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Besuchstage beim anderen Elternteil Hartz-IV-Reform: Alleinerziehenden soll Geld gestrichen werden

Von Waltraud Messmann

Der Gesetzentwurf für die Hartz-IV-Reform sieht vor, Alleinerziehenden im Hartz-IV-Bezug künftig für jeden Tag, den ihr Kind Umgang mit dem anderen Elternteil hat, Geld ihrer Leistungen zu streichen. Der Kinderschutzbund warnt vor den Folgen für die betroffenen Kinder.. Foto: imago/blickwinkelDer Gesetzentwurf für die Hartz-IV-Reform sieht vor, Alleinerziehenden im Hartz-IV-Bezug künftig für jeden Tag, den ihr Kind Umgang mit dem anderen Elternteil hat, Geld ihrer Leistungen zu streichen. Der Kinderschutzbund warnt vor den Folgen für die betroffenen Kinder.. Foto: imago/blickwinkel

Osnabrück. Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, hat die Pläne, Alleinerziehenden im Hartz-IV-Bezug künftig für jeden Tag, den ihr Kind Umgang mit dem anderen Elternteil hat, Geld ihrer Leistungen zu streichen, scharf kritisiert. „Hier wird durch die staatliche Regelung die Kindeswohlgefährdung organisiert“, sagte Hilgers im Gespräch mit unserer Redaktion.

Die umstrittene Neuregelung ist in dem Gesetzentwurf zur Hartz-IV-Reform von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) enthalten, der jüngst erstmals im Bundestag verlesen wurde. Danach soll für jeden Tag, den das Trennungskind beim anderen Elternteil verbringt, das Sozialgeld für Kinder bis sechs Jahre pro Tag um 7,90 Euro, für sechs- bis 14-Jährige pro Tag um neun Euro und für 14- bis 18-Jährige um 10,20 Euro gekürzt werden. Diesen Betrag kann dann der andere Elternteil für sich reklamieren. Das soll auch dann der Fall sein, wenn der andere Elternteil selbst gar keine Sozialleistungen bezieht. Im Hartz-IV-Bezug sind etwa 40 Prozent aller Alleinerziehenden – die allermeisten davon Frauen.

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„Pfennigfuchserei“

Hilgers befürchtet, dass die Neuregelung in der Praxis dazu führen werde, „dass der Alleinerziehende immer weniger Geld hat, wenn sich der andere Elternteil häufiger in die Erziehung des Kindes einbringt“. Dieser Umstand könne zu sachfremden Entscheidungen der betroffenen Eltern führen, die nichts mit den Kindern zu tun hätten, warnt der Experte. „Im Sinne des Kindeswohls ist das gewiss nicht. Das ist eine politische Entscheidung, die aus finanzieller Pfennigfuchserei und Bürokratismus betrieben wird.“

Fakt sei, dass dem besuchten Elternteil durch Fahrtkosten des Kindes, Ausgaben für Verpflegung und Bekleidung zusätzliche Kosten entstünden. Bisher sei dieser Mehrbedarf nicht anerkannt. Zur Abdeckung der Mehrkosten sprach sich Hilgers für die Einführung einer aus Steuergeldern finanzierten Umgangspauschale aus, die den Betroffenen zusätzlich gewährt werden soll.

Hier gibt es eine Unterschriftenaktion gegen den Gesetzentwurf.

Verwaltungspraxis

Alleinerziehende mussten auch bisher schon mit Kürzungen des Sozialgeldes für das Kind rechnen, wenn es im Rahmen des Umgangsrechts etwa beim Vater war. Jedoch geschah das bisher im Rahmen einer Verwaltungspraxis, die von Kommune zu Kommune unterschiedlich ausgeübt wurde. Nun sollen diese Kürzungen in den Gesetzestext des Sozialgesetzbuches II aufgenommen werden.

Von der geplanten Neuregelung wären 628000 Haushalte betroffen, von denen 21000 sogar in einer Vollzeitbeschäftigung arbeiten und mangels genügend Einkommen mit Hartz IV aufstocken müssen.

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