Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Brust oder Flasche? Warum Stillen Mütter stresst

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Osnabrück. Wer sein Kind liebt, stillt es. Oder? Nicht unbedingt, findet unsere Elternkolumnistin.

In der vergangenen Woche hat Daniel Benedict unsere Elternkolumnistin gefragt: Wie hältst Du es denn jetzt eigentlich mit dem Stillen? Dies ist ihre Antwort:

Lieber Daniel,

Du stellst die Gretchenfrage der Mommy Wars! Denn hier kann eine Mutter nur alles falsch machen: Stillt sie, beugt sie sich der von einigen Feministinnen beschworenen „Still-Mafia“, die Frauen aus dem Leben ins Haus verweist. Stillt sie kurz, hat sie kein Durchhaltevermögen, stillt sie sehr lang, wird komisch geguckt. Stillt sie zu Hause, wird sie zum Hausmütterchen. Stillt sie in der Öffentlichkeit, reagieren nicht wenige mit Ekel. Entzündet sich ihre Brust, hat sie das Kind falsch angelegt. Füttert sie zeitgleich mit der Flasche, verwirrt sie das Kind.

Füttert sie ausschließlich mit der Flasche, will sie nicht das Beste für ihr Kind und riskiert böse Hauterkrankungen und zu geringes Bonding. Zudem unterstützt sie die böse Muttermilchindustrie, die vor einigen Jahrzehnten das Stillen noch als ungesund verunglimpfte.

Das klingt übertrieben, doch über all diese Dinge wird  in Online-Foren tatsächlich gestritten. Da gibt es nur einen Ausweg: Computer aus, Ohren zu und einfach so machen, wie man es selbst am besten findet.

Mütter wollen „alles richtig machen“

Das klingt einfach, ist aber schwieriger, als Mann denkt: Beim ersten Kind hat es mit dem Stillen bei mir nur schlecht geklappt. Aber ich wollte unbedingt als Mama „alles richtig“ machen. Eine Stillberaterin riet mir sogar, nach „innen zu horchen“ und mich „endlich zu entspannen“. Fazit: wenig Milch, ich war nervös, das Kind weinte, ich weinte, wurde nervöser, das Kind auch und es war schrecklich. Ein Teufelskreis.

Letztendlich konnte meine Mutter das Elend nicht mehr mit ansehen und brachte ungefragt eine Flasche. Die Erlösung: Ab dann wurde zugefüttert, und alles wurde gut. Diese Flasche hat bei uns mehr zum Bonding beigetragen als jeder quälende Versuch, das Kind an die Brust anzudocken. Nach drei Monaten stillte ich ab, das Kind wurde trotzdem klug und blieb ohne Schaden. (Weiterlesen: Bereuen und Bekriegen: Der fatale Müttermythos)

Stillen ist praktisch, Flasche aber auch

Natürlich ist Stillen praktisch, denn solange die Mama keine Drogen nimmt, ist Muttermilch gesund, immer verfügbar, günstig und auch immer richtig temperiert. Selbst die WHO rät zu sechs Monaten Bruststillen. Allerdings wohl auch, weil in vielen Ländern der Erde die Trinkwasserqualität eher bescheiden ist.

Doch Fläschchen sind ebenfalls praktisch: Die Ernährung des Kindes hängt nicht allein von der Mama ab, sie kann das Kind auch anderen anvertrauen - und der Papa kann so Nähe aufbauen. Zudem ist Flaschenmilch nicht ungesund oder macht die Kinder dumm.  Wäre es so, müsste die Generation von Deutschen, die in den 60er und 70er Jahren aufgewachsen ist, von Stumpfsinn betroffen sein. Denn damals galt die Fütterung per Flasche als Nonplusultra. (Weiterlesen: Stillen in der Öffentlichkeit: Die Brust des Anstoßes)

Dieses Mal klappt das Stillen besser, trotzdem füttern ich und mein Mann hin und wieder mit der Flasche - ohne schlechtes Gewissen. Und das, verzeih den Einsatz dieser oft bemühten Phrase, ist auch gut so. Es fühlt sich richtig an. Ob es letztendlich richtig oder falsch ist, wird sich eh erst später zeigen - so wie alles, was Eltern tagtäglich mit ihren Kindern machen.

Deine Corinna

P.S.: Hat Dein Smartphone eigentlich Deinen Erziehungsstil beeinflusst?

Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kenne das: Corinna Berghahn, gerade wieder Mutter geworden, hat ihrer vierjährigen Tochter schon den Adventskalender geplündert. Daniel Benedict, Vater eines Zweijährigen und eines Babys, intrigiert bei den Großeltern, damit seine Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Briefwechsel schütten sie hier einander das Herz aus.


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