ICE ist für Räder tabu Reisen mit dem Rad: So nutzt man die Bahn am besten

Von Christian Schreiber

Viele Radreisen beginnen mit einer Bahnfahrt. Doch nicht in jedem Zug dürfen Fahrräder mitgenommen werden. Foto: dpa/Friso GentschViele Radreisen beginnen mit einer Bahnfahrt. Doch nicht in jedem Zug dürfen Fahrräder mitgenommen werden. Foto: dpa/Friso Gentsch

Osnabrück. Der Frühling weckt auch wieder den Radfahrer in uns. Vielleicht ist der ein oder andere sogar so motiviert, dass er eine Radreise plant, sich dabei aber fragt: Wie komme ich zum Ausgangspunkt der Tour, wenn der in einem anderen (Bundes-)Land liegt.

Die Bahn ist sicher eine gute Möglichkeit und wer sich ein bisschen Zeit für die Planung nimmt und ein paar Tipps beherzigt, kommt mit dem Rad auch im Zug relativ unkompliziert ans Ziel. Selbst, wenn es ins Ausland geht.

Deutschland: Die Deutsche Bahn (DB) muss immer wieder Kritik einstecken, weil sie im ICE keine Fahrräder mitnimmt. Die Kosten für die Umrüstung der Waggons wären zu hoch, verteidigt ein Bahn-Sprecher. Außerdem entstünden längere Wartezeiten an den Bahnhöfen durch das Ein- und Ausladen, und die Räder würden zu viel Platz wegnehmen. Für Intercity und Eurocity gilt: Mindestens einen Tag vor Fahrt Fahrradkarte und Stellplatzreservierung (online) für 9 Euro buchen. Hier weiterlesen: Fahrrad ist nicht gleich Fahrrad

Fahrrad-Abteil suchen

Am Bahnsteig sollte man sich per Wagenstandsanzeiger orientieren, wo das Fahrrad-Abteil ist. Allerdings muss man mit Fahrrad mit häufigem Umsteigen und längeren Reisezeiten rechnen, im schlimmsten Fall sogar auf den Regionalverkehr ausweichen. „Dann wird es kompliziert“, gibt sogar der Bahn-Sprecher zu. Zwar existiert eine deutschlandweite gültige Fahrrad-Tageskarte für den Regionalverkehr, die fünf Euro kostet. Aber einzelne Bundesländer haben günstigere Tarife und Sonderregelungen. In Thüringen und Sachsen-Anhalt fährt das Rad im Nahverkehr generell umsonst mit, im Saarland und in Rheinland-Pfalz zumindest ab 9 Uhr. In den meisten Bundesländern gibt es Strecken, auf denen das Rad gratis mitfährt.

Keine Fahrrad-Mitnahme

Auf der anderen Seite gibt es wiederum in ganz Deutschland Abschnitte, wo keine Fahrrad-Mitnahme möglich ist. Reisende informieren sich am besten im Internet über die unterschiedlichen Bedingungen. Wer sein Rad im Zug mit ins Ausland nehmen will benötigt eine „Internationale Fahrradkarte“, für die die DB 10 Euro inklusive Stellplatzreservierung verlangt. Mehr Infos unter www.bahn.de

Österreich: Immer mehr österreichische Bundesländer setzen auf Radtourismus. Was mit dem Donauradweg seinen Anfang nahm, setzt sich in Tirol (Mountainbike) oder der Steiermark (Genussradeln) fort. Demontierte und verpackte Fahrräder transportieren die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) gratis im Gepäckwagen. Darüber hinaus kommen ÖBB-Züge auf bis zu 30 Fahrradplätze.

Vorbildlich

Und Deutsche Bahn, nun aufgepasst: Die Österreicher rüsten ihre Railjets, die Pendants zu den ICEs, aktuell mit Fahrradabteilen aus. Jeder Schnellzug soll in naher Zukunft mindestens fünf Plätze für Zweiräder haben, die sich generell im ersten 2.-Klasse-Abteil nach der Lok befinden und einen Sitzplatz in der Nähe garantieren. Für Fahrten in Österreich benötig der Reisende im Nah- und Fernverkehr generell ein Radticket, das zehn Prozent zusätzlich zum Vollpreisticket der Fahrt (2. Klasse) kostet, mindestens aber zwei Euro. Bei Reisen ins Ausland ist eine Reservierung für das Rad nötig (3 Euro online/3,50 Euro am Schalter) und darüber hinaus das „Biking International Ticket“ für zwölf Euro. Infos unter www.oebb.at

Schweiz: Die Schweiz ist bei ausländischen Touristen hoch geschätzt, was den Service in Sachen Velo, wie es dort so schön heißt, betrifft. Und das zu recht: Die Beschilderung der Radwege ist einheitlich und flächendeckend und der Radtransport mit den öffentlichen Verkehrsmitteln so problemlos wie in keinem anderen europäischen Land. Laut Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) besteht in 95 Prozent der Züge die Möglichkeit Räder mitzunehmen. Einschränkungen sind im Online-Fahrplan und auf der Faltkarte „Velo und Zug“ verzeichnet.

Gute Orientierung

Am Bahnsteig weiß der Reisende sofort, wo er hin muss, weil die Fahrradplätze auf dem Zuginformationsplan vermerkt sind. Eine Tageskarte kostet 18 Franken, also rund 16 Euro. „Zusammengeklappt und in einer geeigneten Tragetasche verpackt können Sie Ihr Rad sogar kostenlos als Handgepäck mitnehmen“, werben die SBB. Von 21. März bis 31. Oktober besteht Reservierung-Pflicht in InterCity-Neigezügen (5 Franken). Es gibt zwei interessante Alternativ-Angebote für Radreisende: der „1-Jahres-Velo-Pass“ für 220 Franken (200 Euro) oder eine Multitageskarte, die an sechs frei wählbaren Tagen gilt und 72 Franken (65 Euro) kostet. Wer mit dem Zug nach Italien, Österreich oder Deutschland reist, benötigt eine Internationale Fahrradfahrkarte und eine Reservierung für zusammen 20 Franken (18 Euro). Infos unter www.sbb.ch


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