EU-Abstimmung über Zulassung Gegen Glyphosat: Mehr als 100 000 Unterschriften unter Online Petition

Ein Landwirt versprüht auf einem Feld ein Pestizid. Über eine weitere Zulassung von Glyphosat wird jetzt in Brüssel entschieden. Foto: Patrick Pleul/dpaEin Landwirt versprüht auf einem Feld ein Pestizid. Über eine weitere Zulassung von Glyphosat wird jetzt in Brüssel entschieden. Foto: Patrick Pleul/dpa

Osnabrück. Vor der Entscheidung der EU über eine weitere Zulassung von Glyphosat protestieren mehr als 100.000 Verbraucherinnen und Verbraucher in einer Online-Petition der Verbraucherorganisation foodwatch gegen das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel. Der Grünen-Politiker Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher seiner Fraktion im Europaparlament, forderte eine Verschiebung der Abstimmung.

Schweden, Frankreich und Italien nähmen inzwischen eine kritische Haltung zur Zulassung ein, erklärte Häusling am Montag in Straßburg. „Ich fordere daher eine Vertagung der Abstimmung, bis alle relevanten Bewertungen auf dem Tisch liegen.“ Eine Zulassung zum jetzigen Zeitpunkt, zu dem noch nicht alle Bewertungen auf dem Tisch lägen, „und dann noch ohne Auflagen und für 15 weitere Jahre“, käme einer „Dienstleistung für die Agrar- und Chemieindustrie gleich“. Die Abstimmung soll nach Angaben von EU-Diplomaten am Dienstagvormittag erfolgen.

Eil-Appell

Im Vorfeld der Abstimmung haben innerhalb weniger Tage 109.673 Menschen aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden einen Eil-Appell unter www.glyphosat-aktion.foodwatch.de an EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis unterzeichnet und gefordert, das im europäischen Lebensmittelrecht verankerte Vorsorgeprinzip anzuwenden.

„Die gesundheitlichen Risiken von Glyphosat sind unter Wissenschaftlern umstritten. Das bedeutet: Für eine Neuzulassung von Glyphosat fehlt die Grundlage. Das europäische Vorsorgeprinzip muss konsequent angewendet werden - Glyphosat darf nicht weiter zugelassen werden, solange der Streit unter Wissenschaftlern andauert“, forderte foodwatch-Pressesprecher Andreas Winkler in einer Pressemitteilung der Verbraucherschutzorganisation.

Zulassung läuft aus

Glyphosat ist das weltweit am häufigsten genutzte Unkrautvernichtungsmittel. In Europa läuft die derzeit geltende Zulassung Mitte 2016 aus. Die Europäische Kommission muss über eine Neuzulassung des Wirkstoffs als Pflanzenschutzmittel entscheiden. Im März 2015 stufte die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Stoff als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ ein. Anders als die WHO-Krebsforscher bewertete die europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) Glyphosat in ihrer im November 2015 veröffentlichten Analyse als „wahrscheinlich nicht krebserregend“. (mit AFP)


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