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Vater, Mutter, Kind: Elternkolumne Warum junge Eltern nicht zuhören können: Die Baby-Blase

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Wenn das neugeborene Baby da ist, steht für Eltern plötzlich die Welt still. Unsere Elternkolumnistin erklärt das Phänomen Baby-Blase. Archivfoto: dpaWenn das neugeborene Baby da ist, steht für Eltern plötzlich die Welt still. Unsere Elternkolumnistin erklärt das Phänomen Baby-Blase. Archivfoto: dpa

Osnabrück. Terror? Krieg? NSA? Star Wars? Wenn das neugeborene Baby da ist, steht für Eltern plötzlich die Welt still. Unsere Elternkolumnistin erklärt das Phänomen Baby-Blase.

In der vergangenen Woche hat Daniel Benedict unsere frischgebackene Mama und Elternkolumnistin gefragt: Bist du geistig überhaupt noch erreichbar oder steckst du schon tief in der Baby-Blase? Dies ist ihre Antwort:

Lieber Daniel,

vielleicht erkläre ich erst einmal den Begriff: Wenn das neugeborene Baby da ist, steht für Eltern plötzlich die Welt still. Ganz still. Nichts ist mehr von Bedeutung, außer das Kind und das Kennenlernen. Nachrichten, Promigedöns, neue Filme, Platten und Naturkatastrophen finden nicht mehr statt. Schlechte Dinge werden sogar, da bin ich mir sicher, bewusst ausgeblendet. Schließlich hat man auch so schon genug Ängste um das Kind und darüber, alles richtig zu machen. Denn nichts ist in diesen ersten Tagen, Wochen gar Monaten wichtiger als das Kind.

Statt über Weltpolitik zu debattieren, reden junge Eltern nur über ihr Thema Nummer 1: das Kind. Ob das Stillen klappt, die Windeln gut gefüllt sind, wer es nachts durch die Wohnung trägt, was es so besonders macht und ob es nachts nicht zu laut oder zu leise atmet. Und diese Welt, in der junge Eltern leben, nennt sich Baby-Blase. (Weiterlesen: Mein Baby schnarcht und röchelt: Was ist Karcheln?)

Mit jungen Eltern ist nicht gut reden

Junge Eltern sind daher auch denkbar schlechte Gesprächspartner, besonders für Freunde ohne Kinder. Doch keine Angst: Dieses Verhalten ist vollkommen normal und gibt sich normalerweise wieder mit den Monaten. Denn Obacht: Wenn nicht, droht ein Schicksal als Helikopter-Eltern.

Damals, nach der Geburt des ersten Kindes, waren mein Mann und ich wochenlang in der Baby-Blase versunken: Ich weiß bis heute nicht, was damals wichtig war. Außer unserem Kind und wie wir es richtig baden, ohne es durchzubrechen. Irgendwann sind wir wieder aufgetaucht; wohl auch, weil wir beide wieder früh angefangen haben zu arbeiten. Was ich dann auch genossen habe: endlich andere Themen und trotzdem ein Baby im Leben.

Und jetzt lebe ich wieder in der Baby-Blase, auf die ich mich sehr gefreut habe: Das Jahr 2015 hatte besonders zum Ende hin zu viele schlechte Nachrichten. All der Terror, all die Toten, all der wiederaufgeflammte Hass hierzulande gegen Fremde und Fremdes, all die Angst. (Weiterlesen: Der Absturz des Germanwings-Flugzeugs aus Sicht einer Mama)

Kommt die Baby-Blase auch beim 2. Kind?

Doch ob sie dieses Mal genauso lange anhalten wird? Ich bezweifle es, denn schon die Schwangerschaft mit zweitem Kind ist ganz anders als die mit dem ersten: Eher nebensächlich, weniger fokussiert, mehr Alltag. Trotzdem hoffe ich auf die Baby-Blase, denn die Realität kommt schnell genug wieder mit all ihren schlechten Nachrichten.

Das ist nämlich das Paradox: Erst sieht man nur das eigene Kind und ignoriert die Welt - und plötzlich hört man als Eltern noch genauer hin, wenn in den Nachrichten Horrormeldungen zu vernehmen sind. Spätestens dann ist die Blase geplatzt.

Deine Corinna

P.S.: Silvester in der böllerigen Großstadt mit kleinen Kindern - macht Dir das Spaß oder flüchtet ihr?

Vater, Mutter, Kind: über die Elternkolumne

Impfen oder nicht impfen? Was tun, wenn die Tochter sich eine Kuh wünscht? Wie erträgt man Kinderschlager? Eltern stehen täglich vor harten Gewissensfragen. Unsere Kolumnisten kenne das: Corinna Berghahn, gerade wieder Mutter geworden, hat ihrer vierjährigen Tochter schon den Adventskalender geplündert. Daniel Benedict, Vater eines Zweijährigen und eines Babys, intrigiert bei den Großeltern, damit seine Söhnen weniger Geschenke kriegen. Im wöchentlichen Wechsel schütten sie hier einander das Herz aus.

Dies sind ihre lustigsten Texte:

Weihnachten: Eine Ode an das Chaos unter dem Christbaum

Geschwister-Kinder: Sind Erstgeborene anders?

Hände weg: Mein schwangerer Bauch gehört mir!


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