lautet das Urteil von Annelen Trost. Die Bewertung des veganen Hamburgers fällt schon besser aus. „Die Konsistenz von grobem Rinderhack ist gut nachgemacht“, findet Dieter Eickhorst, „in den Frikadellen sind sogar Zwiebeln drin.“ Die gegrillten Filets haben optische Ähnlichkeit mit Hähnchenbrustfilets, schmecken aber anders. Wie genau, ist schwer zu beschreiben, aber nicht schlecht. Ein bisschen wie gegrilltes Getreide, was sicherlich am Weizeneiweiß liegt.

Das Urteil

Beim Urteil der Tester herrscht Einigkeit: Bis auf die zu salzige Wurst, sind die anderen Produkte geschmacklich in Ordnung. „Mit etwas Soße und Salat würde man den Unterschied bei manchem Produkt vielleicht gar nicht bemerken“, sagt Annelen Trost. Für die Mensen des Studentenwerks Osnabrück kann sie sich die Fleischersatzprodukte trotzdem nicht vorstellen. „Wir bieten jeden Tag vegetarische Gerichte an, aber die kochen wir selbst. Das können zum Beispiel Bratlinge aus Gemüse oder Eintöpfe ohne Fleisch sein. Fleischersatzprodukte werden von den Studenten bisher aber nicht nachgefragt“, sagt sie. „Wir brauchen es also nicht.“ Die Studenten würden heute zudem beim Essen viel kritischer nachfragen als früher. Für viele kämen künstliche Zusatzstoffe wie Aromen und Geschmacksverstärker, die in vielen der vegetarischen Ersatzprodukte sind, nicht infrage.

Hier setzt auch die Kritik von Annette Liebner an. „Es sind Fertigprodukte und wie viele andere Fertigprodukte enthält auch das vegetarische Fleisch aus unserem Test zu viel Salz, zum Teil zu viel Fett und außerdem viele künstliche Zusatzstoffe wie Aromen und Geschmacksverstärker wie Hefeextrakt“, so die Ernährungsberaterin. Ohne diese Zutaten sei es allerdings auch schwierig, den fleischähnlichen Geschmack nachzuahmen. Manche Produkte enthalten auf 100 Gramm mehr als zwei Gramm Salz. Laut Annette Liebner sollten Menschen aber nicht mehr als sechs Gramm Salz täglich essen. Mit einer Portion des Fleischersatzes wäre der Tagesbedarf also fast gedeckt. Auch das Verbrauchermagazin „Öko-Test“ bemängelte den hohen Salzgehalt bereits bei einem Test von Fleischersatz. Demnach sind mehr als sechs Gramm Salz täglich problematisch, weil es bei empfindlichen Menschen den Blutdruck erhöhen könne. Annette Liebner isst zwar gerne hin und wieder vegetarisch, kocht ihre fleischfreien Gerichte aber auch in Zukunft lieber selbst.

Dieter Eickhorst kann sich nach dem Test nicht vorstellen, die Produkte in seinem Laden anzubieten. „Ich habe nichts gegen eine vegetarische Lebensweise“, sagt er. Deshalb biete er seinen Kunden neben Grillfleisch auch Alternativen wie Grillkäse oder Gemüsespieße an. „Ich verstehe nur nicht, warum jemand, der fleischfrei leben möchte, Tofu-Wurst oder vegetarische Hamburger kauft.“ Für den Fleischermeister ist das ein Widerspruch.

Fazit

Die Werbung für vegetarische Fleischalternativen suggeriert, dass die Produkte besonders gesund sind. Bei manchen trifft es möglicherweise zu. Doch wie die meisten Fertigprodukte enthalten auch unsere getesteten Fleischalternativen zu viel Salz und zum Teil auch zu viel Fett. Zudem werden für die Herstellung viele Zusatzstoffe wie Aromen oder Geschmacksverstärker verwendet. Ob sie also gesünder sind als echtes Fleisch, ist zumindest fragwürdig. Für einen spontanen Grillabend sind die Produkte sicher eine gute Alternative, zumal die Produkte aus unserem Test geschmacklich völlig in Ordnung waren. Ob man aber täglich Fertigprodukte essen möchte, die auch nicht ganz günstig sind, oder lieber selbst fleischfrei kocht, muss jeder selbst entscheiden.


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