Radikal oder vorsichtig? Endlich Platz: Beim Frühjahrsputz Ausmisten


Osnabrück. Der Frühling steht vor der Tür. Das ist genau der richtige Zeitpunkt um den überfüllten Haushalt bei einem Frühjahrsputz nicht nur zu säubern, sondern auch richtig auszumisten.

Hand aufs Herz: Steht Ihr Christbaumständer an seinem Platz? Und wissen Sie, was ganz hinten links in Ihrem Wohnzimmerschrank steht? Wenn Sie diese Fragen mit „Nein“ beantworten und gerade überlegen, ob der Christbaumständer immer noch auf der Terrasse steht, geht es Ihnen wie vielen anderen Menschen auch. Ausmisten und Ordnung zu halten fällt nämlich vielen schwer. Das lässt sich zum Beispiel daran erkennen, dass Ratgeber zum Thema Aufräumen gut verkauft werden. Das Buch „Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert“ des japanischen Aufräum-Coaches Marie Kondo hat zum Beispiel im vergangenen Frühjahr die Bestseller-Liste der renommierten „New York Times“ angeführt. Auf Deutsch ist das Buch bereits vor drei Jahren erschienen.

Haushalt um zwei Drittel reduzieren

Die Thesen der 31-jährigen Japanerin sind dabei ziemlich radikal: Wer die „Magic Cleaning“-Mathode anwenden will, darf nur behalten, was ihn glücklich macht. Kleidung etwa, die zu klein ist und vielleicht „irgendwann“ wieder passt, muss genauso aussortiert werden wie Bücher, die noch in Plastikfolie gehüllt sind. „Irgendwann kommt nie“, ist Autorin Marie Kondo überzeugt. Kleidung die nicht passt und Bücher die noch gelesen werden müssen, würden uns nur ein schlechtes Gewissen machen – deshalb gehören sie nicht mehr in die Wohnung. (Weiterlesen: Umweltschonender Frühjahrsputz)

So geht es

Bei der „Magic Cleaning“-Methode werden alle Sachen eines Raums aus den Schränken geholt und mitten in den Raum geworfen. Das soll anschaulich machen, wie viele Dinge wir besitzen. Anschließend wird jedes Teil einzeln beurteilt, ob es bleiben darf oder aussortiert wird. Der spärliche Rest, der die Beurteilung überstanden hat, wird wieder ordentlich einsortiert. Pullover und Shirts werden aber nicht etwa gestapelt, sondern aufgerollt und stehend eingeräumt. Das sorgt laut Marie Kondo für einen besseren Überblick. Die Japanerin gesteht aber zu, dass die aussortierten Besitztümer verkauft oder auch verschenkt werden dürfen. Wer nur noch behält, was ihn glücklich macht, kann nach Marie Kondos Erfahrung den eigenen Haushalt zu etwa zwei Dritteln entsorgen. In den USA, wo ihr Buch ein Bestseller ist, wird das Wort „Kondo“ mittlerweile gleichbedeutend mit „ausmisten“ verwendet. Menschen, die ihre Methode anwenden, verspricht Marie Kondo, selbstbewusster, zufriedener und ausgeglichener zu werden.

Langsam anfangen für Ordnung zu sorgen

Wer mit dem Aufräumen lieber etwas vorsichtiger anfangen möchte, dem helfen vielleicht die Tipps von Aufräum-Coach Rita Schilke . Sie empfiehlt ihren Kunden, sich alle drei Monate einen Termin zum Aufräumen vorzunehmen und diesen auch in den Terminkalender mit Datum und Uhrzeit fest einzutragen, wie einen Termin beim Zahnarzt oder Friseur. „Und mehr als drei Stunden sollte man sich auf einmal auch nicht vornehmen. Die Regelmäßigkeit des Aufräumens hilft natürlich dabei, dass erst gar keine große Unordnung entsteht“, sagt die Berlinerin. Statt radikal auszumisten und die ganze Wohnung auf den Kopf zu stellen, plädiert sie dafür, sich realistische Ziele zu stecken und zunächst nur eine Schublade oder einen Schrank aufzuräumen. (Weiterlesen: Acht einfache Tipps zum richtigen Aufräumen)

Günstige Angebote

Doch woher kommt der ganze Krempel überhaupt? „Günstige Angebote verleiten uns oft dazu, Dinge zu kaufen, die wir gar nicht wirklich benötigen. Wir denken dann etwa, dass wir die Sachen vielleicht noch verschenken, tun dies dann aber nie“, sagt Rita Schilke. Viele Menschen würden auch die so günstig erworbenen Dinge einfach vergessen, etwa die Fahrradhose aus dem Sonderangebot, weil sie keine Ordnung halten und die Dinge nicht mehr sehen würden. Auf diese Weise werde alles immer mehr. Rita Schilke empfiehlt, immer dann einen Profi zurate zu ziehen, wenn man den Überblick verloren hat und nicht mehr weiß, wo man eigentlich anfangen soll. Viele würden zwar aufräumen wollen, ihnen fehle aber oft die Konsequenz und das Durchhaltevermögen – hier könne ein Profi unterstützen. (Expertin: Expertin: „Messies sind nicht unordentlich“)


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