30 bis 35 Grad Hitze im Büro: Chef muss handeln

Von Wolfgang Büser

Leichtes Schuhwerk im Sommer: In manchen Büros selbstverständlich, in anderen nicht gerne gesehen. Fakt ist: Arbeitnehmer müssen bestimmte Temperaturen am Arbeitsplatz nicht hinnehmen. Foto: dpaLeichtes Schuhwerk im Sommer: In manchen Büros selbstverständlich, in anderen nicht gerne gesehen. Fakt ist: Arbeitnehmer müssen bestimmte Temperaturen am Arbeitsplatz nicht hinnehmen. Foto: dpa

Osnabrück. Wenn draußen die Sonne brennt, kann es auch am Arbeitsplatz unerträglich warm werden. Doch Arbeitnehmer müssen nicht jede Temperatur im Büro oder in den Verkaufsräumen hinnehmen.

Es soll Unternehmer geben, denen das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter so sehr am Herzen liegt, dass sie ihnen - je nach Temperatur in den Arbeitsräumen - Vergünstigungen verschiedenster Art einräumen. Das fängt bei kostenlosen Getränken an, setzt sich fort über das Aufstellen von Ventilatoren und geht bis zum „hitzefrei“ auf Firmenkosten. Diese Chefs sind natürlich eher die Ausnahme.

Fakt ist aber, dass Unternehmer sich an das Arbeitsschutzgesetz und die Arbeitsstättenverordnung halten (oder besser: halten sollten). Darin ist penibel geregelt, was zu tun ist, wenn die Temperaturen die Arbeitsfreude (und damit die Schaffenskraft) erlahmen lassen. Das sollte auch selbstverständlich sein. Ermüdungserscheinungen mit einhergehender Leistungsminderung erfreuen schließlich keinen Firmenboss. Und Konzentrationsmangel führt unweigerlich zu einer höheren Unfallgefahr.

Die Arbeitsstättenverordnung gibt ganz allgemein vor, dass für Bereiche von Arbeitsplätzen, die unter „starker Hitzeentwicklung“ stehen, die Möglichkeit bestehen sollte, die Räume „im Rahmen des betrieblich Möglichen“ auf eine erträgliche Temperatur gekühlt zu werden, etwa dadurch, dass Außenjalousien angebracht worden sind. Ergänzend dazu heißt es in den Arbeitsstättenrichtlinien, dass die Raumtemperatur in Arbeitsräumen 26 Grad Celsius nicht überschreiten „soll“ (von „Hitzearbeitsplätzen“ abgesehen). Dabei ist Raumtemperatur „die in einer Höhe von 75 Zentimetern über dem Fußboden in der Mitte des geschlossenen Raumes mit einem Thermometer gemessene Temperatur“. Das Landgericht Bielefeld gewährt allerdings Spielraum nach oben: Bei höheren Temperaturen muss die Innenraumtemperatur mindestens sechs Grad unter der Außentemperatur liegen. Bei 33 Grad Celsius Außentemperatur genügt an Arbeitsplätzen danach also eine Abkühlung auf 27 Grad Celsius. Gesichtspunkte von Energieeinsparung und Umweltschutz träten dahinter zurück. (AZ: 3 O 411/01)

Generell gilt die Arbeitsstättenregel, die ab einer Außentemperatur von 26 Grad Celsius ein Stufenmodell mit Schutzmaßnahmen vorsieht. Danach werden bei Lufttemperaturen in Arbeitsräumen in der Stufe „über 26 Grad“ verschiedene Maßnahmen empfohlen. Bei 30 bis 35 Grad Celsius muss der Arbeitgeber („zwingend“!) wirksame Schutzmaßnahmen ergreifen. Bei mehr als 35 Grad wird die Tätigkeit in einem Arbeitsraum grundsätzlich als ungeeignet angesehen (von Ausnahmen - Stichwort „Hitzearbeit“ - abgesehen). Trotz dieser Regelung gibt es keinen Rechtsanspruch auf Klimaanlage oder hitzefrei. Arbeitnehmer aber, die bei solchen Temperaturen beim besten Willen nicht mehr arbeiten können, dürfen das Recht haben, „die Weiterarbeit zu verweigern“, so ein Rechtanwalt.

Es versteht sich, dass das „Temperaturempfinden“ individuell und von einer ganzen Reihe von Faktoren abhängig ist. Es kommt auf die physikalischen Bedingungen an (etwa: Lufttemperatur, relative Luft-feuchtigkeit, Luftzusammensetzung und optische Einflüsse), ferner auf „intermediäre Bedingungen“ (etwa: Kleidung, Tätigkeitsgrad, Tageszeit, Raumbesetzung) und schließlich auf psychosoziale Faktoren (etwa: Konstitution, körperliche Verfassung, Geschlecht, Alter).

Fragt sich nur noch, was geschieht, wenn trotz „Bullenhitze“ der Arbeitgeber „kühl“ bleibt? Den Arbeitnehmern steht ein Beschwerderecht zu. Sie gehen damit allerdings nicht vor das Arbeitsgericht, sondern zur für Arbeitsschutz zuständigen örtlichen Behörde. Dort gibt es Fachleute, die mit dem Unternehmer Abhilfemaßnahmen diskutieren und konkrete Vorschläge machen. Folgt darauf nichts in Rich-tung Arbeitsschutz, dann könnte dem Arbeitgeber auch schon mal mit einem Bußgeld gedroht werden.

Andererseits: Natürlich haben Arbeitnehmer (für sie der Betriebsrat) auch das Recht, ihr Mütchen vor dem Arbeitsgericht zu kühlen. Ob das immer empfehlenswert ist, ist eine andere Frage.