Krankenversicherung für Rentner Fragen und Antworten zur 9/10-Regelung

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Osnabrück. Die wichtigsten Fragen zur 9/10-Regelung beantwortet Wolfgang Thaysen vom Verband der Rentenberater:

Können Sie die 9/10Regelung kurz erläutern?

Aufgrund der 9/10-Regelung wird als Rentner in der Krankenversicherung nur der pflichtversichert, wer in der 2. Hälfte seines Erwerbslebens zu 9/10 Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung gewesen ist. Das heißt, wer mit 15 in den Beruf gegangen ist und mit 63 Jahren in Rente geht, für den ist ein Zeitraum von 48 Jahren zu prüfen. Davon muss er in der 2. Hälfte = 24 Jahre zu 9/10 = 21,6 Jahre Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung gewesen sein. Die Frist beginnt mit der erstmaligen Aufnahme einer Beschäftigung und endet mit dem Tag der Rentenantragstellung. Sie wird Tag genau berechnet.

Spielt die Art der gesetzlichen Krankenversicherung dabei eine Rolle ?

Ob Pflicht- oder freiwilliges Mitglied, oder evtl. im Rahmen der Familienversicherung spielt keine Rolle. Wichtig ist nur die Zugehörigkeit zum System der gesetzlichen Krankenversicherung, die auch bei verschiedenen Kassen erbracht werden kann. Erfüllt der Versicherte die Voraussetzung nicht, bleibt er freiwilliges Mitglied in der GKV. Die Besonderheit ergibt sich aus den Beitragsberechnungsvorschriften. Als Pflichtversicherter sind Beiträge aus der Rente, den Versorgungsbezügen und aus den Einkünften aus selbstständiger Tätigkeit zu entrichten. Wer nur eine Rente erhält, zahlt auch nur Beiträge aus der Rente. Für freiwillig Versicherte gilt ein anderes Recht. Hier ist für die Beitragsberechnung die gesamte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit für die Beitragsberechnung heranzuziehen.

Gibt es eine „Mindestbemessungsgrundlage“?

Sofern der Ehegatte nicht gesetzlich krankenversichert ist, wird sein Einkommen zur Ermittlung des Familieneinkommens herangezogen. Für unterhaltsberechtigte Kinder können Pauschbeiträge abgezogen werden. Die Beitragsbemessung wird maximal aus 50 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze vorgenommen. Das sind für 2016 2118,75 Euro, sofern das gesetzlich versicherte Mitglied nicht höhere Einkünfte hat. Für Ledige gilt, dass die Beiträge aus mindestens 1/3 der Bezugsgröße zu berechnen sind. Die Bezugsgröße für 2016 liegt bei 2905 Euro davon 1/3 = 968,33 €Euro Beitragsbemessungsgrundlage. Auch dann, wenn die Rente nur bei 700 Euro liegt.

Welche Personengruppen sind besonders betroffen?

Das gilt für alle, die, bei pauschaler Betrachtung, nach Vollendung des 40. Lebensjahres eine gewisse Zeit nicht gesetzlich versichert waren. Dazu gehören die, die sich einer privaten Versicherung angeschlossen haben. Aber auch ins Ausland entsandte Arbeitnehmer, für die der Arbeitgeber eine Gruppenversicherung abgeschlossen hat. Diese können die Fehlzeit in der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) vermeiden, indem sie eine Anwartschaftsversicherung bei der gesetzlichen Krankenkasse vor der Ausreise abschließen.

Sind die Klagen über eine nicht ausreichende Beratung durch die Krankenkassen berechtigt?

Die Krankenkassen versuchen vielfach, bei Eingang einer Kündigung das Mitglied durch entsprechende Rückwerbebemühungen zu halten. Wer sich allerdings zu einem Systemwechsel entschließt, tut dies häufig, weil er mit den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) nicht zufrieden ist oder Beitragsvorteile sieht. Diese sind Argumenten über die Folgen des Systemwechsels häufig nicht zugänglich. Von der privaten Krankenversicherung (PKV) können sie nicht erwarten, dass sie auf diese Folgen hinweisen. Die versuchen z. T. die steigenden Kosten im Alter mit einer ergänzenden Rückdeckungsversicherung aufzufangen, was zusätzliche Abschlussprovisionen generiert. Wer in die private Krankenversicherung wechseln will, sollte sich vor der Vertragsunterzeichnung mit seiner Krankenkasse in Verbindung setzen und das Für und Wider abwägen. Wenn er sich dann für die private Krankenversicherung in vollem Bewusstsein der Risiken entscheidet, ist es o.k. Sich zu informieren ist vorrangige Pflicht – nicht nur bei der Frage welchem System der Krankenversicherung will ich angehören.

Einige Betroffene hätten nur wenige Wochen länger arbeiten müssen, um in die wesentlich preiswertere KVDR zu kommen. Sowie der Antrag auf Rente gestellt ist, ist das aber angeblich zu spät...

Auch hier gilt, sich vorher zu informieren, wenn man weiß, dass es Zeiten außerhalb der GKV gegeben hat. Verbindlich entscheiden kann nur die jeweilige Krankenkasse. Solange der Rentenbescheid noch nicht rechtskräftig ist, kann der Versicherte zu jeder Zeit den Antrag zurückziehen und zu einem späteren Zeitpunkt erneut stellen, wenn dann die 9/10-Regelung erfüllt ist. Das bedeutet aber unter Umständen einen Verzicht auf mögliche Rentenleistungen. Hilfreich hierbei ist die Beratung durch einen Rentenberater. Auch bei einem Wechsel von einer Erwerbsminderungsrente in eine Altersrente, oder bei der Beantragung einer Hinterbliebenenrente ist die Vorversicherungszeit erneut zu prüfen, mit einem unter Umständen anderen Ergebnis.

Welche Personengruppen müssen besonders achtsam sein?

Alle die, die die Option haben, einen Systemwechsel vornehmen zu können. Dazu gehört der Beamte, die nicht erwerbstätige Beamtenehefrau, der Selbstständige und auch der gut verdienende Angestellte mit einem Einkommen über der Versicherungspflichtgrenze.


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