zuletzt aktualisiert vor

Selfies analysiert Studie zeigt: Hunde wollen nicht umarmt werden

Von Dr. Jörg Zittlau

Meine Nachrichten

Um das Thema Gut zu wissen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Schön für Frauchen oder Herrchen, aber für den Hund nicht unbedingt angenehm: Umarmungen. Foto:Imago/BlickwinkelSchön für Frauchen oder Herrchen, aber für den Hund nicht unbedingt angenehm: Umarmungen. Foto:Imago/Blickwinkel

Bremen. Tausende Hundefans, die gern auch Selfies ins Internet stellen, auf denen sie im zärtlichen Clinch mit ihren Lieblingen zu sehen sind, sind davon überzeugt, dass ihre Vierbeiner diese körperliche Nähe mögen. Den meisten Hunden jedoch gefällt das gar nicht, wie jetzt der amerikanische Wissenschaftler Stanley Coren herausgefunden hat.

Der Psychologe durchforstete das Internet mit Eingabebegriffen wie „hug dog“ or „love dog“, um nach Fotos zu suchen, auf denen ein Hund zärtlich von einem Menschen umarmt wird. .„Man wird dabei von einem unendlichen Schwall von Bildern überrollt“, so Coren. Am Ende entschied er sich nach dem Zufallsprinzip für 250, auf denen man deutlich die Körpersignale, vor allem aber die Mimik des Hundes sehen und analysieren konnte. Die Ergebnisse veröffentlichte er in einem Blog der Zeitschrift „Psychology today“.

Weiterlesen: Hund Toby gewinnt Prozess: Rüde darf in Mietwohnung bleiben

Unglückliche Hunde

Das Ergebnis war eindeutig. „Ich sah viele glückliche Menschen“, so der Psychologe, „aber auch viele unglückliche Hunde“. Auf knapp 82 Prozent aller Bilder zeigten die Vierbeiner mindestens ein Zeichen dafür, dass sie sich unwohl fühlten. Gerade mal in acht Prozent der Fälle sah man einen Hund, dem offenbar Spaß machte, was gerade mit ihm geschah.

Als typische Zeichen für Unwohlsein wertete Coren, wenn der Hund vom Umarmenden wegschaute, die Ohren anlegte oder mit der Zunge die Lippen beleckte. Ein deutlicher Hinweis auf Stress oder sogar Angst ist aber auch, wenn das Tier den so genannten Halbmond-Blick aufsetzt, bei dem die Augäpfel nach oben wandern, sodass sich am innen-unteren Augenrand das Weiße in Form einer Mondsichel zeigt. Die meisten Menschen finden diesen devoten Blick niedlich, doch in der Hundesprache steht er eher für ein flehendes „Bitte lass‘ es schnell vorüber gehen.“

Bedrohung

Coren betont, dass seine Befunde auf einer Linie mit der Einschätzung von Zoologen und Verhaltensforschern liegen. Diese warnen schon länger vor einem allzu übergreifenden Herzen der Hunde.

„Denn sie sind von Natur aus Lebewesen, die fürs schnelle Laufen geschaffen wurden“, erklärt Coren. Was auch bedeutet, dass sie darauf geeicht sind, bei Gefahr erst einmal das Weite suchen, und dementsprechend alles, was sie daran hindert, als Bedrohung empfinden. „Und das Umarmen ist eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit und damit eine Bedrohung“, so der Psychologe. Es sei deshalb kein Wunder, dass Hunde sich dabei unwohl fühlen. Schlimmstenfalls würden sie zur zweiten Alternative in ihrem Verhaltensrepertoire zur Gefahrenbewältigung greifen – dem Einsatz der Zähne. „Nicht wenige Menschen werden beim Umarmen ihres Hundes gebissen“, betont Coren.

Lesen Sie hie r: Dänisches Hundegesetz: Tausende fordern Abschaffung der „Todeslisten“

Tiere, keine Kinder

Er rät Hundehaltern, die natürlichen Aversionen ihrer Lieblinge gegen das Umarmen zu respektieren. „Sie sind Tiere, keine Kinder“, so der Psychologe. Es gibt ja noch genug andere Möglichkeiten, dem Vierbeiner seine Sympathie und Liebe zu zeigen. Wie etwa das Streicheln, Kraulen und Verabreichen von Leckerlis. Der Mensch mag es ja auch, wenn man ihn zum Essen einlädt.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN