Diskussion auf Twitter #mypillstory: Frauen berichten über Nebenwirkungen der Pille

Von Eva Voß

Unter dem Hashtag #mypillstory tauschen Frauen ihre schlechten Erfahrungen mit der Pille via Twitter aus. Foto: dpaUnter dem Hashtag #mypillstory tauschen Frauen ihre schlechten Erfahrungen mit der Pille via Twitter aus. Foto: dpa

Osnabrück. Millionen Frauen in Deutschland nehmen die Pille. Viele sind zufrieden damit, doch andere berichten auf Twitter unter dem Hashtag #mypillstory von schlimmen Nebenwirkungen.

Die wohl am häufigsten in Deutschland verwendete Verhütungsmethode ist die Anti-Baby-Pille. Als sie 1961 in Deutschland auf den Markt kam, wurde sie schnell zum Meilenstein der weiblichen Emanzipation. Endlich konnten Frauen selbst bestimmen, ob und wann sie eine Familie gründen wollten. Zwar hatte die Pille auch damals schon Nebenwirkungen, etwa Kopfschmerzen, Übelkeit und Gewichtszunahme, aber die Euphorie über die neu gewonnene Freiheit überwog lange Zeit. Und der Erfolg der Pille ist weiter ungebrochen: Nach Angaben von Pro Familia nehmen mehr als 70 Prozent der deutschen Frauen zwischen 20 und 29 Jahren die Pille. Bei Frauen über 30 sind es noch 40 Prozent.

Kritik an der Pille wird lauter

Doch in den vergangenen Monaten ist das Verhütungsmittel immer wieder in die Kritik geraten. Denn: Moderne Pille der dritten und vierten Generation bergen ein deutlich höheres Risiko für eine Thrombose (Blutgerinsel) , als es bei älteren Pillen der zweiten Generation der Fall ist. Trotzdem werden die neuen Präparate häufiger verschrieben. In Deutschland hat eine Frau bereits den Pharmakonzern Bayer wegen der Nebenwirkungen des Arzneimittels verklagt . Unter dem Hashtag #mypillstory tauschen sich im Kurznachrichtendienst Twitter zurzeit Frauen über schlimme Auswirkungen der Einnahme aus. Einige berichten über Selbstmordgedanken, Krankenhausaufenthalte wegen Leberversagens und Fieberkrämpfen. Thrombosen und andere schwere Nebenwirkungen sind aber trotzdem vergleichsweise selten. Die meisten Frauen, die die Pille nehmen, klagen aber höchstens über Kopfschmerzen und Übelkeit.

Pille ist ein Medikament

Ins Leben gerufen haben den Hashtag #mypillstory die beiden Journalistinnen Holly Brockwell und Kate Bevan. Sie wollen darauf aufmerksam machen, dass die Pille zwar für viele Frauen ein geeignetes Verhütungsmittel ist, aber eben nicht für alle. Es handele sich um ein Medikament, das auch Nebenwirkungen haben könne, schreiben die beiden bei Twitter. Viele Hersteller dagegen bewerben die Pille als Lifestyle-Produkt. Es soll zu schönerer Haut, festeren Nägeln und vollen Haaren verhelfen – über die Risiken, die mit der Einnahme verbunden sein können, klären sie oft zu wenig auf. (Weiterlesen: Neue Generation der Pille hat höheres Thrombose-Risiko)