Software schuld– Experte warnt Selbstfahrendes Google-Auto stößt mit Bus zusammen


Osnabrück. Ein selbstfahrendes Google-Auto ist in den USA mit einem Bus zusammengestoßen. Erstmals gibt der Konzern seiner Software die Schuld an einem Unfall. Der Vorfall kommt für Google zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, meint der Leiter des Niedersächsischen Datenschutzzentrums (NDZ) Volker Lüdemann.

Mitte Februar sind in der kalifornischen Stadt Mountain View bei San Francisco ein Google-Auto und ein Linienbus zusammengestoßen. In dem jetzt veröffentlichten Untersuchungsbericht nimmt Google die Schuld auf sich. „In diesem Fall tragen wir eindeutig eine gewisse Verantwortung, denn es hätte keinen Zusammenstoß gegeben, wenn sich unser Auto nicht bewegt hätte“, sagte Google dem TV-Sender CNBC.

Spurwechsel

Laut Unfallbericht wollte der Roboterwagen die Spur wechseln, um ein Hindernis zu umfahren. Das Google-Auto ließ dabei zunächst mehrere Fahrzeuge durch und fuhr dann los, während sich ein Bus näherte. Bei dem Zusammenstoß mit geringer Geschwindigkeit gab es einen Blechschaden, niemand wurde verletzt. Die Software sei nach dem Unfall angepasst worden, teilte Google mit. Die Autos seien nun stärker darauf ausgerichtet, dass es weniger wahrscheinlich sei, dass Busse und andere große Fahrzeuge sie durchlassen würden.

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Normaler Lernprozess

Lüdemann, Professor für Wirtschafts- und Wettbewerbsrecht an der Hochschule Osnabrück, sagte im Gespräch mit unserer Redaktion, der Unfall sei weder alarmierend noch außergewöhnlich: „Er ist Teil des normalen Lernprozesses auf dem Weg zum selbstfahrenden Auto“, so der Experte. Allerdings sei der Zeitpunkt für Google äußerst ungünstig. Der Grund: Google versuche derzeit, die Behörden davon zu überzeugen, Fahrzeuge ohne Lenkrad und Pedale als Robotertaxis auf die Straßen zu lassen. Und tatsächlich habe Google bei diesen Bemühungen erst jüngst einen wichtigen Erfolg erzielt, erläutert Lüdemann. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde habe entschieden, dass Computer grundsätzlich als Fahrer gelten könnten.

Besser als der Mensch?

„Noch muss Google aber nachweisen, dass der Computer in Verkehrssituationen besser reagiert als der Mensch“, so der Experte. Nur wenn feststehe, dass das Eingreifen des Menschen im Ergebnis Schaden anrichte, sähen die Behörden Spielraum für die Zulassung von fahrerlosen Autos. Mit dem Verkehrsunfall habe Google vorläufig aber genau den Gegenbeweis erbracht. „Die Software hat in einer kritischen Situation nicht besser reagiert als der Mensch“, fasst Lüdemann das Unfallgeschehen zusammen. Auch der Google-Mitarbeiter am Steuer des umgerüsteten Wagens der Marke Lexus hatte laut Untersuchungsbericht nicht eingegriffen, weil er davon ausgegangen war, dass die Zeit ausreiche oder der Bus notfalls abbremsen würde.

Herausforderung

„Der Vorfall wirft aber auch ein Schlaglicht auf die größte technologische Herausforderung des autonomen Fahrens“, betonte der Leiter des NDZ. Während der Mensch in den Sekunden vor dem Aufprall kaum eine Chance zum bewussten Reagieren habe, könne ein Roboterauto in dieser Zeit Millionen Berechnungen durchführen und aus mehreren Handlungsoptionen wählen. Damit verletze oder töte das Roboterauto nicht im Affekt, sondern planvoll, nach einem im Voraus programmierten Entscheidungs-Algorithmus. „Bevor wir uns entspannt dem selbstfahrenden Auto überlassen, sind also noch eine ganze Reihe grundlegender Fragen zu klären“, so der Experte.

Missverständnisse

Solange das autonome Fahrzeug nicht ausschließlich mit seinesgleichen auf den Straßen unterwegs sei, ließen sich Missverständnisse und Fehleinschätzungen in der Kommunikation mit anderen Verkehrsteilnehmern nicht ausschließen, betont Lüdemann. „Die Vision Zero, den Verkehr ohne Unfälle, wird es auch mit dem selbstfahrenden Auto auf absehbare Zeit nicht geben.“


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