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Merkurtransit 2016 Warum sich heute eine Scheibe vor die Sonne schiebt

In den USA wurde im Jahr 2006 diese Aufnahme eines Merkurtransits vor der Sonne gemacht. Foto: INAF/EPA/dpaIn den USA wurde im Jahr 2006 diese Aufnahme eines Merkurtransits vor der Sonne gemacht. Foto: INAF/EPA/dpa

Osnabrück . Am heutigen Montag, 9. Mai, ist es so weit: Merkur zieht als kleiner Fleck vor der Sonne durch. Mit geeignetem Gerät wird der sogenannte Merkurtransit vor der Sonnenscheibe auch in Deutschland zu sehen sein. Doch sollte man niemals ohne einen Sonnenfilter mit dem Fernglas oder dem Teleskop in die Sonne schauen.

Zuletzt war eine solche Mini-Sonnenfinsternis am 7. Mai 2003 bei uns beobachtbar. Denn obwohl Merkur alle 116 Tage zwischen Erde und Sonne hindurch läuft, steht der innerste Planet des Sonnensystems nur alle paar Jahre dabei so nahe an der Verbindungslinie Erde-Sonne, dass er als kleine schwarze Scheibe vor der Sonne steht. Man spricht dann von einem Merkurtransit oder Durchgang.

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Kleiner als Sonnenflecken

Mit dem bloßen Auge ist der Merkurtransit nicht zu sehen. Dazu ist der Merkur vor der Sonnenscheibe viel zu klein. Als kleines schwarzes Pünktchen wandert er für einige Stunden über die Sonne. Im Grunde findet dann eine Sonnenfinsternis statt. Allerdings schafft Merkur es nicht, einen wesentlichen Teil der Sonne zu verdecken. Von der Erde aus gesehen erscheint er auf der Sonne sogar kleiner als die meisten Sonnenflecken. So löst der Merkurtransit auf der Erde auch keine Verdunkelung des Sonnenlichts aus.

Nicht ohne Sonnenfilter!

Für die Beobachtung des Transits benötigt man ein Fernglas oder ein Teleskop. Doch sollte man niemals ohne einen Sonnenfilter mit dem Fernglas oder dem Teleskop in die Sonne schauen. Das kann zu Augenschäden oder im schlimmesten Fall zum Erblinden führen. Schon ein kurzer Blick ohne Schutz ist hochriskant. Ein Schutzfilter vor dem Fernglas oder Teleskop ist ein Muss. Das Himmelsereignis kann auch in vielen Sternwarten beobachtet werden.

So findet am heutigen ab 17:00 Uhr in der EXPO-Sternwarte Melle eine Veranstaltung zur Beobachtung des seltenen Merkurtransits vor der Sonne statt. Dort zeigen Ihnen erfahrene Beobachter, wie Sie den Merkurdurchgang gefahrlos sehen können.

Erster Kontakt

In Mitteleuropa findet der erste Kontakt um 13:12 und 12 Sekunden Uhr MESZ statt. Dann berührt Merkur scheinbar den Sonnenrand von außen. Ab 13:15 und 23 Sekunden ist Merkur komplett vor der Sonne. Dieser Moment wird der zweite Kontakt genannt; es beginnt nun eine ringförmige Sonnenfinsternis. In den kommenden Stunden bewegt sich Merkur immer tiefer in die Sonnenscheibe hinein. Um 16:56 wird die maximale Tiefe erreicht. Wolken erschweren voraussichtlich im Süden, Westen und Osten Deutschlands die Sicht. „Die Chancen stehen im Norden besser als im Süden“, sagte Meteorologin Sabine Krüger vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach.

Gasgemisch

Nur ein extrem dünnes Gasgemisch, die Exosphäre, umhüllt den Merkur. Diese Exosphäre besteht vor allem aus Sauerstoff, Natrium und Wasserstoff. Forscher des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam wollen das Himmelsschauspiel nutzen, um mit Hilfe von Teleskopen Natrium in der Exosphäre von Merkur aufzuspüren und die Messgenauigkeit von Instrumenten zu testen. Dies sei wegen der dünnen Gasschicht nur durch Raumsonden oder während eines solchen Transits möglich. Die Europäische Weltraumagentur Esa will während des Merkurtransits Bilder ihrer Raumsonde „BepiColombo“ übertragen.

(mit dpa)

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