Keine einfachen Antworten Website anorexie-heute.de klärt über Magersucht auf

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Osnabrück. Kaum eine Krankheit wird von Laien so oft entdeckt wie die Magersucht, für ihre Diagnose und die Benennung der Motive finden sich Millionen vermeintlicher Experten. Die Journalistin Nora Burgard-Arp hatte genug von den Mutmaßungen und gründete eine Website, die vor allem eines will: seriös aufklären.

Am meisten gewundert habe sie, dass die Wissenschaft von dieser Krankheit im Wesentlichen eines weiß: wenig. Sehr wenig. „Über die Magersucht gibt es noch viel mehr Fragen als Antworten“, sagt Nora Burgard-Arp. 

Umso absurder erscheint es, wie oft und wie schnell gerade die Boulevard-Medien Magersucht diagnostizieren. Genau so eine Diagnose brachte Nora Burgard-Arp dazu, die Internetseite www.anorexie-heute.de ins Leben zu rufen.

Als Fiona Erdmann 2013 ins Dschungelcamp einzog , habe man ihrer Beobachtung nach ständig lesen können, das Model sei magersüchtig. „Ich habe mich gefragt: Warum stellen die diese Diagnose?“

Heidi Klum ist nicht an allem schuld

Der Journalistin war schon vorher aufgefallen, dass nicht nur gefühlt jeder weiblichen Prominenten irgendwann unterstellt wird, magersüchtig zu sein; oft könne man auch beobachten, wie dieselbe Frau im einen Medium wegen ihrer vermeintlichen Magersucht bedauert und im anderen wegen ihrer perfekten Bikini-Figur bejubelt würde. 

Und schließlich hatte Nora Burgard-Arp festgestellt, dass es für den behaupteten Magerwahn in Deutschland nach Meinung der Öffentlichkeit genau eine Schuldige gibt: Heidi Klum. „Germany’s Next Topmodel und Heidi Klum sind ganz sicher für nichts hilfreich, und natürlich vermittelt diese Sendung ein schlimmes Frauenbild.“ Aber, sagt die Journalistin, und für diese Erkenntnis musste sie nicht erst einen Experten zu Rate ziehen: Heidi Klum die Schuld für die geschätzt 500 000 bis 1 Million Magersüchtigen in Deutschland zu geben, ist Unsinn. 

Schon ein einziger Fall ist dazu in der Lage, diese beliebte weil so herrlich simple Behauptung zu entkräften: „Ich habe eine junge Frau kennengelernt, die sich durch die Magersucht unter anderem gezielt hässlich machen.“ Die junge Frau habe es nicht ausgehalten, ausschließlich auf ihre Schönheit reduziert zu werden - und auch die Blicke habe sie nicht ertragen.

Auch die Mutter ist nicht an allem schuld

Also hungerte sich die junge Frau auch deshalb herunter, um sich den Blicken zu entziehen. Kein ungewöhnlicher Gedanke - der Wunsch zu verschwinden ist unter Magersüchtigen nicht selten. Für die Küchenpsychologen im Land dürfte das aber eher überraschend kommen.

Dasselbe gilt für die Tatsache, dass Magersucht nie monokausal ist. Die hoch komplexe Krankheit habe immer mehrere Ursachen, sagt Nora Burgard-Arp. Sie auf einen einzigen Grund zu reduzieren, werde ihr niemals gerecht. 

Oft hätten die Betroffenen einen starken Kontrollwunsch, und in vielen Fällen liege natürlich im Elternhaus einiges im Argen. Doch auch hier verbieten sich die einfachen Erklärungen. Für ihre Recherchen hat Nora Burgard-Arp mit dem Tübinger Arzt Stephan Zipfel gesprochen, einem der renommiertesten Experten der Magersucht in Deutschland. „Und Stephan Zipfel sagt: An dieser Krankheit kann nicht immer nur die Mutter schuld sein.“

Keine sensationsheischenden Fotos abgemagerter Frauen

Auf ihrer Internet-Seite www.anorexie-heute.de gibt Nora Burgard-Arp den aktuellen Stand der Wissenschaft wieder; außerdem kommen viele Betroffene zu Wort - auch Männer, die allerdings viel seltener von Magersucht betroffen sind als Mädchen und junge Frauen.

Was auf Nora Burgard-Arps Website fehlt, sind die üblichen Bilder von bis auf die Knochen abgemagerten Frauen. Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen können solche Fotos Betroffene triggern, ihren Drang abzunehmen also noch verstärken. Zum anderen gibt es Magersüchtige, denen man ihre Krankheit nicht ansieht, weil sie eben nicht spindeldürr sind. 

Und schließlich empfindet Nora Burgard-Arp die ewig gleichen Mager-Fotos als sensationsheischend. Auf eben diesen ständigen Exhibitionismus antwortet Nora Burgard-Arp mit einer Reduzierung: Sie bat einige Betroffene, die für ihren Alltag wichtigsten Gegenstände zusammenzustellen, fotografierte sie und illustrierte damit ihre Internet-Seite.  

Einmal im Monat ergänzt Nora Burgard-Arp ihre Website mit neuem Inhalt. Eine höhere Frequenz wolle sie nicht, sagt die Journalistin. Denn der Kontakt mit den Betroffenen sei auch für sie belastend. „Bei so einem Thema immer die professionelle Distanz zu wahren, ist nicht immer möglich.“


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