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13.02.2016, 05:07 Uhr KOLUMNE

Co-Sleeping: Eine Familie, ein Bett – mehr braucht man nicht

Von Daniel Benedict

Co-Sleeping: Der Elternkolumnist im Familienbett. Illustration: Lilith BenedictCo-Sleeping: Der Elternkolumnist im Familienbett. Illustration: Lilith Benedict

Berlin. Co-Sleeping: Warum der Papst es verbieten wollte und das Finanzamt dem Familienbett misstraut. Eine Elternkolumne.

In der vergangenen Woche hat Corinna Berghahn unseren Elternkolumnisten Daniel Benedict gefragt: „Was hältst Du vom Familienbett und Co-Sleeping?“ Dies ist seine Antwort:

Liebe Corinna!

Zu meinen Grundüberzeugungen gehörte stets das Ideal getrennter Betten. Distanz tut wohl! Noch in der Familienplanung habe ich zur Bedingung gemacht, dass ich meine Wohnung behalte. Heute schlafen wir zu viert in einem Bett. Wieder bewahrheitet sich die alte Agenten-Weisheit: Die schlimmsten Extremisten werden die besten Überläufer.

Schlafen ist hoch kompliziert – historisch, kulturell und medizinisch. Noch im Kaiserreich ließen unsere Ahnen nicht nur ihre Kinder im Elternbett schlafen, sondern auch die Untermieter. (Schlafgänger!) Mittlerweile weckt das gemeinsame Schlafen den Argwohn der Bürokratie. Dass ich ein Arbeits-, aber kein Kinderzimmer habe, muss ich in der Steuererklärung mit Fotos beweisen.

Die Wissenschaft streitet über das Familienbett. Die feindlichen Lager teilen sich in Bindungspsychologen und Stillexperten auf der einen Seite und Erforscher des plötzlichen Kindstods auf der anderen. Die Angst, dass das Kind im Elternbett stirbt, ist dabei alt: Papst Stephan V. sprach sich schon im 9. Jahrhundert gegen das Co-Sleeping aus, auch wenn es damals wohl noch anders hieß. Als gesichert gilt, dass sehr dicke Gewohnheitstrinker besser allein schlafen. Bei allen anderen sind die Studien uneindeutig.

Sicherheitshalber halten wir uns trotzdem an die derzeit gültigen Empfehlungen, lassen das Baby nur im angehängten Balkonbett schlafen und platzieren einen Erwachsenen zwischen die Kinder. Die peinliche Einhaltung der Regeln überwacht unser Erstgeborener. Wenn ich mich zum Spaß mal auf die Mutter-Seite lege, gibt’s Ärger. Wobei meinem Kind die Schlafhygiene schnurz ist. Er will nur, dass alles so läuft, wie es immer läuft. (Weiterlesen: 6 Tipps gegen den plötzlichen Kindstod)

Vermutlich ist das auch der Grund, wieso er noch nicht aus unserem Bett ausgezogen ist. Eigentlich hatten wir ihm nämlich schon vor der Geburt ein eigenes gekauft und es um seinen ersten Geburtstag rum auch aufgebaut. Die Idee war, dass er bald allein darin einschläft und wir dann fernsehen. Monatelang stand das Kinderbett ungenutzt im Weg; dann hatte die Realität das Konzept besiegt. Heute haben wir ein Zwei-mal-zwei-Meter-Schlachtschiff für alle.

Die Angst vor dem nächtlichen Kindstod hängt sicher auch mit der Verbindung von Schlaf und Tod zusammen. Ein bisschen nimmt das Wach-sein-Wollen und Einschlafen-Müssen ja wirklich das Sterben vorweg. Das Gesicht meines einschlafenden Kindes hat mich manchmal so intensiv berührt, dass ich weinen musste. Das Bild wünsche ich mir als letztes vor meinen Augen. Bevor ich selbst sie dereinst für immer schließen werde.

Herzliche Grüße!

Dein Daniel

PS: Wann hast Du zum letzten Mal einen Film ganz gesehen?

Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kennen das: Corinna Berghahn, gerade wieder Mutter geworden, hat ihrer vierjährigen Tochter schon den Adventskalender geplündert. Daniel Benedict, Vater eines Zweijährigen und eines Babys, intrigiert bei den Großeltern, damit seine Söhne weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Wechsel schütten sie hier einander das Herz aus.

Dies sind ihre lustigsten Briefe:

Kind und Haustier? Kind oder Haustier? Die große Frage der Familienplanung.

Wie ich einmal zur wütenden Bärenmutter mutierte

Das geheime Wissen der Babys: Verstehen sie die Rätsel des Universums besser als wir?