Vater, Mutter, Kinder: Elternkolumne Warum Eltern keine Filme mehr gucken können

Kann in eine Art Horror ausarten: Fernsehen ohne, aber dann doch mit Kindern. Foto: Colourbox.deKann in eine Art Horror ausarten: Fernsehen ohne, aber dann doch mit Kindern. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Mit den Kindern endete der ungestörte Fernseh-Abend. Jedenfalls bei unserer Elternkolumnistin… Ein Bericht vom An- und Abschalten.

In der vergangenen Woche hat Daniel Benedict unsere Elternkolumnistin gefragt: Wann hast Du zum letzten Mal einen Film ganz gesehen? Dies ist ihre Antwort:

Lieber Daniel,

das kann ich Dir genau sagen: Vor etwa zwei Wochen „The Hateful 8“ - im Kino. Aber daheim auf dem Sofa? Keine Ahnung. Dabei planen mein Mann und ich gut vor: Kind 1 kommt pünktlich ins Bett, bekommt zwei Bücher vorgelesen und darf noch sein unerträgliches Hörspiel über eine unerträgliche Besserwisser-Maus hören. Kind 2 wird gestillt und sollte dann ins Milchkoma fallen. Wir Eltern hingegen fläzen uns aufs Sofa, starten die DVD oder das Streaming oder gar das normale TV-Programm. Auf jeden Fall wird (endlich!) etwas geguckt, dass nicht kleinkindaffin ist. (Weiterlesen: 14 perfekte Filme für Schwangere und ihre Partner)

Soweit funktioniert der Plan noch. Doch dann geht es los: Nach etwa zehn Minuten kommt Kind 1 und hat Durst. Film aus. Es steht zwar der Wasserbecher in unmittelbarer Bettnähe, aber egal. Kind 1 will auch nicht wieder alleine ins Bett, also steht einer auf und bringt es. Währenddessen haben wir schon vergessen, was gerade passiert ist. Trotzdem: Film wieder an. Fünf Minuten später beschwert sich Kind 2. Vielleicht will es Bäuerchen machen? Leider weiß es das selbst nicht so genau, also Film aus und erst einmal beruhigen. Kind 1 hört das weinende Baby und kommt „trösten“. Darüber können wir natürlich nicht böse sein. Etwa zehn Minuten später hat das Baby sich beruhigt und Kind 1 wird wieder ins Bett gebracht. Film an.

Film aus, Film an, Film aus, Film an

Wenig später wieder Getrappel auf dem Flur. Film aus. Kind 1 schaut zur Tür und sagt: „Ich hab euch so lieb und musste euch das unbedingt sagen.“ Wir haben es auch sehr lieb, natürlich, aber... Nun ja, etwas später wird es wieder ins Bett gebracht. Gott sei dank pennt Kind 2 noch. Film wieder an. Worum geht es eigentlich? Eine Verschwörung? Auch egal. Bewegte Bilder. (Achtung: Diese Filme sollten Schwangere auf gar keinen Fall sehen!)

Etwa 20 Minuten später steht Kind 1 wieder vor der Tür. Film aus. Wir schon etwas genervt. Das Hörspiel ist zu Ende. Allein kann es die CD nicht wechseln. Oder will es nicht. Wie auch immer: Einer von uns hilft ihm. Film wieder an. Kind 2 wacht auf. Meckert. Zu Recht, die Windel ist voll. Film aus, Windel wechseln. Film wieder an. Irgendetwas explodiert auf dem Bildschirm, aber warum wissen wir schon lange nicht mehr. (Ein Vater jammert: Windelwechseln braucht niemand für sein Lebensglück!)

Serien sind die Lösung

Kurz darauf steht eh Kind 1 wieder vor der Tür. Film aus. Es muss auf Toilette. Aber nicht alleine. Obwohl es das schon kann. Darauf hingewiesen, fängt es an zu weinen. Daraufhin wacht Kind 2 auf und weint solidarisch mit. Einer geht mit Kind 1 aufs Klo, der andere tröstet Kind 2. (Weiterlesen: Nehmt die Kinder mit aufs Klo!)

Irgendwann ist wieder Ruhe und: Film an. Allerdings haben wir jetzt keine Lust mehr, weiter zugucken. Also: Film aus. Endgültig.

Fazit: Lange Filme gehen nicht mehr, wenn ein Baby oder ein Kleinkind im Haus sind. Jedenfalls nicht bei uns. Doch es gibt Trost: Was in etwas funktioniert sind Serien, besonders Sitcoms, da schaffen wir manchmal sogar eine Folge am Stück. Die langen Filme sparen wir uns auf für später, wenn die Kinder aus dem Haus sind.

Deine Corinna

P.S.: Bist Du auch so gerne ohne Kinder unterwegs?

Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kenne das: Corinna Berghahn, vor Kurzem wieder Mutter geworden, hat ihrer vierjährigen Tochter schon den Adventskalender geplündert. Daniel Benedict, Vater eines Zweijährigen und eines Babys, intrigiert bei den Großeltern, damit seine Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie hier einander das Herz aus.


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