Anzeige gegen Zulassungsbehörden Vorwurf: Kritische Glyphosat-Studien systematisch aussortiert

Mitglieder des BUND demonstrieren gegen den Einsatz von Glyphosat. Foto:Imago/BildFunkMVMitglieder des BUND demonstrieren gegen den Einsatz von Glyphosat. Foto:Imago/BildFunkMV

Osnabrück. Das Umweltinstitut München schließt sich der Anzeige der österreichischen Umweltschutzorganisation Global 2000 gegen den Glyphosat-Hersteller Monsanto und die federführenden Zulassungsbehörden an. Die Angezeigten hätten im Zulassungsverfahren Studien falsch ausgelegt, um die Krebsgefahr zu vertuschen und so eine Wiederzulassung von Glyphosat zu ermöglichen, begründen die Erstatter der Anzeige ihre Entscheidung.

Das Umweltinstitut München und die Umweltschutzorganisation Global 2000 beziehen sich in einer Pressemitteilung unter anderem auf das Gutachten des Epidemiologen Eberhard Greiser von der Universität Bremen: Der Wissenschaftler sei zu dem Schluss, gekommen, dass das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nahezu alle epidemiologischen Studien über die krebserzeugende Wirkung von Glyphosat unbegründet als „nicht zuverlässig“ verworfen habe, heißt es. Greiser selbst wird mit den Worten zitiert: „Die Pestizid-Hersteller haben diesen Studien bereits im Zulassungsantrag fälschlich methodische Fehler unterstellt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat diese Falschdarstellungen kritiklos übernommen. Mein Eindruck ist, dass auf diese Weise praktisch alle epidemiologischen Studien, die der Wiederzulassung von Glyphosat im Wege stehen, systematisch aussortiert wurden.“

Falsch ausgewertet?

Auch die von der Industrie eingereichten Krebsstudien mit Labormäusen seien falsch ausgewertet und dadurch signifikante Krebsbefunde beim Tier verschleiert worden, so die Umweltschützer. Aufgefallen sei das, weil zwei der Mäusestudien auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgewertet worden seien. „Im Gegensatz zum Bundesinstitut für Risikobewertung stellten die WHO-Experten in allen Krebsstudien mit Mäusen einen signifikanten Anstieg von Tumoren fest“, betont Helmut Burtscher, Biochemiker bei Global 2000.

Das BfR habe die Korrektheit der WHO-Auswertung zwar anerkannt und eingeräumt, die statistische Auswertung der Industrie ungeprüft übernommen zu haben. An seiner Empfehlung, Glyphosat als „nicht krebserregend“ einzustufen, habe das BfR dennoch festgehalten, kritisieren die Umweltschützer..

Verfahrensmängel

„In Anbetracht der zahlreichen nachgewiesenen Mängel im Zulassungsverfahren entsteht fast zwangsläufig der Eindruck, dass Behörden und Hersteller Hand in Hand arbeiten, um Glyphosat mit allen Mitteln auf dem europäischen Markt zu halten“, erklärt Sophia Guttenberger, Biologin und Referentin für Verbraucherschutz am Umweltinstitut München. „Ein solches Vorgehen der Behörden wäre mit ihrem gesetzlichen Auftrag keinesfalls zu vereinbaren. Deshalb muss die Staatsanwaltschaft prüfen, ob sich die Verantwortlichen strafbar gemacht haben“, so Guttenberger weiter.„Sollte es im Wiederzulassungsverfahren von Glyphosat zu vorsätzlichen Manipulationen gekommen sein, um einen krebserregenden Stoff durchzuschleusen, wäre das Betrug an 508 Millionen EU-Bürgern“, stellt der Wiener Rechtsanwalt Josef Unterweger fest.

Eingabe bei OLAF

Seine Kanzlei bringt die Anzeige im Auftrag der Umweltorganisationen und sechs weiterer Organisationen aus europäischen Mitgliedstaaten ein, darunter das Pesticide Action Network (PAN) Germany, Générations Futures France, WeMove Europe, PAN Europe, PAN UK und Nature & Progrès Belgique. Es erfolgt zudem eine Eingabe bei der europäischen Betrugsbekämpfungsbehörde OLAF.

Die EU-Kommission will Glyphosat für weitere 15 Jahre in der Landwirtschaft zulassen. Das Europaparlament plädierte allerdings für nur sieben Jahre und verlangte mehr Informationen über mögliche Gesundheitsgefahren. Berlin will nur unter Auflagen zustimmen.


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