Katzenhaare, Hausstaubmilben oder Pollen Wenn die Luft wegbleibt: Asthma in den Griff kriegen

Von dpa

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Bei Asthma reagieren die Atemwege überempfindlich auf bestimmte Reize. Nicht die Lunge ist erkrankt, sondern die Bronchien. Foto: imago/imagebroker/begsteigerBei Asthma reagieren die Atemwege überempfindlich auf bestimmte Reize. Nicht die Lunge ist erkrankt, sondern die Bronchien. Foto: imago/imagebroker/begsteiger

Rostock. Pollen, Hausstaubmilben oder auch ein schweres Parfüm können bei Asthmatikern zu Luftnot führen. Deshalb sollten sie immer ihr Notfall-Spray griffbereit haben. Zusätzlich können Atemtechniken und bestimmte Körperhaltungen helfen, akute Beschwerden zu lindern.

Es passiert ganz plötzlich: Die Betroffenen bekommen schlecht Luft, fühlen eine Enge in der Brust oder müssen heftig husten. Katzenhaare, Hausstaubmilben oder Pollen können dafür verantwortlich sein. Manchmal ist die Ursache auch kalte Luft, ein Wetterumschwung, eine stressige Situation oder der Duft eines schweren Parfüms. „Jeder Asthmatiker hat bestimmte sogenannte Trigger-Faktoren, die Atemnot auslösen können“, erklärt der Pneumologe Prof. Marek Lommatzsch von der Universität Rostock. (Weiterlesen: Wie sich Pollenallergiker jetzt schützen können)

Nicht die Lunge ist krank, sondern die Bronchien

Bei Asthma reagieren die Atemwege überempfindlich auf bestimmte Reize. Nicht die Lunge ist erkrankt, sondern die Bronchien, also das Röhrensystem, in dem die Luft von der Luftröhre in die Lunge und wieder heraus transportiert wird. Diese Atemwege sind bei Asthmatikern chronisch entzündet und dadurch verengt. „Entzündung bedeutet dabei nicht Ansteckung“, erklärt Prof. Berthold Jany, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). „In den meisten Fällen wird die Entzündung durch eine Allergie ausgelöst, es gibt aber auch Asthma-Patienten, bei denen Allergene keine Rolle spielen.“ (Weiterlesen: Rohmilch schützt Kinder vor Asthma)

Massive Atemnot bis zum schweren Anfall

Die Betroffenen können über einen langen Zeitraum völlig beschwerdefrei sein. „Sie haben eine ganz normale Lungenfunktion, bis sie mit einem Allergen oder Trigger in Berührung kommen“, erklärt die Pneumologin Prof. Andrea Koch vom Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum. Dann ziehen sich die Atemwege zusammen, die Patienten bekommen massiv Atemnot, die bis hin zu einem schweren Anfall reichen kann. „Wenn Betroffenen das Allergie-Feld wieder verlassen oder bei einem Anfall Medikamente nehmen, gehen die Beschwerden meistens auch wieder weg“, sagt Koch. „Diese Reversibilität ist charakteristisch für Asthma.“ Patienten können daher selbst sehr viel tun, um die Krankheit in den Griff zu bekommen. (Weiterlesen: Rauchen während der Schwangerschaft verändert Erbgut des Kindes)

Auslöser vermeiden

Um Anfällen vorzubeugen, empfehlen die Experten vor allem, die Auslöser zu vermeiden. Das ist leichter gesagt als getan. „Manche Patienten mit Katzenhaarallergie sagen, sie möchten lieber an Asthma leiden als sich von ihrer geliebten Katze zu trennen“, berichtet Lommatzsch. Auch dem Pollenflug kann man nicht hundertprozentig ausweichen. Asthma lässt sich dennoch gut kontrollieren. Als Standardtherapie inhalieren die Patienten ein- oder zweimal täglich ein Kortisonspray, das die Entzündung eindämmt und die Bronchien weit macht.

Kortison in niedriger Dosierung

Wenn sie das Stichwort Kortison hören, sind viele Menschen besorgt. Sie fürchten sich vor starken Nebenwirkungen. Diese Angst sei hinsichtlich der Sprays aber weitgehend unbegründet, erklärt Jany. Die Dosis beim Inhalieren macht nur ein Bruchteil dessen aus, was bei einer Tabletteneinnahme in den Körper gelangt. Auch Lommatzsch beruhigt: „In niedrigen Dosen hat das Spray so gut wie keine Nebenwirkungen. Bei hohen Dosen können geringe Nebenwirkungen auftreten, die aber überschaubar sind.“ Für die Gesundheit schädlicher ist es, die Inhalationssprays aus Angst vor Nebenwirkungen nicht oder nur unregelmäßig zu nutzen.

Asthmapatienten sollten geschult werden, wie man richtig mit den Inhalationsgeräten umgeht. „Das sieht zwar alles ganz banal aus, aber ganz viele Menschen machen Fehler in der Anwendung“, erklärt Jany. In einer Asthma-Schulung lernen die Betroffenen auch, wie man sich bei einem Anfall richtig verhält. Am besten fragt man seinen Arzt nach einer passenden Schulung in der Nähe.

Technik der sogenannten Lippenbremse

Die erste Regel für den Notfall lautet: „Mit einem Notfallspray inhalieren, damit die verengten Atemwege wieder weit werden und man wieder Luft bekommt“, erklärt Lommatzsch. Häufig kann dafür derselbe Inhalator verwendet werden wie bei der täglichen Dauertherapie. Um sich zusätzlich Erleichterung zu verschaffen, wird empfohlen, anschließend mit der Technik der sogenannten Lippenbremse auszuatmen: Man schließt die Lippen locker und atmet gegen Widerstand aus. Dadurch verlängert man die Ausatemphase und bekommt so mehr Luft aus der Lunge heraus. Die Überblähung der Lunge vermindert sich. Danach kann man wieder besser einatmen.

Es hilft außerdem, sich mit den Oberarmen abzustützen: in „Torwartstellung“ auf den Oberschenkeln oder mit einem Arm seitlich gegen eine Wand, wobei man die andere Hand auf die Hüfte legt, oder mit beiden Händen auf einem Geländer. Marek Lommatzsch warnt allerdings: „Wenn es zehn Minuten nach der Inhalation mit dem Notfallspray nicht besser geworden ist, muss ein Arzt kontaktiert werden, der dann weitere Medikamente verabreicht.“ Wird ein schwerer Asthmaanfall nicht oder nur unzureichend behandelt, kann das im schlimmsten Fall tödlich enden.

Bevorstehenden Anfall rechtzeitig erkennen

Betroffene können auch noch mehr tun: „Manche Patienten profitieren davon, den Atemstoß mit einem kleinen Gerät regelmäßig zu messen, um so einen bevorstehenden Anfall rechtzeitig zu erkennen“, erklärt Jany. Der Pneumologe empfiehlt Asthmatikern außerdem, sich gegen Grippe und Pneumokokken impfen zu lassen.


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