Mit dem Frühling beginnt die Bausaison Brutsaison: Welcher Vogel baut das schönste Nest?

Von Christian Satorius

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Osnabrück. Die Brutsaison ist da, und die Vogelwelt beginnt mit dem Nestbau. Aber wer baut das schönste Nest, das größte oder das seltsamste?

Das größte Nest: Reiher bauen richtig große Nester von bis
zu einem Meter Durchmesser. Störche können es aber sogar noch besser. Das Nest eines Weißstorchs (Ciconia ciconia) kann durchaus doppelt so groß sein und ein Gewicht von atemberaubenden zwei Tonnen aufweisen. Auch Adlerhorste sind nicht gerade klein.

1963 fanden Ornithologen in Florida das Nest eines Weißkopfseeadlers (Haliaeetus leucocephalus), das fast drei Meter breit war und atemberaubende sechs Meter tief. Die Wissenschaftler schätzten das Gewicht auf nahezu drei Tonnen. Damit ging der Adlerhorst sogar in das Guinnessbuch der Rekorde ein.

Die Vogelkundler gehen allerdings davon aus, dass dieses riesige Nest nicht in einer einzigen Brutsaison entstanden ist, sondern im Laufe der Jahre nach und nach erweitert wurde.

Das kleinste Nest: Der kleinste lebende Vogel ist die sehr seltene Bienenelfe (Mellisuga helenae), eine Kolibri-Art, die nur auf einigen Inseln Kubas vorkommt. Die Tiere sind gerade einmal fünf Zentimeter groß und wiegen maximal zwei Gramm. Die Nester dieser winzigen Vögelchen sind nur so groß wie eine Nussschale. Das genügt aber vollkommen, denn die Bienenelfen legen auch die kleinsten Eier aller Vögel hinein. Mit sechs Millimetern sind die so klein wie eine Erbse.

Das seltsamste Baumaterial: Manche Vögel verbauen einfach alles, was sie gerade finden können. Heutzutage ist das leider auch immer öfter Müll und Plastik.

1909 sorgte das Nest eines Weißstorchs (Ciconia ciconia) für Schlagzeilen, das vom Turm des Doms von Colmar in Frankreich entfernt werden musste, da der Turm unter der Last des Nestes begann, Schlagseite zu bekommen. Dabei stellte sich heraus, dass in dem Nest unter anderem drei Schuhe, fünf Mützen, siebzehn Damenstrümpfe, der Ärmel einer Seidenbluse und mehrere Uniformknöpfe eines Bahnschaffners verarbeitet worden waren. Das Nest wog übrigens weit über eine halbe Tonne.

Die meisten Nester: Viele Vögel begnügen sich ja mit nur einem einzigen Nest. Zaunkönige nicht. Bei ihnen dürfen es ruhig schon einmal zehn bis fünfzehn Stück an der Zahl sein.

Die meisten Nester überhaupt baut der Langschnabel-Sumpfzaunkönig (Cistothorus palustris) mit bis zu 25 Nestern. Das Weibchen legt nun allerdings nicht in jedes davon seine Eier ab, sondern sucht sich vielmehr das schönste aller Nester aus.

Das teuerste Nest: Die Nester der Weißnestsalanganen (Aerodramus fuciphagus) aus Südostasien sind essbar. Hierzulande kennen wir sie als Bestandteil der „Schwalbennestersuppe“, die in einigen Restaurants angeboten wird.

Die Nester bestehen komplett aus dem Speichel der Vögel, deren Speicheldrüsen zur Brutzeit extrem vergrößert sind und auf Hochtouren arbeiten. Da die Vögel vor allem in unzugänglichen Höhlen brüten, ist es nicht ganz einfach, an ihre Nester zu gelangen, und dementsprechend teuer sind sie auch. Das Absammeln der Nester für den menschlichen Verzehr hat in einigen Gebieten allerdings schon zu einer rapiden Bestandsabnahme geführt.

Das schönste Nest: Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters. Der Aufwand, den die Laubenvögel Australiens und Neuguineas beim Nestbau treiben, ist allerdings mehr als nur bemerkenswert. Das wohl schönste Nest baut der Hüttengärtner (Amblyornis inornata), der dabei seinem Namen alle Ehre macht. Das etwa 25 Zentimeter große Männchen errichtet eine richtige Hütte, die optisch ein bisschen an ein Zelt erinnert und bis zu zwei Meter hoch sein kann. Der Boden der Hütte sowie der Zuweg werden mit Moos ausgelegt.

Zur Dekoration sammelt der kleine Hüttengärtner verschiedenste Materialien zusammen und drapiert diese farblich sortiert auf dem Vorplatz und im Eingangsbereich der Hütte. Das können farbige Früchte sein, bunte Blüten, Deckflügel von Käfern oder auch Pilze. Das Ganze ist derart aufwendig in der Gestaltung, dass männliche Tiere mehrere Jahre üben müssen, um ein zufriedenstellendes Exemplar zustande zu bringen. Das kleine Märchenschloss dient übrigens nur dazu, das Weibchen anzulocken und mit seiner Baukunst von der Fitness des Männchens zu überzeugen. Gebrütet wird dann in einem unscheinbaren Napfnest in unmittelbarer Umgebung.

Die längste Nisthöhle: Mit einem einfachen Nest geben sich nicht alle Vögel zufrieden. Unser heimischer Eisvogel (Alcedo atthis) gräbt sich mit seinem Schnabel eine regelrechte Bruthöhle in eine Steilwand aus Sand oder Lehm hinein.

Je nach Untergrund können dabei Nisthöhlen von einem ganzen Meter Länge entstehen. Noch besser kann es der Nashornalk (Cerorhinca monocerata) im Nordpazifik. Er buddelt seine Niströhren mit Schnabel und Krallen bis zu sechs Meter weit in die Erde hinein.


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