Nervenkrankheit breitet sich aus Löst Zika-Virus auch Guillain-Barré-Syndrom aus?

Löst das Zika-Virus möglicherweise auch das Guillan-Barré-Syndrom aus? Eine Labormitarbeiterin kultiviert mit dem Zika-Virus infizierte Zellen. Foto: Daniel Bockwoldt/dpaLöst das Zika-Virus möglicherweise auch das Guillan-Barré-Syndrom aus? Eine Labormitarbeiterin kultiviert mit dem Zika-Virus infizierte Zellen. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Osnabrück. Lange war es nur ein Verdacht, jetzt sehen amerikanische Forscher es als bewiesen an: Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Zika-Virus und Schädelfehlbildungen bei Ungeborenen. Gleichzeitig verweisen sie auch auf den auffälligen Anstieg des Guillain-Barré-Syndroms (GBS) in betroffenen Regionen. Doch was ist das Guillain-Barré-Syndroms (GBS)?

Brasilien ist bisher mit Abstand am stärksten betroffen vom Zika-Virus, das in rund 50 Ländern aufgetaucht ist. Die Zahl der Infektionen wird allein dort auf über eine Million geschätzt. Die Zahl der bestätigten Mikrozephalie-Fälle ist nach Angaben des Gesundheitsministeriums auf 1113 gestiegen, in 189 Fällen konnte das Zika-Virus bei den Müttern nachgewiesen werden. Auch brasilianische Forscher hatten zuletzt Alarm geschlagen, dass Zika gefährlicher als vermutet sein könnte.

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So sagte der Zika-Forscher Stevens Rehen vom Instituto D’Or in Rio de Janeiro, es könne nicht nur bei Embryonen, sondern auch nach der Geburt Effekte durch Zika geben. So könne durch die Schädigung von Nervenzellen Hör- und Sehverlust eintreten. Er verweist zudem auf den auffälligen Anstieg des Guillain-Barré-Syndroms (GBS) in der Region. Doch was hat es mit dieser Nervenkrankheit auf sich? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

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Was hat das Guillain-Barré-Syndrom mit dem Zika-Virus zu tun?

Forscher vermuten, dass das Syndrom auch vom Zika-Virus hervorgerufen wird. Der Erreger wird auch für den rapiden Anstieg von Fehlbildungen des Kopfes (Mikrozephalie) bei Ungeborenen in Brasilien verantwortlich gemacht. Er wird von der Ägyptischen Tigermücke (Aedes Aegypti) übertragen, die unter anderem auch für die Verbreitung von Dengue- und Gelbfieber verantwortlich ist. (Weiterlesen: Zika-Infektion bei Frau in Osnabrücker Krankenhaus )

Was löst die Krankheit aus?

Das Guillain-Barré-Syndrom führt zu einer Veränderung des Immunsystems und zu Muskelschwäche im ganzen Körper. Es ist eine Erkrankung der Nervenbahnen, die vom Rückenmark zu den Muskeln oder anderen Organen beziehungsweise von Haut und Organen zum Rückenmark ziehen. Am stärksten sind dabei in der Regel die längsten Nervenbahnen, die zum Bein ziehen, betroffen.

Wie macht sich das Guillain-Barré-Syndrom bemerkbar?

Symptome sind Taubheit in Beinen und Armen, Rückenschmerzen, Herzklopfen und motorische Schwierigkeiten. Typischerweise bemerkt der Patient als erstes Schwierigkeiten, sich aus der Hocke aufzurichten oder Treppen zu steigen. Die Muskeleigenreflexe können nicht ausgelöst werden. In unterschiedlichem Ausmaß treten auch Störungen der Sensibilität (Gefühl für Berührung, Schmerz, Temperatur, Lagesinn) auf. Die Patienten berichten dann oft von Kribbelmissempfindungen oder Taubheit.

Wie lange hält die Krankheit an?

Die schwersten Symptome mit kompletter Lähmung der Muskulatur und Atemlähmung halten unterschiedlich lange an, sie können Tage bis Wochen bestehen. (Lesen Sie hier: Schwangere Frau aus Europa mit Zika-Virus infiziert )

Welche Folgen kann die Erkrankung haben?

In den meisten Fällen erholen sich die Patienten nach einigen Monaten. In schweren Fällen führt das Guillain-Barré-Syndrom zu Lähmungen bis hin zum Tod durch Ersticken.

Welche Personengruppen sind gefährdet?

Männer sind öfter betroffen als Frauen. In etwa 60 – 70 Prozent der Fälle tritt das Guillain-Barré-Syndrom zehn bis vierzehn Tage nach einer Infektionskrankheit auf. Bestimmte Erreger sind dabei häufig vertreten: Bei 18 Prozent der Patienten, vorwiegend bei jüngeren Patienten und nach Infektionen der oberen Atemwege, wurden Antikörper gegen Zytomegalie-Viren nachgewiesen. Zytomegalieviren (CMV) gehören zur Familie der Herpesviren. (Mit epd)


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