Plusminus warnt Krebserzeugendes PCB in Schulen und Universitäten

PCBs (polychlorierte Biphenyle) sind oft auch Fugendichtungsmassen beigemischt. Foto:Imago/Christine RothPCBs (polychlorierte Biphenyle) sind oft auch Fugendichtungsmassen beigemischt. Foto:Imago/Christine Roth

Osnabrück. Viele Schüler und Studenten atmen in Deutschland täglich mehr krebserzeugendes PCB ein, als es die Weltgesundheitsorganisation für tolerabel hält. Das ist das Ergebnis von Recherchen des Wirtschaftsmagazins Plusminus im Ersten.

Verwendet wurden PCBs (polychlorierte Biphenyle) in Deutschland bis zu ihrem Verbot im Jahr 1978 vor allem beim Bau öffentlicher Gebäude wie Schulen und Universitäten. Auch nach Jahrzehnten gasten sie aber aus belasteter Fugenmasse und Farben aus, kritisieren die Autoren des Magazinbeitrags.

Beimischung

PCBs, polychlorierte Biphenyle, wurden von der Internationalen Agentur für Krebsforschung gemeinsam mit Asbest als krebserzeugende Substanzen in die höchste Gefahrengruppe eingeordnet. Seit 1978 ist die Beimischung in Baustoffen verboten. Bei Recherchen von „Plusminus“ zeigte sich aber, dass sogar nach einer PCB-Sanierung Raumluft weiterhin teilweise hoch mit PCB belastet sei, obwohl diese Räume offiziell „frei gemessen“ würden.

Überholte Richtlinie

.In dem Magazin, das am Mittwochabend um 21.45 Uhr ausgestrahlt wird, wird auch auf eine Analyse des Bundesumweltamtes hingewiesen. Die Experten kritisieren, dass die Belastung der Raumluft mit PCB nach einer wissenschaftlich längst überholten PCB-Richtlinie bewertet werde.Sie orientiere sich an veralteten toxikologischen Erkenntnissen aus dem Jahr 1994, heißt es in einer Pressemitteilung des Senders. Die Weltgesundheitsorganisation habe die die täglich tolerable Aufnahmemenge von PCB aber schon im Jahr 2003 um den Faktor 50 gesenkt. Das habe sich aber bis heute nicht auf die in Deutschland nach wie vor gültige PCB-Richtlinie ausgewirkt.

Um den Faktor 50 zu viel

Das Fazit der Autoren des Beitrags lautet deshalb: Nach aktueller Gesetzeslage sind Arbeiter mit Schadstoffkontakt besser vor der Aufnahme hoher PCB-Konzentrationen geschützt als Nutzer öffentlicher Gebäude. Schülern, Studenten, Lehrern und Professoren wird zugemutet, in Räumen zu arbeiten, die nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation um den Faktor 50 zu viel PCB enthalten.

Eine Anfrage von „Plusminus“ zur veralteten PCB-Richtlinie wurde diesen Monat den Angaben nach auf der Bundesbauministerkonferenz behandelt. Doch habe die Fachkommission Bautechnik der Konferenz keine der gestellten Fragen beantworten können, heißt es in der Pressemitteilung.Es sei lediglich eine Überprüfung der Richtlinie zugesagt worden.

Sendung: „Plusminus“ im Ersten: Mittwoch, 23. März, 21.45 Uhr.

Was ist PCB?

PCB gehören zu den persistenten organischen Schadstoffen (POPs): Sie sind schlecht abbaubar und reichern sich in der Nahrungskette an. PCB wurden zur Isolation in Kondensatoren und Transformatoren, in Hydrauliköl, aber auch in offenen Anwendungen wie Lacken, Harzen, Kunststoffen, Druckerfarben, Klebstoffen und in dauerelastischen Fugendichtungsmassen verwendet.

Ihnen wird eine krebserzeugende Wirkung nachgesagt. Mögliche andere gesundheitliche Störungen durch PCB:

Müdigkeit, allgemeines Krankheitsgefühl (z. B. Kopfschmerzen, Leibschmerzen, Taubheit und Schmerzen in den Armen), Veränderungen des Menstruationszyklus, Bronchitis, Ödeme der Augenlieder. Außerdem wurden geringere Geburtsgewichte und Wachstumsverzögerungen bei Kleinkindern festgestellt.


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